Elena Rybakina hat es geschafft: Mit einer starken Leistung in Tokio sicherte sie sich nicht nur den Einzug ins Halbfinale, sondern auch den letzten Platz für die WTA Finals in Riad. Doch ihr Weg dorthin war alles andere als leicht.
Rybakina ist zurück, entschlossener, konstanter und gefährlicher denn je. Mit einem 6:3, 7:6 (4)-Sieg über Victoria Mboko zog die Kasachin ins Halbfinale des Toray Pan Pacific Open ein. Ein Erfolg, der doppelt zählt: Er bringt sie nicht nur unter die letzten Vier des WTA-500-Turniers in Tokio, sondern auch auf den letzten Zug Richtung Saisonfinale in Riad.
Dabei lag der Druck klar auf ihren Schultern. Nach ihrem Titelgewinn beim Ningbo Open in der vergangenen Woche wusste Rybakina, dass sie ihr Schicksal selbst in der Hand hatte. Nur ein Einzug ins Halbfinale würde reichen, um die junge Russin Mirra Andreeva im Rennen um den achten und letzten Platz für die WTA Finals zu überholen. Und genau das tat sie, mit der Ruhe einer Spielerin, die gelernt hat, in entscheidenden Momenten zu überzeugen.
Doch wer glaubt, das Match gegen die Kanadierin Mboko sei ein Selbstläufer gewesen, täuscht sich. Schon das erste Aufeinandertreffen der beiden im Halbfinale von Montreal war ein emotionaler Thriller. Damals hatte Mboko einen Matchball abgewehrt und das Duell nach drei Sätzen für sich entschieden. In Tokio bekam Rybakina ihre Revanche und sie nahm sie sich mit chirurgischer Präzision.
Gleich zu Beginn des Spiels setzte sie den Ton: drei enge Spiele, alle an Rybakina. Mit einem Aufschlag wie einem Vorschlaghammer und präzisen Grundschlägen dominierte die Nummer 7 der Welt mit 23 Winnern bei nur 11 unerzwungenen Fehlern. Mboko, die selbst für ihre Aggressivität bekannt ist, hielt tapfer dagegen, doch Rybakina war in den entscheidenden Momenten einfach die konstantere Spielerin.
Im zweiten Satz wendete sich das Blatt kurzzeitig. Mboko diktierte den Rhythmus, hielt ihre Aufschlagspiele souverän und brachte Rybakina mehrfach an den Rand eines dritten Satzes. Beim Stand von 5:6 und 30:40, Satzball für Mboko, zeigte Rybakina ihre Nervenstärke. Ein Ass, dann noch einer dieser trockenen Punktgewinne, die zu ihrem Markenzeichen geworden sind. Statt Satzverlust: Tiebreak. Statt Wackeln: Kaltschnäuzigkeit.
„Es war ein sehr schwieriges Match gegen Victoria. Beim letzten Mal war es dieselbe Schlacht“, sagte Rybakina nach dem Spiel. „Ich bin glücklich, dass ich heute in zwei Sätzen gewinnen konnte. Im zweiten Satz haben wir beide stark serviert, da war es wichtig, im Tiebreak noch etwas draufzulegen.“
Sie tat es. Mit aggressiven Returns und variabler Platzierung nahm sie Mboko den Rhythmus. Es war kein spektakulärer Sieg, sondern ein schrittweises Erdrücken. Punkt für Punkt, Spiel für Spiel. Nach 1 Stunde und 32 Minuten war es vollbracht: Sie stand im Halbfinale. Finale. Ziel erreicht.
esonders beeindruckend waren Rybakinas Fokus und mentale Härte. Noch vor wenigen Wochen war ihre Saison von Verletzungen und Frustmomenten geprägt. Jetzt steht sie wieder dort, wo sie hingehört, unter den Besten. Nach ihrem Triumph bei den French Open im Vorjahr hatte sie Mühe, diese Form zu konservieren. Nun scheint sie bereit für den großen Endspurt.
Im Halbfinale trifft Rybakina auf die an Position 6 gesetzte Tschechin Linda Noskova, die nach einer verletzungsbedingten Aufgabe von Anna Kalinskaya kampflos weiterkam. Das ist ein vermeintlicher Vorteil für die junge Tschechin, die frischer in das Duell gehen wird. Doch Rybakina ist im Flow: Sechs Siege in Folge sprechen eine klare Sprache.
Die Frage bleibt: Wie weit trägt sie dieser Lauf? Noch ein Sieg, und sie steht im zweiten WTA-500-Finale in Folge, ein ideales Momentum, bevor es nach Riad zu den WTA Finals geht.
Unabhängig vom Ausgang des Halbfinales hat sich Rybakina eindrucksvoll zurückgemeldet. Ihre Mischung aus Power und Kontrolle, gepaart mit der mentalen Stabilität einer echten Championesse, macht sie zu einer der gefährlichsten Spielerinnen im Jahresendspurt.
Wer sie in dieser Form erlebt, stellt sich unweigerlich die Frage: Ist das erst der Anfang eines goldenen Herbstes für Elena Rybakina?
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