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Rüştü Reçber: Die ewige Nummer 1

Die EURO 2008 war für die Türkei ein emotionaler Ausnahmezustand. In Wien schrieb Rüştü Reçber Geschichte, als er im Elfmeterschießen gegen Kroatien zum entscheidenden Faktor eines der dramatischsten Spiele des Turniers wurde.

Ein Turnier am Rande des Nervenzusammenbruchs

Schon die Gruppenphase der EURO 2008 forderte den türkischen Fans alles ab. Mehrfach rettete sich die Mannschaft mit späten Treffern über die Ziellinie und erreichte unter maximalem Druck die K.-o.-Runde. Dramaturgie wurde zum Markenzeichen dieses Teams.

Die Rückkehr des Routiniers

Rüştü Reçber ging als Ersatztorwart in das Turnier. Obwohl er seit 1996 jede Endrunde bestritten hatte und 2002 WM-Dritter geworden war, stand er dieses Mal nur noch in der zweiten Reihe. Eine Verletzung bei Fenerbahçe hatte Volkan Demirel zur neuen Nummer eins gemacht, auch im Nationalteam.

Eine Rote Karte veränderte alles

Erst im letzten Gruppenspiel gegen Tschechien wendete sich das Blatt. Volkan Demirel sah die Rote Karte und Rüştü rückte wieder ins Tor. Was zunächst wie eine Notlösung wirkte, entwickelte sich zum Schicksalsmoment des Turniers.

Viertelfinale in Wien

Gegen Kroatien zeigte der 35-Jährige eine abgeklärte Leistung. In der regulären Spielzeit war er kaum zu überwinden und parierte in der Verlängerung sogar einen gefährlichen Freistoß von Darijo Srna. Dennoch schien in der 119. Minute alles vorbei, als Ivan Klasnić das 1:0 erzielte.

Wieder ein spätes Wunder?

Doch die Türkei blieb sich treu. In letzter Sekunde der Nachspielzeit traf Semih Şentürk zum Ausgleich. Das Spiel ging ins Elfmeterschießen, die Bühne, auf der Torhüter zu Helden werden können.

Der Moment der Entscheidung.

Alle türkischen Schützen verwandelten sicher. Auf kroatischer Seite scheiterten Luka Modrić und Ivan Rakitić. Dann trat Mladen Petrić an. Rüştü blieb stehen, reagierte und hielt. Das Halbfinale war erreicht, Wien versank im Ausnahmezustand.

Menschlichkeit im Augenblick des Triumphs

Rüştü erinnerte sich später nicht nur an den Jubel. Bevor er seine Mitspieler umarmte, suchte er den Kontakt zum Schützen, der den Ball verschossen hatte. Für ihn war dieser Moment mehr als ein sportlicher Erfolg: Er war Ausdruck des Zusammenhalts innerhalb der Mannschaft.

Endstation Deutschland

Im Halbfinale gegen Deutschland setzte sich das Muster des Turniers fort. Wieder fiel die Entscheidung spät, diesmal gegen die Türkei. Philipp Lahm traf in der 90. Minute zum 3:2, der Traum vom Finale war beendet, doch die Leistung des Teams war dennoch historisch.

Abschied auf Raten

Nach dem Turnier kündigte Rüştü zunächst seinen Rücktritt an, ließ sich aber noch einmal umstimmen. Erst 2012 beendete er seine Karriere endgültig, nach 120 Länderspielen und einem Sieg gegen Finnland.

Mehr als ein Torwart

Der fünffache türkische Meister und frühere Barcelona-Spieler strebte jedoch keine Trainerkarriere an. Stattdessen arbeitete er zunächst im Verband und später als TV-Experte. Seine Stimme blieb präsent, sein Vermächtnis ist ohnehin gesichert.

Ein Platz im Gedächtnis

Rüştü Reçber war ein Eckpfeiler der größten Erfolge des türkischen Fußballs. Sein Auftritt bei der EURO 2008, insbesondere das Viertelfinale von Wien, machte ihn endgültig zur vielleicht größten Nummer eins, die die Türkei je hatte.

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