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Tennis
  1. TENNIS

Ruud setzt Ausrufezeichen, Mensik zittert sich durch

Während Team Europa perfekt in den Laver Cup startet, findet Daniil Medvedev in Hangzhou seine Form wieder. Was steckt hinter diesen kontrastreichen Geschichten?

Zwei Turniere, zwei völlig unterschiedliche Bühnen und doch dieselbe Botschaft: Der Tennisherbst hat es in sich. Beim prestigeträchtigen Laver Cup in Berlin legte Team Europa einen Traumstart hin, während sich in Hangzhou ein alter Bekannter eindrucksvoll zurückmeldet: Daniil Medvedev, einstiger US-Open-Champion, will nach einem Jahr voller Rückschläge wieder nach ganz oben.

Den Auftakt in Europa machte Casper Ruud. Der Norweger, der in den vergangenen Jahren auf den großen Bühnen immer wieder als Marathonkämpfer auffiel, ließ diesmal keine Zweifel aufkommen. Mit 6:4, 7:6 (4) stellte er den groß gewachsenen Aufschlagriesen Reilly Opelka in den Schatten. Beeindruckend war dabei nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem die Art und Weise: 88 Prozent seiner ersten Aufschlagpunkte verwandelte Ruud und wehrte zwei Breakbälle souverän ab. Opelka, der eigentlich für seine Servicekanone berüchtigt ist, fand schlicht keine Antworten. Ruud selbst erklärte anschließend: „Ich wollte von Anfang an im Flow bleiben, viele Bälle zurückbringen und dem Team einen guten Start verschaffen.“ Ein kleiner Seitenhieb durfte nicht fehlen, schließlich hatte er im Vorjahr das Auftaktmatch verloren. Diesmal drehte er den Spieß um.

Ganz anders verlief das zweite Match. Jakub Mensik, der erst 19 Jahre alt ist, wirkte zunächst wie der sichere Punktelieferant. Mit 6:1 und 5:3 führte er gegen den US-Amerikaner Alex Michelsen und servierte schon zum Matchgewinn. Doch plötzlich flatterten die Nerven. Michelsen biss sich zurück, stahl Mensik den zweiten Satz im Tie-Break und zwang den Tschechen in den entscheidenden Match-Tiebreak. Dort schien die Partie kurz zu kippen, doch Mensik startete furios, führte schnell mit 4:0 und brachte schließlich mit einem wuchtigen Aufschlag den Sieg mit 10:8 nach Hause. „Wir kennen uns schon seit Juniorenzeiten“, erklärte er erleichtert. „Bei diesem Format geht es immer um die Nerven, aber ich bin froh, dass ich bis zum Ende fokussiert geblieben bin.“

Damit führt Team Europa nach dem ersten Tag mit 2:0. Die Abendpartien versprechen weiteres Drama: Zunächst trifft Flavio Cobolli auf Joao Fonseca, anschließend messen sich Carlos Alcaraz und Mensik im Doppel mit Taylor Fritz und Michelsen. Wer dachte, der Laver Cup sei nur eine Showveranstaltung, dürfte nach diesen Duellen eines Besseren belehrt werden.

Während in Berlin also Emotionen und Nervenschlachten im Mittelpunkt stehen, war es in Hangzhou eher eine Demonstration der Kontrolle. Daniil Medvedev, der in der Weltrangliste auf Platz 18 abgerutscht ist und nach dem turbulenten Sommer mit einigen Fragezeichen behaftet war, startete beim ATP-250-Event mit einem klaren Statement. Gegen den amerikanischen Qualifikanten Nishesh Basavareddy dominierte er nach Belieben: 6:2, 6:3. Ein souveräner erster Aufschlag und die sichere Verwertung seiner Chancen ließen Medvedev wie einen wirken, der seine Sprache wiedergefunden hat. „Ich habe die beste Trainingswoche des Jahres hinter mir”, sagte er danach selbstbewusst. „Jetzt gilt es, das auch auf den Platz zu bringen.“ Nächster Gegner in der Setzliste ist der formstarke Sebastian Korda.

Doch nicht nur Medvedev sorgte in China für Schlagzeilen. Auf dem Centre Court zeigte Leander Tien, dass mit der nächsten Generation ernst zu rechnen ist. Der an Nummer sieben gesetzte 19-jährige US-Amerikaner feierte einen 6:4, 6:3-Sieg über den Italiener Giulio Zeppieri und zog ins Viertelfinale ein. Dort wartet entweder der topgesetzte Andrey Rublev oder der französische Qualifikant Valentin Royer.

Und dann sind da noch zwei Namen, die alle Augen auf sich ziehen werden: Rublev, der russische Dauerbrenner, und Alexander Bublik, der Kitzbühel-Champion und Drittgesetzte des Turniers. Beide greifen am Vormittag ins Geschehen ein und könnten dem Turnier noch einmal eine neue Richtung geben.

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