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Tennis
  1. TENNIS

Sinner im Halbfinale gegen Auger-Aliassime

Jannik Sinner fegt Musetti vom Platz und trifft im Halbfinale auf Felix Auger-Aliassime. Während der Italiener souverän agiert, kämpft sich der Kanadier nervenstark durch ein Marathon-Match.

Wer gedacht hatte, das Viertelfinale der US Open 2025 würde eine Angelegenheit voller Routine werden, wurde eines Besseren belehrt. Der Titelverteidiger und aktuelle Weltranglistenerste Jannik Sinner spazierte mit einer fast schon furchteinflößenden Leichtigkeit ins Halbfinale und das gegen seinen Landsmann Lorenzo Musetti. Damit schrieben die beiden ein kleines Stück Tennisgeschichte. Zum ersten Mal überhaupt trafen zwei Italiener in einem Grand-Slam-Viertelfinale der Herren aufeinander. Doch der historische Rahmen kümmerte Sinner herzlich wenig: Er gewann mit 6:1, 6:4, 6:2.

Schon der Auftakt war ein Donnerschlag. Ein 6:1 im ersten Satz, der vierte Durchgang in Serie mit genau diesem Ergebnis, nachdem Sinner zuvor Alexander Bublik auf die gleiche Weise überrollt hatte. Musetti wirkte zwar gefestigter als Bublik, doch in den entscheidenden Momenten blitzte die enorme Wucht des Südtirolers durch. Sinner spielte nicht einfach Tennis, er diktierte das Geschehen wie ein Dirigent, der jeden Ton im Griff hat.

Im dritten Satz hatte Musetti noch einmal die Gelegenheit, den Rhythmus seines Gegners zu brechen. Gleich vier Breakchancen erspielte er sich, doch Sinner wehrte sie allesamt ab. Wer in solchen Drucksituationen so unerschütterlich bleibt, sendet ein klares Signal an die Konkurrenz: Dieser Mann will seinen Titel verteidigen. Spätestens nach dem Break zum 5:2 war klar, dass es für Musetti kein Zurück mehr gab.

Während Sinner also souverän durchmarschierte, lieferte sich Felix Auger-Aliassime ein episches Drama mit Alex de Minaur. Ganze vier Stunden und zehn Minuten dauerte das Ringen im Arthur Ashe Stadium, bis der Kanadier seinen ersten Matchball verwandelte und jubelnd die Arme in die Höhe riss. 4:6, 7:6 (9:7), 7:5, 7:6 (7:4). Ein Ergebnis, das die Zähigkeit und die Nervenstärke von Auger-Aliassime widerspiegelt.

Besonders im zweiten Satz zeigte sich, warum Tennis auf dieser Bühne so oft pure Unterhaltung ist: De Minaur packte am Ende eines spektakulären Ballwechsels einen Schlag durch die Beine aus, der sich als perfekter Lob entpuppte. Das Publikum tobte, doch am Ende blieb der Australier einmal mehr am Fluch des Viertelfinals hängen. Bereits zum sechsten Mal scheiterte er bei einem Grand Slam in dieser Runde.

Für Auger-Aliassime hingegen ist es die zweite Halbfinalteilnahme in New York. Nach dem Sensationssieg gegen den deutschen Topspieler Alexander Zverev in der dritten Runde war nun auch der Weltranglistenachte de Minaur an der Reihe. „Da war heute viel Nervosität dabei. Es war nicht besonders hübsch, aber so sind Grand-Slam-Matches manchmal“, gab der Kanadier ehrlich zu. Hübsch oder nicht. Er steht im Halbfinale und trifft auf niemanden Geringeren als Jannik Sinner.

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden fand in Cincinnati statt, wo Sinner Auger-Aliassime gerade einmal zwei Spiele ließ. Kann der Kanadier diesmal dagegenhalten? Oder rollt der italienische Express einfach weiter in Richtung Titelverteidigung?

Währenddessen verspricht das zweite Halbfinale am Freitag ein absoluter Tennis-Klassiker zu werden. Carlos Alcaraz trifft auf Novak Đoković. Ein Duell, das längst über den Sport hinausstrahlt, weil es Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf dem Court vereint. Hier trifft jugendliche Explosivität auf die unermüdliche Konstanz des Serben. Ein Generationen-Clash, der elektrisiert.

Doch zunächst richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Frage: Kann Auger-Aliassime den scheinbar unaufhaltsamen Sinner stoppen? Der Italiener wirkt fitter und konzentrierter denn je; seine körperlichen Probleme aus Cincinnati scheinen überwunden zu sein. Gleichzeitig spielt der Kanadier mit der mentalen Freiheit eines Außenseiters, der schon mehrfach über sich hinausgewachsen ist.

Am Freitag steht also das Halbfinale im Arthur Ashe Stadium an. Auf der einen Seite steht ein Titelverteidiger, der auf dem Weg zur eigenen Legende ist. Auf der anderen Seite steht ein Herausforderer, der gerade erst begonnen hat, seine Geschichte zu schreiben. Es riecht nach einem weiteren Kapitel voller Dramatik, Emotionen und Überraschungen und nach einem Tennisabend, den niemand verpassen sollte.

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