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Sinner fertigt Altmaier ab

Jannik Sinner startet in Shanghai, als hätte er nie aufgehört zu gewinnen. Doch kann der Titelverteidiger den Fluch der Shanghai Masters brechen und damit Geschichte schreiben?

Der Himmel über Shanghai war diesig, die Luft feucht und das Stadion brodelte, während Jannik Sinner spielte, als ginge es um weit mehr als nur einen Auftaktsieg. Der Titelverteidiger fegte am Samstag beim ATP-Masters-Turnier in Shanghai mit 6:3, 6:3 über Daniel Altmaier hinweg und setzte damit ein deutliches Zeichen: Sein Titel aus dem Vorjahr war kein Zufall und die Jagd nach dem nächsten großen Coup hat gerade erst begonnen.

Sinner, aktuell die Nummer zwei der Welt, kam direkt aus Peking, wo er wenige Tage zuvor das ATP-500-Turnier gewonnen hatte. Ohne große Eingewöhnung, aber mit unerschütterlichem Selbstvertrauen dominierte er auch in Shanghai vom ersten Ballwechsel an. „Ich wusste, dass es heute sehr schwer werden würde“, sagte Sinner nach dem Match. „Ich hatte kaum Zeit, mich hier anzupassen, aber genau das macht es besonders.“

Ein Satz, der seine Haltung perfekt beschreibt: Sinner lebt von seiner Ruhe, seiner Präzision und seiner Fähigkeit, schwierige Bedingungen in Motivation zu verwandeln. Die Qizhong Forest Sports City Arena ist bekannt für ihre hohe Luftfeuchtigkeit, die Spieler und Schläger gleichermaßen fordert, doch Sinner blieb cool.

Der 24-Jährige revanchierte sich damit eindrucksvoll für eine schmerzhafte Erinnerung: Seine letzte Begegnung mit Daniel Altmaier endete 2023 bei den French Open mit einer unerwarteten Niederlage. Zwei Jahre später drehte Sinner den Spieß um: Mit drei Breaks bei vier Chancen und kaum einem Wackler in 98 Minuten Spielzeit.

Nun wartet Tallon Griekspoor in Runde drei, einen Gegner, den Sinner in bisher sechs Duellen sechs Mal besiegt hat. Statistisch gesehen spricht also alles für den Italiener, der in China ohnehin fast unschlagbar wirkt. Drei Titel (Peking 2023 und 2025, Shanghai 2024) und eine Bilanz von 23 Siegen bei nur zwei Niederlagen sprechen eine klare Sprache.

Doch Sinners Blick geht längst über dieses Turnier hinaus. Durch die Verletzung von Carlos Alcaraz öffnet sich für den Italiener ein Türspalt zur Spitze der Weltrangliste. Sollte er Griekspoor besiegen, würde er bis auf 1.290 Punkte an Alcaraz herankommen. Verteidigt er seinen Titel, wären es sogar nur noch 390 Punkte. Plötzlich scheint die Rückkehr auf den Tennisthron keine ferne Vision mehr, sondern ein realistisches Ziel zu sein.

„Hier ist alles anders“, erklärte Sinner über die Bedingungen in Shanghai. „Es ist viel feuchter, körperlich anstrengender. Nach einem Turniersieg auszuruhen, ist schwierig. Du musst das richtige Gleichgewicht finden.“ Worte, die zeigen, wie sehr Sinner die feinen Nuancen seines Sports mittlerweile versteht.

Doch er ist nicht der Einzige, der in Shanghai aufblüht. Auch Daniil Medvedev, einst Weltranglistenerster und Sieger von 2019, scheint seinen Rhythmus wiedergefunden zu haben. Mit einem glasklaren 6:1, 6:1 gegen den tschechischen Qualifikanten Dalibor Svrcina ließ er keine Zweifel an seiner Form. 22 Winner, nur neun unerzwungene Fehler – Medvedevs Leistung erinnerte an seine besten Tage.

Sein nächster Gegner ist Alejandro Davidovich Fokina, der Matteo Arnaldi mit 6:4, 6:4 besiegte. Eine Partie, die Feuer verspricht, denn der Spanier gilt als unangenehmer Gegner, der mit Tempo und Emotion für Chaos sorgen kann.

Und dann wäre da noch Learner Tien. Ein Name, den man sich merken sollte. Der junge Amerikaner aus der #NextGenATP-Riege hat Medvedev in dieser Saison bereits zweimal geschlagen, zuletzt im Halbfinale von Peking. Auch in Shanghai kämpfte er sich erneut durch, drehte gegen Corentin Moutet einen 4:6-, 6:4- und 6:4-Rückstand um und trifft nun auf Cameron Norrie. Ein Spieler, der nichts zu verlieren hat und genau deshalb gefährlich ist.

Während Sinner in China seinen Traum vom Double weiterverfolgt, formiert sich das Teilnehmerfeld neu. Medvedev wirkt wieder fokussiert, Tien spielt befreit auf und durch Alcaraz’ Abwesenheit ergeben sich neue Dynamiken. Shanghai, das in den letzten Jahren kaum einem Titelverteidiger Glück gebracht hat, könnte entweder zum Ort einer seltenen Wiederholung werden oder zum Schauplatz der nächsten Sensation.

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