Jannik Sinner, Daniil Medvedev, Matteo Berrettini und mittendrin das Publikum, das in Wien Tennis auf höchstem Niveau erlebt. Was verbindet sie? Der gemeinsame Hunger nach Titeln und Matches, die an Spannung kaum zu überbieten sind.
Was für ein Auftakt! Jannik Sinner ließ beim Erste Bank Open keinen Zweifel daran, dass er auch 2025 zu den gefährlichsten Spielern der Tour zählt. In nur 58 Minuten fegte der an Position eins gesetzte Italiener seinen Gegner Daniel Altmaier mit 6:0, 6:2 vom Platz. Seine schnellste Partie des Jahres. Von Beginn an dominierte Sinner mit präzisen Grundschlägen, aggressivem Tempo und einer Präsenz, die Altmaier kaum Luft ließ.
„Im ersten Satz hat alles perfekt funktioniert“, sagte Sinner nach dem Spiel. „Auf Hartplätzen in der Halle musst du wachsam bleiben. Wenn dein Gegner gut serviert, wird es schwer, ein Break zu schaffen. Heute war das Gefühl einfach richtig gut.“
Dass der 24-Jährige das Spiel in der Halle liebt, zeigt eine beeindruckende Zahl: 17 Siege in Folge auf Hallen-Hartplätzen. Nach seinem verletzungsbedingten Rückzug in Shanghai scheint er stärker zurückzukehren als zuvor. Nun trifft Sinner auf seinen Landsmann Flavio Cobolli, der sich mit 7:6 (6), 6:2 gegen Tomas Machac durchsetzte. Ein italienisches Duell, das Brisanz verspricht.
Während Sinner durch das Turnier stürmt, musste Daniil Medvedev einen Umweg nehmen. Der frisch gekürte Champion von Almaty startete gegen Nuno Borges holprig, gewann aber schließlich mit 6:4, 6:7 (7), 6:2. Bitter: Im zweiten Satz vergab er zwei Matchbälle. Doch statt zu hadern, konterte Medvedev im Entscheidungssatz mit seiner typischen Nervenstärke.
Sein Ziel ist klar: das Ticket für die Nitto ATP Finals in Turin. Aktuell liegt er in der Live-Rangliste auf Platz 13. Das ist zu weit weg, um sich zurückzulehnen, aber nah genug, um den Traum am Leben zu halten. Sollte er weiterkommen, winkt im Viertelfinale ein Kracher gegen den Achtplatzierten Lorenzo Musetti. Zuvor wartet jedoch ein bekanntes Gesicht auf ihn: Corentin Moutet, sein Finalgegner aus Almaty, der in Wien Damir Dzumhur mit 6:3 und 6:0 besiegte.
Auch Matteo Berrettini meldete sich eindrucksvoll zurück. Der Halbfinalist von Wien aus dem Jahr 2019 besiegte Alexei Popyrin mit 7:6 (5), 6:3 und zeigte dabei jene Mischung aus Power und Eleganz, die ihn einst in die Weltspitze katapultierte. Nun steht ihm Cameron Norrie gegenüber, einen Gegner, den Berrettini in ihren bisherigen zwei Duellen stets bezwingen konnte. Der Sieger dieser Begegnung trifft auf keinen Geringeren als den australischen Tempomacher Alex de Minaur.
De Minaur, der sich derzeit in überragender Form präsentiert, besiegte den österreichischen Wildcard-Spieler Filip Misolic mit 6:4, 6:4 und erreichte damit bereits sein elftes Viertelfinale der Saison. Eine beeindruckende Konstanz. Kein Spieler auf der Tour hat 2025 mehr Siege auf Hartplätzen gesammelt (39!). In der Live Race to Turin steht er auf Rang sieben und kämpft darum, sich im Konzert der Großen zu behaupten. Ein weiteres ATP-500-Turnier nach seinem Triumph in Washington wäre der logische nächste Schritt.
Doch auch abseits der großen Namen liefert Wien Drama pur. Der Niederländer Tallon Griekspoor sicherte sich in einem engen Duell mit Brandon Nakashima den ersten Viertelfinalplatz (7:6, 7:6). Nun wartet er auf den Sieger der Partie zwischen Alexander Zverev und dem aufstrebenden Italiener Matteo Arnaldi. Ein Duell, das sowohl Power als auch Emotionen verspricht, und das Wiener Publikum dürfte wieder einmal lautstark mitgehen.
Die Ausgangslage vor dem Viertelfinale könnte kaum spannender sein: Sinner ist auf dem Weg zum nächsten Titel, Medvedev kämpft um die Qualifikation für Turin, De Minaur ist der Dauerläufer der Saison und Zverev lauert im Hintergrund. Die Frage ist nicht, wer in Wien überzeugt, sondern wer dem Druck am besten standhält.
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