Tränen, Triumph und ein Stück Tennisgeschichte: Aryna Sabalenka hat ihren US-Open-Titel erfolgreich verteidigt und dabei gezeigt, dass bittere Niederlagen manchmal die besten Lehrer sind.
Wie oft kann ein Herz brechen, bevor es endlich jubeln darf? Aryna Sabalenka musste diese Frage in diesem Jahr gleich mehrfach beantworten. Zwei Grand-Slam-Finals verloren, Zweifel an sich selbst und nun das große Happy End in New York. Mit einem 6:3, 7:6 gegen Amanda Anisimova krönte sich die 27-Jährige erneut zur Siegerin der US Open. Ein Triumph, der weit mehr bedeutet als ein weiterer Pokal im Regal.
Schon im Januar war Sabalenka knapp gescheitert. In Melbourne griff sie nach ihrem dritten Australian-Open-Titel, doch Madison Keys stoppte sie in einem packenden Dreisatz-Finale. Im Sommer folgte das nächste Drama: Im Endspiel der French Open führte Sabalenka bereits gegen Coco Gauff, ehe sie wieder die Nerven verlor und den Sieg aus der Hand gab. „Ich dachte, wenn ich es ins Finale schaffe, dann wird alles einfach laufen”, gestand sie später. „Das war ein komplett falsches Mindset.“
In New York aber stand eine andere Sabalenka auf dem Platz. Eine, die gelernt hatte. Keine wilde Überpower, kein blindes Draufhauen. Stattdessen zeigte sie kluge Platzierung, Geduld und Nervenstärke. Selbst als Anisimova im zweiten Satz zurückkam und Sabalenka beim Stand von 5:4 schon zum Titel aufschlug, blieb die Weltranglistenerste stabil, als die US-Amerikanerin plötzlich aufdrehte. Im Tiebreak zeigte sie dann, warum ihr derzeit kaum jemand das Wasser reichen kann: Von 21 Tiebreaks hatte Sabalenka in diesem Jahr 20 gewonnen. Diese Statistik spricht Bände, und auch Anisimova hatte am Ende dem Druck nichts entgegenzusetzen.
Dabei war das Duell mit der US-Amerikanerin mehr als nur ein Finale. Anisimova war bislang eine Art Angstgegnerin, sie führte im direkten Vergleich mit 6:3. Sie spielt schnörkellos, mit perfektem Timing und einer All-or-Nothing-Mentalität, die gerade in Wimbledon und bei diesen US Open aufgegangen war. Doch diesmal blieb sie unter den Schlägen Sabalenkas zu oft im Rückwärtsgang hängen. 29 unerzwungene Fehler und die nicht genutzten Breakchancen reichten in einem Grand-Slam-Endspiel nicht aus.
Sabalenka dagegen zeigte ihre Reife. Nur ein einziges Ass, dafür 13 Winner bei 15 Fehlern. Zahlen, die belegen, wie bewusst sie Risiko und Kontrolle austarierte. Vor allem bei Breakbällen war sie gnadenlos effizient: Fünf ihrer sechs Chancen verwandelte sie.
Und dann dieser Moment: der dritte Matchball, der Fehlaufschlag Anisimovas, Sabalenka fällt auf den Rücken, Tränen strömen über ihr Gesicht. Kein routinierter Jubel, sondern pure Erleichterung. „Die Finals zuvor haben diese Woche besonders gemacht“, sagte sie später. „All die harten Lektionen waren es wert für diesen einen Sieg.“
Mit ihrem vierten Grand-Slam-Titel, dem zweiten in Flushing Meadows, reiht sie sich in prominente Gesellschaft ein. Seit Serena Williams im Jahr 2014 hatte keine Spielerin mehr den Titel bei den US Open verteidigt. Außerdem war es Sabalenkas 100. Sieg bei einem Major, wobei ihre Gewinnquote nur von Iga Swiatek übertroffen wird. Fünf Millionen Dollar Preisgeld gab es obendrauf, eine Rekordsumme.
Anisimova, die nach dem Endspiel sichtbar niedergeschlagen war, fand faire Worte: „Ich bin beeindruckt von dem, was du erreicht hast. Glückwunsch an dich und dein Team.“ Für sie selbst war es nach Wimbledon bereits das zweite verlorene Finale, das erneut in zwei Sätzen endete.
Für Sabalenka beginnt jetzt hingegen ein neues Kapitel. Vier Majortitel in drei Jahren, immer wieder ganz vorne dabei, ob in Finals oder Halbfinals. Ein Lauf, der an den von Naomi Osaka zwischen 2018 und 2021 erinnert. Nur schaffte Sabalenka denselben Erfolg in kürzerer Zeit.
Was bedeutet das für ihre Zukunft? Wenn sie diese Balance zwischen Power und Geduld behält, scheint kaum ein Turnier vor ihr sicher zu sein. Vielleicht war es genau dieser steinige Weg mit Niederlagen und Selbstzweifeln, der sie zu einer Spielerin gemacht hat, die nicht nur Titel gewinnt, sondern Geschichte schreibt.
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