Ein deutscher Kraftakt, ein spanischer Spaziergang und ein Schweizer Überraschungscoup: Die US Open 2025 liefern bereits in der zweiten Runde Dramen, wie sie nur New York hervorbringen kann.
Es war ein Tennisabend, den Jan-Lennard Struff sich nicht besser hätte ausmalen können. Über vier Stunden kämpfte der 34-Jährige gegen den zehn Jahre jüngeren Holger Rune und verließ schließlich Court 17 als strahlender Sieger. 7:6 (5), 2:6, 6:3, 4:6, 7:5 lautete am Ende der Spielbericht, doch was auf dem Court geschah, war weit mehr als nur Zahlen.
Mitte des vierten Satzes sah es so aus, als könne Struff den Sack früh zumachen. Das Break zum 3:2 brachte die deutschen Fans auf den Rängen zum Jubeln, die Stimmung war elektrisiert. Doch Rune zeigte, warum er längst zur Weltspitze zählt. Mit jugendlicher Entschlossenheit konterte er, glich erst im Satz, dann im Match aus.
Die Partie kippte hin und her, während im benachbarten Arthur-Ashe-Stadium Carlos Alcaraz sein Match bereits beendet hatte. Auf Court 17 jedoch wurde jeder Ballwechsel zum kleinen Drama. Besonders im Entscheidungssatz, als Struff beim Stand von 2:3 und 0:30 wankte, aber nicht fiel. Er überstand die kritischen Minuten, holte sich beim Stand von 5:5 das entscheidende Break mit einer krachenden Vorhand und servierte den Sieg eiskalt nach Hause.
Damit steht er in der dritten Runde, in der er auf Frances „Big Foe“ Tiafoe trifft, den Publikumsliebling und Mode-Ikone der US Open. Auch Tiafoe hatte zu kämpfen und bezwang Martin Damm in vier Sätzen. Nun kommt es also zum Kräftemessen zwischen dem deutschen Routinier und dem amerikanischen Showman.
Während Struff um jeden Punkt rang, hatte Carlos Alcaraz es deutlich eiliger. Der Spanier überrollte Mattia Bellucci mit 6:1, 6:0, 6:4 und wirkte dabei, als würde er auf dem Trainingsplatz locker durchziehen.
Bellucci versuchte es mit Tempo- und Schnittvariationen, doch Alcaraz las das Spiel wie ein offenes Buch. Besonders im ersten Satz brillierte er mit einer Mischung aus explosiver Offensive und Leichtigkeit. Nur im dritten Durchgang nahm der Spanier das Tempo etwas heraus und ließ Bellucci mitspielen, ohne jemals Zweifel am Ausgang aufkommen zu lassen.
Alcaraz, der bereits 2022 in New York triumphierte, hat nun mit Luciano Darderi den nächsten Italiener vor der Brust, der sich gegen Eliott Spizziri durchgesetzt hat. Für den 21-Jährigen könnte es das nächste schnelle Kapitel werden oder doch eine unerwartete Herausforderung?
Während Alcaraz durch das Tableau wirbelt, musste ein anderer Star die Segel streichen. Casper Ruud, Finalist der French Open 2022, unterlag in einem Marathonmatch dem Belgier Raphael Collignon mit 4:6, 6:3, 6:3, 4:6, 5:7. Ein Resultat, das selbst Insider überraschte und das Turnier weit öffnet.
Die tschechische Fraktion präsentierte sich dagegen in starker Form. Tomas Machac überrollte João Fonseca mit aggressivem Power-Tennis und Jiri Lehecka fand nach zähem Start gegen Tomás Martín Etcheverry ins Match und gewann überzeugend. Nur Jakub Mensík erwischte es bitter. Er verlor im Champions-Tiebreak gegen Ugo Blanchet.
Das vielleicht verrückteste Match des Tages lieferte der 21-jährige Schweizer Jérôme Kym ab. Gegen den favorisierten Brandon Nakashima entwickelte sich ein epischer Fünfsatz-Krimi, der nach 4:20 Stunden mit 4:6, 7:6 (2), 7:5, 3:6, 7:6 (8) endete.
Es war ein ständiges Auf und Ab, Breaks im Wechsel und pure Nervenstärke im Tiebreak. Am Ende jubelte Kym über den größten Sieg seiner Karriere. Ein Achtungserfolg, der in seiner Heimat für Schlagzeilen sorgen dürfte.
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