Wenn Spanien spielt, bleibt den Gegnern oft nur das Staunen. Doch in Bern will die Schweiz das Tiki Taka der Ibererinnen mit viel Herz und Heimvorteil durchkreuzen.
Freitagabend, 21:00 Uhr im Wankdorf Stadion in Bern: Hier kämpfen Spanien und die Schweiz um den Einzug ins Halbfinale. Während Spanien mit drei Siegen und einem Torverhältnis von 14:3 durch die Gruppenphase marschierte, mussten sich die Schweizerinnen in letzter Minute für die K.-o.-Runde qualifizieren. Unterschiedlichere Wege ins Viertelfinale? Kaum denkbar. Und trotzdem ist im Fußball alles möglich, besonders, wenn das Publikum der zwölfte Mann ist.
Spanien (4-3-3): Coll – Batlle, Paredes, Aleixandri, Carmona – Bonmati, Guijarro, Putellas – Paralluelo, Gonzalez, Caldentey.
Die große Stärke Spaniens liegt im Zentrum: Guijarro räumt ab, Bonmatí läuft heiß und Putellas zaubert. Dazu kommt eine Offensive mit Stil, Speed und Spielwitz. Trainerin Tomé hat aus Talent eine Maschine gebaut, die auf Hochtouren läuft.
Schweiz (5-3-2): Peng – Beney, Calligaris, Stierli, Maritz, Riesen – Reuteler, Wälti, Vallotto – Wandeler, Schertenleib.
Pia Sundhage setzt auf Kompaktheit und Mut in der Umschaltbewegung. Mit Wälti im Zentrum und pfeilschnellen Außen soll Spanien gestört werden. Der Ausfall von Ramona Bachmann ist schmerzhaft, doch die Schweiz hat gezeigt, dass sie bis zur 92. Minute fighten kann.
Bei Spanien sind alle Leistungsträgerinnen einsatzbereit. Aitana Bonmati und Torhüterin Cata Coll haben sich rechtzeitig zurückgemeldet. Bei den Schweizerinnen fehlt mit Ramona Bachmann eine absolute Führungsspielerin. Ihr Kreuzbandriss vor dem Turnier war ein herber Schlag. Sonst sind keine weiteren Ausfälle bekannt.
Wer das Viertelfinale live verfolgen möchte, schaltet am Freitagabend DAZN ein. Vorher noch schnell Chips kaufen, die Katze füttern und das Handy in den Flugmodus. Hier lohnt sich jede Minute.
Was soll man sagen? Spanien pflügt durchs Turnier, so wie einst Xavi und Iniesta durch verzweifelte Abwehrketten pflügten. 5:0 gegen Portugal, 6:2 gegen Belgien und 3:1 gegen Italien. Das ist kein Zufall, sondern Plan. Jede Bewegung sitzt, jede Passkombination wirkt einstudiert. Besonders auffällig ist das Offensiv-Pressing, durch das viele Gegner schon im Spielaufbau verzweifeln.
Die Schweiz dagegen? hatte es schwer. Eine knappe Niederlage gegen Norwegen, ein erkämpfter Sieg gegen Island und das Weiterkommen in der Nachspielzeit gegen Finnland. Das klingt mehr nach Zitterpartie als nach Titelform. Doch das Team ist eingespielt, kämpft um jeden Zentimeter und hat ein klares Konzept. Gegen Spanien wird es weniger um Ballbesitz gehen als um die Kunst der Geduld, der Unterbrechung und des gezielten Konters.
Was der Schweiz Mut machen kann: Spanien ist in der Abwehr nicht unverwundbar. Wenn es schnell geht und das können Beny und Riesen – dann wird es gefährlich. Das Problem ist jedoch, dass man erst einmal an Spaniens Pressing vorbeikommen muss, um so weit zu kommen. Und das gleicht einem Dschungel aus Passlinien und Doppelungen.
Zugutehalten muss man der Schweiz, dass sie kämpfen wird, dass sie beißt, kratzt und läuft. Doch Spanien spielt in einer anderen Liga. Wenn Putellas den Taktstock schwingt und Paralluelo lossprintet, brennt es lichterloh. Die Frage ist nicht, ob Spanien gewinnt, sondern wie hoch.
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