Dramatische Tie-Breaks, Comebacks nach Verletzungen und deutsche Überraschungen: Die ATP-Turniere in Winston-Salem und Augsburg bieten jede Menge Emotionen. Doch wer schafft den Sprung ins Finale?
Es sind diese Matches, die den Tennissommer elektrisieren. In Winston-Salem stand der junge Franzose Giovanni Mpetshi Perricard etwa bereits mit dem Rücken zur Wand und drehte die Partie zu einem Fest seiner Aufschlagmacht. Gegen Hamad Medjedovic rettete er sich im ersten Satz gleich viermal in letzter Sekunde, ehe er im Tie-Break das Steuer übernahm. 15 Asse und eine erste Aufschlagquote wie aus dem Lehrbuch machten schließlich den Unterschied. Am Ende hieß es 7:6 (8), 6:2 und der 22-Jährige stand im Halbfinale.
Doch so klar, wie das Ergebnis im zweiten Durchgang klingt, war der Weg dahin keineswegs. Medjedovic führte im Tie-Break bereits mit 5:1 und hatte die Menge sowie das Momentum auf seiner Seite. Aber Perricard, unbeirrbar und voller Wucht, drehte den Spieß um. Wer solche Nervenstärke beweist, kann in diesem Turnier noch viel bewegen. Sein nächster Gegner steht allerdings noch nicht fest: entweder Buyunchaokete oder Botic van de Zandschulp. Das Duell der beiden wurde vorzeitig durch Regen beendet, als der Niederländer knapp vorne lag.
Während Perricard seine eigene Heldengeschichte schreibt, hat in Winston-Salem ein ganz anderer Spieler für große Emotionen gesorgt: Sebastian Korda. Der US-Amerikaner und Liebling des heimischen Publikums feierte ein starkes Comeback nach einer langen Zwangspause. Seit den French Open hatte er kein Match mehr bestritten. Eine Stressfraktur im Schienbein hatte ihn zu einer Auszeit gezwungen. Nun meldet er sich eindrucksvoll zurück. Gegen Miomir Kecmanović spielte er frech, variabel und aggressiv und gewann mit 6:1, 6:4.
„Ein großartiges Match“, urteilte Korda selbst, der immer wieder das Netz suchte und mit einem hohen Aufschlagprozentsatz brillierte. Sein Gegner im Halbfinale war Marton Fucsovics. Und dieser hat seinerseits Geschichte geschrieben. Mit dem Sieg über Jaume Munar feierte der Ungar seinen 100. Sieg auf Hartplatz-Niveau. Noch nie zuvor hatte ein Spieler seines Landes in der Open Era diese Marke erreicht. Erfahrung gegen Comeback-Power – dieses Halbfinale verspricht mehr als nur Spannung.
Während die ATP-Profis in Winston-Salem ihre Geschichten schreiben, blickt Tennis-Deutschland nach Augsburg. Beim dortigen Challenger-Turnier regnet es förmlich deutsche Erfolge. Gleich zwei Davis-Cup-Spieler stehen im Halbfinale. Henri Squire, der noch immer eher ein Geheimtipp als ein Star ist, legte eine beeindruckende Serie hin. Mit druckvollen Grundschlägen und wuchtigen Aufschlägen ließ er dem Spanier Nikolas Sánchez Izquierdo kaum Luft zum Atmen. 6:3, 6:3 hieß es nach 96 Minuten und Squire wirkte dabei abgeklärt wie ein Routinier. „Ich war sehr ruhig, sehr fokussiert“, erklärte er anschließend. Worte, die man sonst eher von gestandenen Profis hört.
Noch kürzer machte es Cedrik-Marcel Stebe. Der 34-Jährige, der vom Verletzungspech verfolgt wird, ließ dem Tschechen Matyas Cerny nicht einmal die Chance, ins Match hineinzufinden. 6:0, 3:1, dann gab Cerny auf. Stebe wirkte souverän, kontrolliert und hungrig. Nun wartet Zdenek Kolar auf ihn, der zuvor den starken Benito Sanchez Martinez aus dem Turnier genommen hat.
Spannend wird es auch für Christoph Negritu, dessen Viertelfinale gegen Alexander Ritschard wegen Dunkelheit unterbrochen wurde. Der Sieger trifft auf Squire. Sicher ist bereits jetzt: Mindestens zwei deutsche Einzelspieler werden am Freitag in Augsburg um den Finaleinzug kämpfen.
Und dann wäre da noch Jan-Lennard Struff. Der deutsche Publikumsliebling drehte nach dem Abbruch seine Partie gegen Taro Daniel. Nach einem 2:6 im ersten Satz sah vieles nach einer Niederlage aus, doch dann packte Struff den Turbo aus, gewann 6:4 und 6:1 und steht nun im Halbfinale. Dort wartet ausgerechnet Arthur Cazaux, die Nummer eins der Qualifikation. Eine Hürde, die Struff nur mit voller Energie nehmen kann.
Ob in Winston-Salem oder Augsburg: Diese Tage zeigen, wie sehr Tennis von Wendungen, Mut und Durchhaltevermögen lebt. Wer im Halbfinale die besseren Nerven behält, könnte nicht nur das Turnier gewinnen, sondern auch das Momentum für die große Bühne der kommenden Wochen mitnehmen.
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