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Olympia/Tennis
  1. TENNIS

Sinner steht vor der Krönung

Nur ein Sieg trennt Jannik Sinner davon, wieder die Nummer eins der Welt zu werden. In Paris spielt der Italiener Tennis wie aus einem Guss und sorgt dabei für Gänsehautmomente.

Manchmal reicht ein Blick, um zu erkennen: Da passiert gerade etwas Besonderes. Als Jannik Sinner Alexander Zverev im Halbfinale von Paris mit 6:0, 6:1 vom Platz fegte, war das so ein Moment. Kein Zittern, kein Zögern, nur pure Dominanz. Der 24-jährige Italiener, ohnehin in der Form seines Lebens, spielte den angeschlagenen Zverev förmlich an die Wand, der in seinem ersten Finale beim prestigeträchtigen ATP-Masters-Turnier von Paris antreten wird.

Zverev, Titelverteidiger und am Vorabend noch über zwei Matchbälle hinweg gegen Daniil Medvedev siegreich, wirkte platt. Seine Bewegungen waren schwerfällig, seine Schläge fahrig, als wäre jede Rallye ein kleiner Berganstieg. Sinner sah es, nutzte es aber nicht aus, sondern spielte einfach weiter sein Spiel. 23 Winner, nur 12 Fehler. Kein Mitleid, keine Schwäche. Nur Entschlossenheit.

„Wenn du körperlich so einbrichst wie er, kannst du nicht mehr mit voller Power aufschlagen“, sagte Sinner nach dem Match nüchtern. Und doch war da auch Mitgefühl: „Sascha hat ein unglaubliches Turnier gespielt. Nach Wien hier wieder ins Halbfinale, das ist stark. Ich hoffe, er erholt sich schnell für Turin.“

Mit diesem Sieg verlängerte Sinner seine Siegesserie auf Hallen-Hartplätzen auf unglaubliche 25 Matches. Im Finale wartet nun mit Felix Auger-Aliassime ein Gegner, der in den vergangenen Monaten selbst wieder aufblühte. Die Bilanz ihrer direkten Duelle steht bei 2:2, zuletzt hatte Sinner beide Matches in Cincinnati und bei den US Open für sich entschieden. Doch am Sonntag wird alles auf null gesetzt.

Und der Einsatz? Nicht weniger als die Spitze der Tenniswelt. In der Live-Weltrangliste trennen Sinner nur 100 Punkte von Carlos Alcaraz. Ein Sieg in Paris und der Südtiroler wäre wieder auf dem Thron. Nach seinen Triumphen bei den Australian Open und in Wimbledon wäre dies der perfekte Abschluss einer ohnehin historischen Saison.

Auger-Aliassime hat nach schwierigen Monaten hingegen sein Spiel wiedergefunden. Für ihn ist das Finale eine Gelegenheit, sich zurück ins Rampenlicht zu spielen. „Er spielt momentan unglaubliches Tennis“, lobte Sinner seinen Finalgegner. „Ich freue mich auf das Match. Es ist ein großartiger Moment für uns beide.“

Auch für Zverev geht es weiter, wenn auch mit gedämpfter Stimmung. Schon bald beginnt das nächste große Turnier: die Nitto ATP Finals in Turin. Dort will der zweifache Champion wieder angreifen, auch wenn sein Körper derzeit nach Ruhe schreit. Die Saison war lang: 77 Matches, drei Finals, der Titel in München, das Finale der Australian Open. Viel Licht, aber auch viel Verschleiß.

Für Sinner hingegen scheint die Sonne heller denn je. Neun Finals in elf Turnieren. Diese Bilanz liest sich wie aus einer anderen Tenniswelt. Schon im vergangenen Jahr stand er neunmal im Endspiel, jetzt wieder. Dazu kommen die meisten Top-10-Siege der Saison: 13, gleichauf mit Alcaraz.

Doch was ihn wirklich besonders macht, ist seine Ruhe. Kein Triumph und kein Rückschlag bringen ihn aus dem Gleichgewicht. Vielleicht ist es genau das, was ihn zur neuen Nummer eins prädestiniert. Diese Gelassenheit, gepaart mit gnadenloser Präzision.

Wenn Sinner am Sonntag in Paris auf den Court tritt, geht es also um mehr als nur einen Pokal. Es geht um ein Statement. Um den Beweis, dass Konstanz und Coolness noch immer Meister machen können. Und vielleicht sogar um den Beginn einer neuen Ära im Tennis.

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