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Sinner ohne Probleme, auch Zverev weiter

In Wien kocht das ATP-Turnier über. Sinner marschiert, Zverev profitiert, De Minaur kämpft und Musetti wittert seine große Chance, nach Turin zu kommen. Wer hält im Halbfinale den Traum am Leben?

Manchmal ist nicht nur Talent entscheidend, sondern auch mentale Härte und beides hat Jannik Sinner in Wien eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der an Position eins gesetzte Italiener fegte am Freitagabend mit 6:4, 6:4 über Alexander Bublik hinweg und steht damit im Halbfinale des ATP-500-Turniers. Nach seiner Niederlage gegen den Kasachen in Halle hat Sinner die Revanche doppelt genossen: Seitdem gewann er nicht nur das Duell bei den US Open klar, sondern auch dieses Viertelfinale mit eiserner Präzision.

„Ich wollte so viele Returns wie möglich ins Feld bringen”, erklärte Sinner nach seinem 58-minütigen Auftritt. „Er servierte stark, aber ich blieb ruhig und solide.“ Diese Ruhe spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Mit einer Performance-Bewertung von 9,23, die eine Mischung aus Angriff, Effizienz und Schlagqualität misst, war Sinner fast auf seinem Topniveau. Bereits in der ersten Runde hatte er mit 9,61 seine zweitbeste Saisonleistung erzielt. Kein Wunder, dass er die Head-to-Head-Bilanz gegen Bublik nun mit 6:2 anführt.

Sinner, der das Turnier 2023 gewonnen hatte, liebt die Wiener Halle. 15 Siege bei nur vier Niederlagen und 19 gewonnene Matches in Folge auf Indoor-Böden: Der 24-Jährige wirkt derzeit fast unantastbar. Und doch steht ihm jetzt mit Alex de Minaur ein Gegner bevor, der ebenfalls glänzt.

Der Australier zeigte gegen Matteo Berrettini seine bisher beste Saisonleistung. Mit 6:1, 7:6 (4) stürmte er ins Halbfinale und holte seinen 53. Saisonsieg; nur Carlos Alcaraz hat mehr. Vier Halbfinals auf ATP-500-Niveau in einem Jahr, das gelang 2025 sonst nur Alcaraz. Und auch wenn de Minaur beim Stand von 5:4 im zweiten Satz einen Matchball auf eigenem Aufschlag vergab, behielt er im Tiebreak die Nerven.

Mit dem Einzug ins Halbfinale stärkt De Minaur zudem seine Position im Kampf um Turin. In der PIF ATP Live Race liegt er aktuell auf Platz sieben, 500 Punkte vor Felix Auger-Aliassime, der in Basel verletzt aufgeben musste. Nach seiner Premiere bei den ATP Finals jagt der 26-Jährige nun das zweite Ticket für die Elite-Acht.

Fix qualifiziert ist dagegen Alexander Zverev. Der Hamburger musste am Freitag nicht einmal den Schläger schwingen. Sein Gegner Tallon Griekspoor zog wegen Rückenproblemen zurück. Zverev, der das Turnier 2021 schon einmal gewann, steht damit kampflos im Halbfinale und hat nach einer intensiven Saison plötzlich etwas Extra-Energie.

Sein kommender Gegner ist der Mann der Stunde: Lorenzo Musetti. Der 22-jährige Italiener besiegte den Franzosen Corentin Moutet souverän mit 6:3, 6:4 und erreichte damit seinen 41. Saisonsieg, persönlicher Rekord. Musetti, der noch nie bei den ATP Finals dabei war, liegt derzeit auf Platz acht der Race-Wertung, nur 60 Punkte hinter de Minaur.

Gegen Zverev darf er sich Hoffnungen auf mehr machen, denn die Bilanz spricht für ihn. Er hat drei von vier Duellen gewonnen, darunter das spektakuläre Comeback im Vorjahr, als er den Deutschen nach einem Satzrückstand noch ausschaltete. „Ich fühle mich auf Hartplatz immer wohler, besonders indoor”, sagte Musetti nach dem Match. „Gegen Zverev muss man aggressiv und mutig sein – das ist mein Plan.“

Wien könnte also Schauplatz eines doppelten italienischen Triumphs werden: Sinner und Musetti, zwei Generationen, zwei Stile, ein Ziel. Beide spielen nicht nur um den Titel, sondern auch um Symbolkraft. Während Sinner längst zur konstanten Weltspitze gehört, kämpft Musetti noch um den Durchbruch auf höchstem Niveau.

Und dazwischen? Zverev ist der erfahrene Stratege mit zwei Titeln bei den ATP Finals in der Tasche. De Minaur ist der Dauerrenner mit einem Kämpferherz aus Stahl. Vier Spieler, vier Geschichten, alle mit einem Schuss Dramatik.

Wenn am Wochenende die Halle in Wien tobt, steht mehr als nur ein Pokal auf dem Spiel. Es geht um Form, Selbstvertrauen und den Platz in der Tenniselite. Wird Sinner seinen Lauf fortsetzen? Zündet Zverev den Turbo? Oder schreibt Musetti das nächste Kapitel seines Aufstiegs?

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