Jannik Sinner bleibt unaufhaltsam: Der Italiener besiegt Alexander Zverev erneut und zieht bei den ATP Finals in Turin ins Halbfinale ein. Eine makellose Vorstellung vor heimischem Publikum.
Turin, Inalpi Arena. Jannik Sinner hat es wieder getan und wie! Der 24-Jährige steht nach einem überzeugenden 6:4, 6:3-Sieg gegen Alexander Zverev im Halbfinale der Nitto ATP Finals. Es war bereits der dritte Erfolg über den Deutschen innerhalb von nur 17 Tagen und der fünfte Sieg in Folge im direkten Duell. Damit verbessert Sinner seine Bilanz gegen Zverev auf 6:4, nachdem der Hamburger das Head-to-Head einst mit 4:1 angeführt hatte.
Schon in den ersten Ballwechseln wurde klar, dass hier ein Sinner in Bestform auf einen Zverev trifft, der keinen Zugriff findet. Der Italiener begann mit einem Paukenschlag: vier Asse im ersten Aufschlagspiel, zwei davon direkt, um Breakbälle abzuwehren. Ein frühes Statement, das den Ton für den Rest der Partie vorgab.
„Es war ein sehr, sehr enges Match, aber ich habe in den wichtigen Momenten extrem gut aufgeschlagen“, sagte Sinner nach dem Spiel. „Ich wollte mein bestes Tennis zeigen, wenn es darauf ankommt, und das ist mir gelungen.“
Sinner ließ über die gesamte Partie keinen einzigen Breakverlust zu. Laut Infosys ATP Stats wehrte er alle sieben Breakbälle mit einem ersten Aufschlag ab. Besonders eindrucksvoll: Im zweiten Satz lag er einmal 0:40 hinten und servierte sich mit drei starken Aufschlägen aus der brenzligen Lage. Insgesamt schlug er zwölf Asse und nutzte die lautstarke Unterstützung der italienischen Fans in der Inalpi Arena gnadenlos aus.
Das entscheidende Break im ersten Satz gelang ihm beim Stand von 5:4, als er seinen dritten Satzball nach einer spektakulären 17-Ball-Rallye verwandelte, bei der Zverev schließlich eine Vorhand verzog. Von da an spielte Sinner befreit, druckvoll und mit beeindruckender Präzision. Am Ende standen 28 Winner auf seinem Konto, fast doppelt so viele wie bei Zverev (17).
„Wir haben beide taktisch etwas verändert und versucht, sehr flach und schnell zu spielen“, erklärte Sinner. „Aber ich war heute einfach zufriedener mit meinem Return. Gegen Sascha ist das unglaublich schwierig, er hat einen der besten Aufschläge im Spiel.“
Zverev, der die ATP Finals 2018 und 2021 gewonnen hatte, blieb diesmal chancenlos. Trotz kämpferischer Phasen fand er kein Mittel gegen Sinners konstante Aggressivität. Während der Deutsche noch um den Verbleib in der Björn-Borg-Gruppe kämpft, steht Sinner mit einer makellosen 2:0-Bilanz bereits sicher in der K.-o.-Runde. Sein letztes Gruppenspiel bestreitet er gegen den US-Amerikaner Ben Shelton.
Für Sinner steht jedoch mehr als nur der Halbfinaleinzug auf dem Spiel: Der Italiener ist weiterhin im Rennen um die Jahresend-Nummer-1-Position der ATP, präsentiert von PIF. Dafür muss er das Turnier als ungeschlagener Champion gewinnen und hoffen, dass Carlos Alcaraz keinen weiteren Sieg einfährt. Der Spanier, der sich bereits für das Halbfinale qualifiziert hat, trifft am Donnerstag auf Sinners Landsmann Lorenzo Musetti.
Egal, wie das ausgeht: Die italienischen Fans haben in Turin bereits jetzt ihren Helden gefunden. Mit jeder Partie wirkt Sinner selbstbewusster, kompletter und reifer. Seine Aufschlagquote, seine Ruhe in Drucksituationen und seine taktische Klarheit deuten darauf hin, dass der 24-Jährige kurz davorsteht, seinen Platz unter den ganz Großen endgültig zu festigen.
Sollte er in dieser Form weiterspielen, könnte Turin Zeuge davon werden, wie Jannik Sinner seine beeindruckende Saison mit dem größten Triumph seiner Karriere krönt.
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