Jessica Pegula wirkt müde, spielt aber wie im Rausch. Elena Rybakina steht derweil vor der vielleicht wichtigsten Aufgabe ihrer Saison. Die Wuhan Open liefern Drama, Durchhaltewillen und jede Menge Nervenkitzel.
Es ist kaum zu glauben, was Jessica Pegula derzeit in China leistet. Sechs Drei-Satz-Siege in sieben Matches in nur dreizehn Tagen! Nach über 15 Stunden auf dem Court hätte man es ihr am Freitag kaum verübeln können, wenn sie gegen die Qualifikantin Katerina Siniaková aufgegeben hätte. Nach einem 2:6 im ersten Satz schien genau das einzutreten. Pegula wirkte ausgelaugt, leer, fast am Ende. Doch dann zündete sie den Turbo.
Mit einer wahren Machtdemonstration spielte die US-Amerikanerin den zweiten Satz in nur 23 Minuten mit 6:0 herunter, ein „Bagel“, wie es im Tennisjargon heißt. Und als hätte sie plötzlich neue Energie aus dem Nichts geschöpft, dominierte sie auch den Entscheidungssatz mit 6:3.
Nach 1 Stunde und 36 Minuten stand Pegula im Halbfinale von Wuhan, ihrem ersten in dieser Stadt überhaupt.
Was sie da eigentlich antreibt, kann sie selbst kaum erklären. „Ich weiß es nicht“, sagte Pegula danach mit einem erschöpften Lächeln. „Offenbar bin ich einfach topfit. Ich glaube, ich muss momentan an nichts Physischem mehr arbeiten, mein Körper hält das alles irgendwie aus. Natürlich wäre es für meinen Kopf und meinen Körper einfacher, wenn ich die Matches klarer gewinnen würde. Aber wenn ich für den Rest meines Lebens jedes Match in drei Sätzen gewinne, wäre das auch okay für mich.“
Ironischerweise könnte genau das eintreten. Denn Pegula scheint eine neue Routine gefunden zu haben: verlieren, reagieren, siegen. Ihre Nervenstärke und Ausdauer sind zu ihrem Markenzeichen geworden und machen sie zu einer echten Kandidatin für die kommenden großen Turniere, vielleicht sogar für die French Open im Frühjahr.
Während Pegula von Erfolg zu Erfolg eilt, steht Elena Rybakina unter ganz anderem Druck. Die Kasachin benötigt in Wuhan dringend Siege, um sich noch für die WTA Finals in Riad zu qualifizieren. Und ausgerechnet jetzt wartet mit Aryna Sabalenka die Branchenführerin, die jede Gegnerin mit purem Tempo überrollen kann.
Sabalenka hat in Wuhan bislang 19 Matches gespielt und alle gewonnen. Eine Bilanz, die einschüchtern könnte. Doch nicht Rybakina. Die Wimbledonsiegerin von 2022 weiß genau, wie sie der Belarussin Paroli bieten kann. Das hat sie im Viertelfinale von Cincinnati bewiesen, als sie Sabalenka nur fünf Spiele ließ. Zwar liegt Rybakina im direkten Vergleich mit 5:7 hinten, aber ihr Spiel ist eines der wenigen, das Sabalenkas Wucht etwas entgegensetzen kann.
Das Duell der beiden Power-Hitterinnen verspricht Hochspannung. Für Rybakina geht es nicht nur um ein weiteres Halbfinale, sondern um den gesamten Saisonabschluss. Verliert sie, könnte das Ticket nach Saudi-Arabien futsch sein. Gewinnt sie hingegen, lebt die Hoffnung weiter und mit ihr die Möglichkeit, das Jahr doch noch zu vergolden.
Gleichzeitig kämpft Jasmine Paolini um dasselbe Ziel. Auch sie steht in Wuhan im Viertelfinale, muss dort jedoch gegen niemanden Geringeren als Iga Swiatek antreten. Für Paolini, die bereits sicher weiß, dass sie in Riad im Doppel mit Sara Errani aufschlagen wird, wäre ein Sieg gegen die Weltranglistenerste ein Bonus, aber kein Muss.
Für Rybakina hingegen ist es alles oder nichts. Die Bühne ist bereitet für ein Tennisdrama, das in den kommenden Tagen über die Saisonbilanz mehrerer Spielerinnen entscheiden könnte. Pegula hat gezeigt, was mentale Zähigkeit bewirken kann. Nun muss Rybakina beweisen, dass sie trotz Druck und Rückschlägen die große Bühne nicht scheut.
In diesen Tagen entscheidet sich in China, wer am Ende des Jahres noch einmal glänzen darf und wer nach einem langen Tennisjahr mit leeren Händen dasteht. Wenn Jessica Pegula weiterhin so spielt, könnte sie bald die Spielerin sein, vor der niemand mehr freiwillig auf den Platz geht.
TENNIS
Alexander Zverev steht im Halbfinale: Starker Auftritt gegen Rafael Jodar bei den French Open
Zverev präsentiert sich in Paris weiter in Topform und bleibt nach dem frühen Aus vieler Favoriten der größte Anwärter auf den Titel.
Kim Klos
vor 11 Stunden
TENNIS
Alexander Zverev gegen Rafael Jódar: Datum, Uhrzeit und und wo man das French-Open-Viertelfinale im Fernsehen und im Streaming sehen kann
Rafael Jódar fordert Alexander Zverev in Paris heraus, doch der deutsche Topspieler geht als klarer Favorit ins Viertelfinale. Hier erhalten Sie alle Informationen zur Begegnung.
Kim Klos
02 Jun 26
TENNIS
Zverevs große Chance: Sinners überraschendes Aus gegen Cerúndolo macht die French Open so offen wie selten zuvor
Jannik Sinner ist bei den French Open sensationell in Runde 2 ausgeschieden, Carlos Alcaraz fehlt verletzt, Novak Djokovic ist veraltet und damit öffnet sich für Alexander Zverev wohl die größte Grand-Slam-Chance seiner Karriere.
Kim Klos
28 Mai 26
Wett-Credits nach Abrechnung von Wetten im Wert der qualifizierenden Einzahlung zur Nutzung verfügbar. Gewinne schließen den Einsatz von Wett-Credits aus. Es gelten die AGB, Zeitlimits und Ausnahmen.