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Tennis
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Seidels mischt Cincinnati auf

Ein dramatischer Tiebreak, zwei abgewehrte Matchbälle und ein Durchbruch, der selbst sie sprachlos macht: Ella Seidel mischt plötzlich die WTA-Welt auf.

Es gibt Momente im Sport, die alles verändern. Für Ella Seidel war Cincinnati genau so ein Ort. Die 20-jährige Hamburgerin, die bis vor Kurzem noch eine Außenseiterin auf der WTA-Tour war, hat sich mit einem atemberaubenden Lauf ins Achtelfinale katapultiert und damit den bislang größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert.

Der Moment, als es geschafft war, wirkte fast filmreif: Arme in die Luft, ein Lächeln, das kaum enden wollte, und ein schüchternes Dankeschön ans Publikum. Währenddessen ballte Aushilfstrainer Lukas Wolff neben dem Platz die Faust, und ihr eigentlicher Coach Lars Uebel zitterte tausende Kilometer entfernt in Deutschland live als Co-Kommentator im TV mit. „Das ist das Glück des Tüchtigen. Das hat sie sich erarbeitet. Top Leistung, top Performance“, schwärmte Uebel, der nun sofort nach Ohio reist.

Und was für ein Match das war! Im entscheidenden Tiebreak gegen McCartney Kessler (USA) wehrte Seidel zwei Matchbälle ab, bevor sie mit einem krachenden Aufschlag ihren eigenen verwandelte: 6:4, 2:6, 7:6 (8:6). Es war erst ihr zweiter Sieg überhaupt gegen eine Top-50-Spielerin, und doch schon der zweite in dieser Woche: Zuvor hatte sie Emma Navarro, die Nummer 11 der Welt, aus dem Turnier geworfen.

Dabei war Seidel als Nummer 125 der Weltrangliste gestartet. Nun kratzt sie an den Top 100 und wirkt, als könne sie noch viel mehr erreichen. „So stark, Mann!“, kommentierte Kollegin Eva Lys stolz auf Instagram.

Im Achtelfinale wartet nun Varvara Gracheva aus Frankreich, die aktuell auf Platz 103 der Weltrangliste steht. Sie ist keine übermächtige Gegnerin, doch schon jetzt steht fest: Das Turnier ist für Seidel ein Erfolg. Über 50.000 Dollar Preisgeld, wertvolle Ranglistenpunkte und eine Extraportion Selbstvertrauen warten auf sie und das kurz vor der Qualifikation für die US Open. Noch nie stand die kraftvolle Rechtshänderin im Hauptfeld von New York. Dieses Jahr könnte sich das ändern.

Besonders bemerkenswert: Vor nur sechs Wochen schied Seidel bei ihrem Wimbledon-Debüt unter Tränen aus, Bänderverletzung, erste Runde, bitteres Ende. Ihre Reise nach Cincinnati trat sie ohne große Erwartungen an. Vielleicht war genau das das Erfolgsrezept: frei aufspielen, kämpfen, überraschen.

Doch in Cincinnati werden nicht nur deutsche Erfolgsgeschichten geschrieben. Die frischgebackene Wimbledon-Siegerin Iga Świątek bestätigte einmal mehr ihre Favoritenrolle. Mit 6:4, 6:3 setzte sich die Polin gegen Sorana Cirstea aus Rumänien durch, auch wenn ihr Weg dorthin nicht makellos war. Viele vermeidbare Fehler und ein regelrechtes Break-Festival im zweiten Satz prägten das Match. Trotzdem behielt Swiatek am Ende die Kontrolle. Ihre nächste Gegnerin? Definitiv eine Russin: Die Entscheidung fällt zwischen Ekaterina Alexandrova und Anna Kalinskaya.

Eine Überraschung gab es hingegen für die an Nummer vier gesetzte Jessica Pegula. Die US-Amerikanerin unterlag Magda Linette aus Polen in drei Sätzen (6:7, 6:3, 3:6) und musste ihre Hoffnungen auf einen tiefen Turnierlauf früh begraben.

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