Mo Salah bricht sein Schweigen. Nach drei Spielen auf der Bank erhebt der Superstar schwere Vorwürfe und stellt seine Zukunft bei den Reds infrage.
Mohamed Salah hat selten ein Blatt vor den Mund genommen, doch seine jüngsten Aussagen wirken wie ein Donnerschlag über Anfield. Nach dem 3:3 bei Leeds United erklärte der ägyptische Superstar, der FC Liverpool habe ihn „unter den Bus geworfen“. Zum ersten Mal in seiner Karriere empfindet der vierfache Torschützenkönig es als Demütigung, dreimal in Folge nicht in der Startelf zu stehen. Seine Zukunft bei den Reds? Plötzlich so offen wie nie.
„Ich kann nicht glauben, dass ich 90 Minuten auf der Bank sitze“, sagte Salah sichtlich betroffen. Er habe in all den Jahren so viel für den Klub getan, insbesondere in der vergangenen Meistersaison. Und nun? Schuldzuweisungen, Ungewissheit und das Gefühl, dass jemand im Verein ihn zum Sündenbock machen wolle, machen ihm zu schaffen. Wer dieser jemand sei, ließ er bewusst offen.
Salah, der in der Premier League viermal als bester Torschütze ausgezeichnet wurde und in der Vorsaison sowohl zum Spieler des Jahres der Professional Footballers’ Association als auch der Football Writers’ Association gewählt wurde, deutete an, dass das kommende Heimspiel gegen Brighton sein Abschied werden könnte. Danach reist er zum Afrika-Cup nach Marokko und vielleicht kehrt er nicht als Liverpool-Profi zurück. Der Januar-Transfermarkt dürfte jedenfalls brodeln.
Besonders schmerzt ihn die aus seiner Sicht abrupt abgekühlte Beziehung zum Trainerteam: „Ich habe oft gesagt, dass ich ein gutes Verhältnis zum Manager hatte. Und plötzlich haben wir keins.“ Für Salah wirkt es so, als solle er die Misere der Reds allein tragen. Die verhaltene Offensivleistung mit vier Ligatoren, eines davon per Elfmeter, sowie die Kritik an seinem Defensivverhalten haben ihm in dieser Saison Gegenwind beschert. Doch das Gefühl, im Stich gelassen zu werden, überwiegt.
Er berichtet sogar von einem emotionalen Gespräch mit seiner Mutter am Tag vor dem Spiel gegen Leeds. Er habe ihr gesagt, sie solle zum Spiel gegen Brighton kommen, um es zu genießen. Denn er wisse nicht, was danach passiere. Möglicherweise ein Abschied, möglicherweise nur eine Pause. In jedem Fall sei es ein Bruch.
Er vergleicht seine Situation auch mit der anderer Stars der Liga, etwa Harry Kane, der einst zehn Spiele ohne Treffer blieb und dennoch Rückendeckung bekam. „Bei mir heißt es sofort: Auf die Bank mit ihm.“ Ein Wink in Richtung Medien, aber auch in Richtung Verein, von dem er sich mehr Schutz erhofft hätte.
Als im Frühjahr sein Vertrag um zwei Jahre verlängert wurde, schien noch alles klar: Salah wollte seine Karriere in Liverpool beenden. Heute klingt das wie ein Echo aus ferner Zeit. Er spricht von gebrochenen Versprechen und enttäuschtem Vertrauen und davon, dass er seinen Platz nicht täglich neu erkämpfen müsse, da er ihn sich verdient habe. Es sind Worte, die man von einem Spieler hört, der an einer Weggabelung steht.
Saudi-arabische Klubs haben seit Monaten Interesse signalisiert, doch Salah blockt ab. „Ich will diese Frage nicht beantworten.“ Zu groß ist die Sorge, dass jede Antwort von Vereinsseite gegen ihn verwendet werden könnte.
Zum ersten Mal seit seiner Ankunft wirkt es, als gehe die Ära Salah in Liverpool dem Ende entgegen. Nicht mit einem goldenen Kapitel, sondern mit einer offenen Wunde. Wie er selbst sagt: „Warum sollte es so enden? Ich bin zu fit, zu erfolgreich, um so behandelt zu werden.“
Die Frage ist nur: Wird jemand an der Anfield Road noch die Kraft finden, diese Wunde zu schließen?
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