Regenpausen, lange Ballwechsel und pure Nervenstärke: Emma Raducanu kämpfte sich in Seoul ins Achtelfinale und trifft nun auf eine Grand-Slam-Siegerin. Doch sie war nicht die Einzige, die Drama pur bot.
Es gibt Spiele, die länger dauern, als es das Ergebnis vermuten lässt. Emma Raducanus Auftakt beim Korea Open 2025 gehörte genau in diese Kategorie. Nach einem verregneten Dienstag, an dem der Start verschoben werden musste, betrat die Britin am Mittwoch den Court und fand sich sofort in einem zähen Duell mit Jaqueline Cristian wieder. Zwei Stunden und zwei Minuten lang ging es hin und her, ehe die an Position acht gesetzte Spielerin mit 6:3, 6:4 den Einzug in die zweite Runde feiern durfte.
Dabei sah es zu Beginn alles andere als rosig aus. Cristian stürmte los, feuerte Winner um Winner, allein sieben in den ersten Spielen, während Raducanu noch ohne zählbaren Schlag blieb. Die Rumänin spielte spektakulär, aber auch riskant. Ihre 25 Winner wurden von 38 leichten Fehlern überschattet. Raducanu dagegen? Sie lauerte, überstand die ersten sieben Breakbälle gegen sich unbeschadet und nutzte dann eiskalt die Schwächephasen der Gegnerin aus.
„Es fühlt sich an, als hätte ich dieses Match drei Tage lang gespielt”, scherzte Raducanu nach dem Abpfiff. „Aber nach so viel Warten jetzt gewonnen zu haben, ist ein richtig gutes Gefühl.“
Im ersten Satz war ein einziges Spiel das Zünglein an der Waage. Beim Stand von 5:3 schenkte Cristian mit Doppelfehlern und unforced errors das entscheidende Break her. Raducanu, die 2021 die US Open sensationell gewonnen hatte, ließ sich diese Chance nicht entgehen.
Auch der zweite Durchgang begann holprig für die Favoritin. Wieder lag sie mit einem Break zurück, wieder wirkte Cristian am Drücker. Doch diesmal fand Raducanu ihre Vorhand, die zuvor noch schwankte. Von 0:2 kämpfte sie sich zurück, griff entschlossener an und drehte das Match endgültig zu ihren Gunsten. Beim Stand von 4:4 verlor Cristian erneut völlig den Faden und Raducanu machte den Sieg perfekt. Ihr nächster Prüfstein ist Barbora Krejcikova, die ebenfalls schon ein Major gewonnen hat. Eine Premiere, die viel Spannung verspricht.
Doch Raducanu war nicht die Einzige, die an diesem Tag für Schlagzeilen sorgte. Titelverteidigerin Beatriz Haddad Maia hatte gegen die koreanische Wildcard-Spielerin Back Dayeon mehr zu kämpfen als erwartet. Nach einer scheinbar komfortablen 5:0-Führung im zweiten Satz ließ die Brasilianerin ihre Gegnerin noch einmal herankommen, bevor sie den Deckel mit dem dritten Matchball zum 6:4, 6:3 draufsetzte. Ein Start mit Wacklern, aber eben auch mit Durchsetzungsvermögen.
Ähnlich erging es Diana Shnaider. Die Russin hatte ihr Match gegen Caty McNally am Vortag wegen Regens unterbrechen müssen, ging am Mittwoch aber fokussiert in den Entscheidungssatz. Nach einem 2:6 und 6:2 brachte sie auch den dritten Durchgang mit 6:4 ins Ziel. Allerdings erst nach fünf vergebenen Matchbällen. Ein Kraftakt, der sie ebenfalls ins Achtelfinale brachte.
Ein besonderes Ausrufezeichen setzte dagegen Maya Joint. In nur 63 Minuten fegte sie die an Position 14 gesetzte Sofia Kenin vom Platz. 6:3, 6:1 und das schon zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die junge Spielerin erreichte damit ihr zweites Viertelfinale bei einem WTA-500-Turnier im Jahr 2025 und dürfte sich weiter Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben holen.
Auch Clara Tauson schaffte den Sprung in die Runde der letzten Acht. Gegen Eva Lys sah zunächst alles klar aus: Die Dänin führte bereits mit 6:2, 5:4 und servierte zum Matchgewinn. Doch die Deutsche kämpfte sich mit viel Herz zurück und zwang Tauson in den Tiebreak. Dort zeigte die an Nummer drei gesetzte Spielerin jedoch Nervenstärke und machte mit 7:6 (4) ihr siebtes Viertelfinale des Jahres perfekt.
Die Bühne in Seoul ist damit bereitet: Raducanu spielt gegen Krejcikova, Haddad Maia ist auf der Jagd nach der Titelverteidigung und junge Wilde wie Joint oder Shnaider sind jederzeit für eine Überraschung gut. Wer behauptet, die WTA-Tour würde keinen Nervenkitzel liefern, sollte sich diese Woche in Korea eines Besseren belehren lassen.
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