Ein Tag voller Dramatik, ein italienischer Triumph und ein dänischer Verteidigungskampf: Die 17. Etappe der Vuelta a Espana hatte alles zu bieten, was Radsportfans lieben.
Die 143,2 Kilometer von O Barco de Valdeorras hinauf zum Alto de El Morredero endeten für Antonio Pellizzari mit einem emotionalen Erfolg. Der junge Italiener bescherte dem Red-Bull-Team den Etappensieg und setzte damit ein starkes Ausrufezeichen. Mit seiner Attacke am entscheidenden Schlussanstieg bewies er nicht nur Mut, sondern auch die nötige Cleverness, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten.
Nur 16 Sekunden dahinter rollte Tom Pidcock vom Q36.5 Pro Cycling Team ins Ziel. Der Brite biss sich am letzten Kilometer die Zähne aus, konnte den Tagessieg aber nicht mehr verhindern. Hinter ihm komplettierten Pellizzaris Teamkollege Jai Hindley und der Gesamtführende Jonas Vingegaard die Top 4.
Auch wenn es für den dänischen Tour-de-France-Sieger nicht zum Tagessieg reichte, so hat er doch sein wichtigstes Ziel erreicht: Er verteidigte souverän das Rote Trikot. Mit 20 Sekunden Rückstand auf Pellizzari und zwei Sekunden Vorsprung auf João Almeida behauptet er seine Spitzenposition im Gesamtklassement. Sein Vorsprung beträgt nun 50 Sekunden. Ein Polster, das vor dem anstehenden Einzelzeitfahren entscheidend sein könnte.
Matteo Jorgenson, Vingegaards Teamkollege, brachte es nach der Etappe auf den Punkt: Man habe auf den Sieg gezielt, am Ende aber die Gesamtwertung im Blick behalten. Für Jumbo-Visma (jetzt Red Bull) bleibt die Marschroute klar: Kontrolle statt Risiko.
Besonders Tom Pidcock haderte mit dem knapp verpassten Erfolg. Am Mikrofon zeigte er sich enttäuscht, dass es nicht zum großen Triumph gereicht hatte. Dennoch festigte er Rang drei im Gesamtklassement und bleibt damit im erweiterten Favoritenkreis.
Joao Almeida wirkte dagegen erstaunlich gelassen. Der Portugiese konnte mit seinen zwei Sekunden Zeitverlust gegenüber Vingegaard gut leben und hat weiterhin alle Chancen, im Zeitfahren Druck zu machen.
Die 18. Etappe bringt den entscheidenden Kampf gegen die Uhr: 27,2 Kilometer rund um Valladolid. Der flache und schnelle Kurs ist prädestiniert für Spezialisten. Ein Deja-vu ist möglich, denn schon 2023 wurde hier gefahren, damals triumphierte Filippo Ganna vor Remco Evenepoel.
Die großen Fragen sind: Kann Ganna erneut dominieren? Oder können Fahrer wie Stefan Küng oder Daan Hoole ihre Zeitfahrqualitäten nutzen, um sich ins Rampenlicht zu fahren? Für Kletterer wie Pidcock, Hindley oder Felix Gall geht es dagegen ums Überleben. Sie werden weiter Zeit auf Vingegaard und Almeida verlieren. Auch Fahrer wie Marc Soler, Matteo Sobrero oder Alex Segaert könnten für Überraschungen sorgen.
Die 17. Etappe hat gezeigt, wie dünn die Luft an der Spitze ist. Pellizzaris Sieg bringt frischen Wind in die Vuelta, während Vingegaard seinen Kurs Richtung Gesamtsieg unbeirrt fortsetzt. Doch das morgige Zeitfahren könnte alles durcheinanderwirbeln. Der Kampf zwischen Tour-de-France-Helden, Zeitfahrspezialisten und Kletterern verspricht ein echtes Spektakel und möglicherweise eine neue Rangordnung im roten Trikot.
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