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Tennis
  1. TENNIS

Shelton trotzt dem Schmerz, Fonseca schreibt Geschichte

Rama, Kampfgeist und ein Hauch von Tennisgeschichte: Ben Shelton wehrt zwei Matchbälle ab, Joao Fonseca gewinnt erstmals in Basel und sorgt damit für die bislang größte Überraschung des Turniers.

Ben Shelton weiß, wie sich Druck anfühlt. Doch wer dachte, seine Saison würde nach der Schulterverletzung beim Aus gegen Adrian Mannarino bei den US Open langsam auslaufen, der hat den jungen Amerikaner unterschätzt. Beim ATP-500-Turnier in Basel kämpfte er sich in einem packenden Erstrundenmatch gegen den Polen Kamil Majchrzak mit 6:7 (2), 6:3, 7:6 (7) durch. Nach zwei abgewehrten Matchbällen und über zweieinhalb Stunden purem Nervenspiel.

„Er hatte das Match auf dem Schläger und dann ich“, sagte Shelton nach dem Thriller. „Auf so schnellen Courts entscheidet oft nur ein Punkt. Man muss mental stark bleiben.” Gesagt, getan: Trotz Blasen an der Hand und sichtbarer Anspannung zeigte der 23-Jährige seine alte Stärke, seinen Mut und seine unbändige Energie, die ihn schon im vergangenen Jahr bis ins Finale von Basel getragen hatten.

Sein Jubelschrei nach dem verwandelten Matchball galt seinem Vater und Coach Bryan Shelton auf der Tribüne. Es war nicht nur ein Sieg über den Gegner, sondern auch über die Unsicherheit nach der Verletzung. „Das ist mein erster Sieg seit der Pause. Das ist großartig. Ich habe hart daran gearbeitet, wieder meinen Rhythmus zu finden“, erklärte Shelton.

Sein Blick richtet sich nun Richtung Turin: In der PIF ATP Live Race To Turin steht Shelton aktuell auf Platz sechs, 625 Punkte vor dem Neuntplatzierten Felix Auger-Aliassime, der ebenfalls noch in Basel im Rennen ist. Ein möglicher direkter Vergleich im späteren Turnierverlauf könnte also nicht nur sportlich, sondern auch im Hinblick auf das Saisonfinale äußerst spannend werden.

Doch Shelton war nicht der Einzige, der für Aufsehen sorgte. Der 19-jährige Brasilianer Joao Fonseca sorgte mit seinem Sieg über den Titelverteidiger Giovanni Mpetshi Perricard für einen echten Paukenschlag. Mit 7:6 (6), 6:3 schrieb Fonseca Geschichte und ist der jüngste Matchgewinner in Basel seit Denis Shapovalov im Jahr 2017.

Sein Spiel war eine Mischung aus jugendlicher Furchtlosigkeit und taktischer Reife: Immer wieder stürmte er ans Netz und gewann 72 Prozent seiner Punkte dort (21 von 29). Eine Zahl, die seine Entschlossenheit unterstreicht. Fonseca, der in diesem Jahr bereits in Buenos Aires seinen ersten ATP-Titel feierte und sich in die Top 50 spielte, wirkt, als sei er längst bereit für die große Bühne. „Ich wollte zeigen, dass ich hierhergehöre”, sagte er nach dem Match und das hat er eindrucksvoll getan.

Sein nächster Gegner ist Jakub Mensik, ein weiterer Vertreter der #NextGenATP. Ein Duell, das weniger nach Erstrunde als nach einer Vorschau auf die Zukunft des Tennissports klingt.

Während Shelton und Fonseca die Schlagzeilen bestimmten, lieferten auch die Routiniers ihre Geschichten. So setzte sich Marin Cilic, einst US-Open-Sieger und jetzt wieder mit neuem Schwung unterwegs, mit 7:6 (9), 7:5 gegen David Goffin durch. Der Belgier war als „Lucky Loser“ ins Hauptfeld gerutscht, doch Cilic bewies, dass Erfahrung am Ende zählt. Kurios: Es war bereits das zweite Duell der beiden in Basel. Cilic hatte Goffin schon in der Qualifikation geschlagen. Im direkten Vergleich steht es nun 5:5.

Reilly Opelka, der nach langer Verletzungspause zurückkehrte, zeigte beim 6:3, 6:4 gegen Sebastián Baez, dass sein Aufschlag noch immer zu den gefährlichsten der Tour zählt. Und Valentin Royer setzte mit seinem 6:4, 7:6 (5)-Sieg über Raphael Collignon ein weiteres Ausrufezeichen in einem ohnehin turbulenten Turnierstart.

Basel erlebt derzeit alles, was Tennisfans lieben. Emotionen, Überraschungen und das Gefühl, Zeugen eines Neubeginns zu sein. Shelton kämpft sich zurück in die Weltelite, Fonseca steht kurz davor, und im Hintergrund schärfen die Routiniers ihre Waffen für das, was noch kommt.

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