Oscar Piastri hat in Katar geliefert, als es am dringendsten nötig war. Im Wüstenleuchten von Lusail sicherte sich der McLaren-Pilot nicht nur einen souveränen Sieg im Sprint, sondern auch die Pole-Position für den Grand Prix. Dieser Doppelschlag gibt dem WM-Kampf neues Feuer.
Der Druck auf den Australier war immens. Sein einst komfortabler Vorsprung war geschmolzen und wurde dann von seinem Teamkollegen Lando Norris überholt. Piastri musste reagieren und er tat es. Mit einem präzisen, aggressiven und nahezu fehlerlosen Qualifying setzte er sich an die Spitze und hielt das Titelrennen damit offen. Besonders der letzte Umlauf musste sitzen, denn Norris hatte zuvor eine absolute Toprunde hingelegt. Doch ausgerechnet in seinem finalen Versuch unterlief dem Briten ein folgenschwerer kleiner Fehler: Er rutschte leicht in Kurve zwei weg, was seinen Angriff abrupt beendete.
Piastri nutzte die Chance. Mit schnellen ersten beiden Sektoren und einer sauberen dritten Runde schnappte er sich die Pole-Position, seine erste seit Zandvoort im August. Einen Tag zuvor hatte er bereits den Sprint dominiert und Norris, der nur Dritter wurde, zwei wichtige Punkte abgenommen. Der Rückstand beträgt nun 22 Zähler, Verstappen folgt mit 25 Punkten Rückstand.
Der WM-Rechner ist eindeutig: Norris kann noch am Sonntag Weltmeister werden. Dafür muss er mindestens 26 Punkte Vorsprung auf beide Verfolger haben. Gewinnt er das Rennen, kann ihn nichts mehr stoppen. Schlägt Piastri ihn jedoch im direkten Vergleich oder bleibt Verstappen dran, fällt die Entscheidung in Abu Dhabi.
Genau darauf zielt Piastri ab. Die Strecke von Lusail gilt nämlich als überholfeindlich: schnelle Kurven, hoher Rhythmus, wenig Gelegenheiten zum Anbremsen. Der Sprint hat eindrucksvoll belegt, wie schwer echte Angriffe werden könnten. Wenn Piastri beim langen Anlauf zu Kurve eins vorn bleibt, könnte er das Rennen aus kontrollierter Position führen. Die vorgeschriebene Zwei-Stopp-Strategie dürfte die Taktik zudem vereinheitlichen, wodurch die Startposition noch wichtiger wird.
Piastri weiß, dass er in Katar sein bisher bestes Wochenendpaket seit Zandvoort eingefahren hat – und das nach einer Phase, in der er selbst von einer „späten Saisonflaute“ sprach. Der Sprint-Sieg löste etwas in ihm aus: „Siegen macht viel mehr Spaß als das, was in den letzten vier oder fünf Rennen passiert ist“, sagte er. Ein Satz, der zeigt, wie erleichtert er ist, wieder in der Erfolgsspur zu sein.
Norris hingegen haderte mit der verpassten Chance. Seine Runde in Q3 war eigentlich stark genug, um den Druck auf Piastri zu maximieren. Doch der kleine Fehler kostete ihn den Angriff. „Ich denke, ich hätte es besser machen können“, sagte er. Gleichzeitig reagierte Norris ungewohnt deutlich auf Max Verstappens Seitenhieb, er hätte in einem McLaren „die WM längst gewonnen“. Norris konterte trocken, Verstappen habe zwar bei vielen Dingen Ahnung, aber eben „auch bei vielen Dingen nicht“.
Apropos Verstappen: Der dreifache Weltmeister startet von Platz drei, in Schlagdistanz, aber nicht im Kommandostand. Und weiter hinten? Lewis Hamiltons Katastrophen-Wochenende setzte sich fort. Platz 17 im Sprint, Platz 18 im Qualifying. Sein Ferrari wirkt unberechenbar und langsam, entsprechend bedient ist Hamilton.
Am Sonntag geht es also um mehr als nur einen Rennsieg. Entweder wird unser WM-Finale nächste Woche zum Showdown, oder Lando Norris vollendet sein Meisterstück schon in Katar. Piastri hat alles getan, um das zu verhindern. Jetzt entscheiden der Start und vielleicht sogar die ersten 300 Meter. Die Spannung liegt schwer wie die warme Abendluft über Lusail.
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