Hochrisiko, Hochspannung: In Stockholm und Almaty zünden die Stars ein spätherbstliches Feuerwerk. Rune riskiert alles, Ruud kämpft um Turin und Medvedev findet plötzlich zu alter Stärke zurück.
Wenn Holger Rune spielt, ist keine Rallye sicher und kein Ball neutral. In Stockholm war der Däne wieder der Inbegriff von Risiko und roher Energie – und genau dafür liebte ihn das Publikum. Mit 59 Winner in drei Sätzen und einem angeschlagenen Oberschenkel, der ihn kaum noch laufen ließ, kämpfte sich der 22-Jährige mit einem 6:7 (4), 6:3, 6:4-Sieg gegen Tomas Martin Etcheverry in die Halbfinals des BNP Paribas Nordic Open. Es war ein Auftritt zwischen Genie und Wahnsinn. Genau das, was man von Rune erwartet.
Dabei begann alles holprig. 19 unerzwungene Fehler allein im ersten Satz, drei verschenkte Spiele in Folge im Entscheidungssatz und eine medizinische Auszeit. Doch Rune wäre nicht Rune, wenn er nicht genau daraus seine Energie schöpfen würde. „Ich war ehrlich gesagt nicht gut drauf“, gab er später zu. „Aber die Fans haben mich getragen. Ohne sie hätte ich das Match nicht beendet.“
Die Arena tobte, als der frühere Stockholm-Champion seinen dritten Halbfinaleinzug der Saison perfekt machte. Mit dem Ziel Turin im Blick trifft Rune, der derzeit auf Platz zwölf im Rennen um die Nitto ATP Finals liegt, nun auf Ugo Humbert, der sich zuvor gegen Lorenzo Sonego mit 6:7 (3), 6:0, 6:3 durchgesetzt hatte. Eine pikante Paarung: Rune führt das direkte Duell mit 5:0, doch Humbert hat in diesem Herbst eine beeindruckende Hallenserie hingelegt. Er hat 13 Siege aus den letzten 14 Matches erzielt, darunter den Titel in Marseille.
Auch Casper Ruud ist weiterhin im Rennen um das letzte große Saisonhighlight. Der Norweger musste gegen Sebastian Korda hart kämpfen, ehe er sich mit 7:6 (5), 6:4, 6:4 durchsetzte. Zwei Stunden und 30 Minuten Dauerdruck, knappe Ballwechsel und immer wieder dieser kühle Kopf, der Ruud so gefährlich macht. Turin ruft, und Ruud will zum vierten Mal in Folge dorthin.
Sein Halbfinalgegner ist Denis Shapovalov, der das Publikum mit einem 6:4, 6:7(3), 6:1-Erfolg über Lokalmatador Elias Ymer zum Schweigen brachte. Für den Kanadier ist es bereits die dritte Halbfinalteilnahme in Stockholm. Nur Grigor Dimitrov hat das öfter geschafft. Ein echtes Traditionsduell wartet also auf Ruud.
Kurios am Rande: Zum zweiten Mal in dieser Saison stehen bei einem ATP-Turnier alle vier Topgesetzten im Halbfinale. Nach Stuttgart im Juni wiederholt sich dieses seltene Gleichgewicht, als hätten die Stars beschlossen, noch einmal gemeinsam auf der großen Bühne aufzutreten.
Während in Schweden die Halle bebt, liefert auch in Almaty ein alter Bekannter ein Statement ab. Daniil Medvedev ist mit präzisem Aufschlag, kühler Kontrolle und der alten Geduld, die ihn einst an die Spitze brachte, zurück. Sein 7:5, 6:2-Sieg gegen Fabian Marozsan war ein Lehrstück in Geduld und Timing. Im ersten Durchgang wehrte er drei Satzbälle ab, bevor er das Match drehte. Danach zeigte der frühere Weltranglistenerste jene stoische Dominanz, die ihn zu einem der besten Hardcourt-Spieler der letzten Jahre gemacht hat.
„Ich musste wirklich kämpfen, aber ich bin zufrieden mit meinem Spiel“, sagte Medvedev. „Ich hoffe, ich kann so weitermachen.“ Unter seinen neuen Coaches Thomas Johansson und Rohan Goetzke scheint er wieder Vertrauen gefunden zu haben. Nach einem schwachen Sommer steht der Russe nun auf Platz 13 im Rennen um Turin und hat plötzlich wieder die Chance, sich seine siebte Teilnahme an den Nitto ATP Finals zu sichern.
Im Halbfinale trifft er auf den Australier James Duckworth, der den an Nummer drei gesetzten Flavio Cobolli mit 6:3, 6:2 aus dem Turnier warf. Duckworth, ein zäher Kämpfer mit messerscharfer Beinarbeit, kletterte damit um 30 Plätze auf Rang 108 der Live-Rangliste. Damit verbesserte er sich um 30 Plätze auf Rang 108 der Live-Rangliste.
In der oberen Hälfte überraschte der junge Amerikaner Alex Michelsen mit einem 6:3, 3:6, 6:2-Sieg gegen Shintaro Mochizuki. Der 21-Jährige jagt weiter seinem ersten ATP-Titel hinterher und trifft nun auf den cleveren Franzosen Corentin Moutet, der Jan-Lennard Struff mit 6:4, 7:5 besiegte.
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