Elena Rybakina hat in Tokio erneut zugeschlagen und steht nun nur noch einen Sieg davon entfernt, sich den letzten Startplatz für die WTA Finals in Riad zu sichern.
Manchmal entscheidet ein einziger Schlag über eine ganze Saison. Elena Rybakina, die ruhige Kraft aus Kasachstan, hat diesen Moment in Tokio genau getroffen. Beim WTA-500-Turnier Toray Pan Pacific Open bezwang sie die Kanadierin Leylah Fernandez mit 6:4, 6:3 und machte damit einen riesigen Schritt in Richtung Jahresendturnier. Es war ihr 50. Saisonsieg. Eine Marke, die in diesem Jahr nur Iga Swiatek Aryna Sabalenka und Jessica Pegula ebenfalls erreicht haben. Drei Namen, die bereits sicher in Riad dabei sind.
Für Rybakina bedeutet dieser Erfolg jedoch mehr als nur ein weiterer Sieg. Es ist die Rückkehr in den Flow, den sie zuletzt immer wieder gesucht hat. Die Partie dauerte nur eine Stunde und 28 Minuten: kurz, klar, kontrolliert. Kein Nervenflattern, kein Nachlassen. Nach einem kräftezehrenden Sommer, in dem sie bei den French Open früh ausschied und anschließend mit Verletzungen kämpfte, scheint die Siegerin von Wimbledon 2022 wieder zur alten Stabilität zurückgefunden zu haben.
Dabei war das Duell mit Fernandez alles andere als eine Routineangelegenheit. Beide Spielerinnen kamen als Titelträgerinnen der Vorwoche nach Tokio: Rybakina hatte in Ningbo gewonnen, Fernandez triumphierte in Osaka. Das Match versprach Spannung zwischen zwei formstarken Spielerinnen, doch Rybakina ließ von Beginn an keinen Zweifel aufkommen. Sie führte von Beginn an, gab ihren Aufschlag nur einmal ab und drehte damit auch die persönliche Bilanz gegen die Finalistin der US Open 2021: Nun steht es 2:2 im direkten Vergleich.
Dieser Sieg schmeckt doppelt gut, schließlich hatte Fernandez Rybakina im Sommer beim Mubadala Citi DC Open in einem epischen Dreisatz-Krimi noch ausgeschaltet. Diesmal gab es keine Revanche im Tiebreak, sondern eine Lektion in Effizienz.
Doch der Weg nach Riad ist noch nicht ganz frei. Nun wartet ausgerechnet die nächste Kanadierin: Victoria Mboko. Eine aufstrebende 17-Jährige, die Rybakina noch bestens in Erinnerung hat. Beim WTA-1000-Turnier in Montreal im August war es Mboko, die die Kasachin nach abgewehrtem Matchball eliminierte. Ein Schockmoment, der Rybakina wochenlang beschäftigte. Jetzt bietet sich die Gelegenheit zur Wiedergutmachung.
„Es war heute ein sehr schwieriges Match. Gegen Leylah ist es nie einfach, vor allem im ersten Spiel eines Turniers”, sagte Rybakina nach dem Match. „Ich bin ziemlich müde, aber bereit, noch einmal alles zu geben. Ich möchte die Energie der letzten Woche mitnehmen.“
Diese Entschlossenheit ist typisch für sie. Rybakina redet selten laut, spielt aber überzeugend. Ihr Stil ist schnörkellos, präzise und eiskalt. Kein übertriebener Jubel, kein Drama – und doch spürt man, dass die WTA Finals für sie mehr als nur ein Saisonabschluss wären. Es wäre das dritte Jahr in Folge, in dem sie sich unter die acht besten Spielerinnen der Welt spielt. Ein Statement in einer Saison, die sie immer wieder aus dem Rhythmus gebracht hat.
Dass sie in Tokio als höchstgesetzte Spielerin antritt, liegt auch am kurzfristigen Rückzug von Jasmine Paolini. Die Italienerin hatte ihre Teilnahme abgesagt, nachdem sie in Ningbo ausgerechnet gegen Rybakina ausgeschieden war, aber dennoch genügend Punkte für die eigene Qualifikation gesammelt hatte.
Für Rybakina bedeutet das: Alle Augen sind auf sie gerichtet. Noch ein Sieg, und sie ist Teil des exklusiven Quartetts, das die Saison in Riad komplett macht.
Die Bühne ist bereitet für ein emotionales Duell zwischen Erfahrung und jugendlichem Aufbruch. Wird Rybakina ihren kühlen Kopf bewahren und Mboko diesmal bezwingen? Oder schreibt die 17-Jährige das nächste Kapitel ihres märchenhaften Aufstiegs?
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