Ein Jahr nach dem Abgang von Kylian Mbappe herrscht in Paris kein Chaos, sondern goldener Glanz. PSG krönt eine Saison, die sich sehen lassen kann, sechs Spieltage vor Schluss noch ungeschlagen. Und das ist erst der Anfang.
Wer geglaubt hatte, Paris Saint-Germain würde nach dem Abgang von Kylian Mbappe in sich zusammenfalle, wurde endgültig eines Besseren belehrt. Sechs Spieltage vor Schluss stehen die Pariser erneut vor dem Gewinn der Meisterschaft - der 13. in der Vereinsgeschichte. Und was für eine Saison bisher: abgeklärt, abgezockt, gnadenlos effizient. Im Prinzenpark knipst niemand mehr für Instagram, sondern für die Tabelle.
Der 1:0-Arbeitssieg gegen Kellerkind Angers war zwar kein Grund für Champagnerduschen in der Kabine, reichte aber, um rechnerisch alles klarzumachen. Während andere Teams wie Monaco und Marseille in dieser Saison über sich hinauswachsen, zieht PSG an der Spitze seine Bahnen. Leise, schnell, effektiv. Die vierte Meisterschaft in Folge, aber diesmal fühlt es sich anders an. Nicht laut, nicht schrill, nicht mit Neymar-Dramatik, sondern wie ein erwachsener Schritt in die Zukunft.
Das Jahr eins nach Mbappe hätte auch der Stolperstart in eine Sinnkrise werden können. Schließlich verließ der Posterboy, der alles überstrahlende Popstar, den Klub. Doch Paris schüttelte sich kurz und machte weiter - und wie! Trainer Luis Enrique, dessen erstes Jahr einem Improvisationstheater glich, formte im zweiten Anlauf ein echtes Ensemble. Das 4-3-3-System sitzt wie ein gut geschnittener Maßanzug, und plötzlich wirkt PSG nicht mehr wie ein Haufen teuer eingekaufter Individualisten, sondern wie ein funktionierendes Team.
Das liegt auch an der Transferpolitik im Sommer 2024. Statt alternder Weltstars gab es diesmal ungeschliffene Diamanten. Willian Pacho, Joao Neves und Desire Doue, alles junge Talente mit Hunger statt Instagram-Followern. Und sie zahlten das Vertrauen zurück, indem sie sich unauffällig, aber zielstrebig in die Startelf spielten. Die Krönung dieses Konzepts: Khvicha Kvaratskhelia. Der georgische Wirbelwind kam im Winter aus Neapel und verlieh der Offensive neuen Schwung.
Der Mann der Stunde ist jedoch ein alter Bekannter: Ousmane Dembelé. Lange als ewiges Talent gehandelt, erlebt der Ex-Dortmunder gerade seinen zweiten Frühling. 21 Tore hat er bereits auf seinem Konto, fast so viele wie Mbappe in der vergangenen Saison. Und dabei spielt er nicht mehr außen, sondern in der Mitte, als verkappter Neuner mit eingebautem Chaospotenzial. Dembelé ist nicht nur schnell, sondern endlich auch konstant. Man fragt sich, ob er all die Jahre nur Geduld gebraucht hat oder einfach einen Trainer, der ihn versteht.
Und dann ist da noch diese Null. 28 Spiele, null Niederlagen. Das hat die Ligue 1 noch nicht gesehen. Die berühmten „Invincibles“, ungeschlagen durch die Saison? Das hat in Frankreich noch kein Team geschafft. Wenn PSG das schafft, schreibt der Verein wirklich Geschichte. Gut, die magische 96-Punkte-Marke aus der Saison 2015/16 ist außer Reichweite, aber das liegt an der Ligareform, nicht an Paris. Bei nur noch 18 Mannschaften fehlen vier Spiele, da wird es schwierig mit den alten Rekorden.
Was das für Paris bedeutet? Vor allem: Rückenwind. Denn das große Ziel liegt nicht in Metz oder Montpellier, sondern in Wembley. Die Champions League ist und bleibt der heilige Gral. Nach dem starken Auftritt gegen Liverpool wartet im Viertelfinale Aston Villa. Und wenn alles rund läuft, kann PSG im Mai das schaffen, woran so viele Generationen gescheitert sind: den Henkelpott holen. Dann wäre die Saison nicht nur historisch, sondern legendär.
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