Bei blauem Himmel und inmitten einer kargen Steinwüste wurden heute am sagenumwobenen Mont Ventoux Geschichte geschrieben. Ein junger Franzose krönte sich, während die Favoriten ein Feuerwerk zündeten. Was für ein Tag bei der Tour de France!
Die 16. Etappe der diesjährigen Tour de France hatte alles, was Radsportfans lieben: Spannung, Dramatik, Emotionen und mit dem Mont Ventoux einen mythischen Schlussakkord. Die 171,5 Kilometer von Montpellier hinauf zum „Riesen der Provence“ glichen einem Countdown zur Eskalation. Mit 1 910 Höhenmetern und Rampen bis zu 20 Prozent ist der Mont Ventoux alles andere als ein gewöhnlicher Berg. Er ist Prüfstein, Legendenmacher und Schicksalsberg.
In einem hochklassigen Finale setzte sich der 24-jährige Valentin Paret-Peintre durch und feierte seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France. Im Sprint auf dem mondähnlichen Gipfel ließ er Ben Healy hinter sich und krönte damit seine großartige Leistung. Damit reiht sich der Franzose in eine Elite ein. Namen wie Eddy Merckx oder Marco Pantani prägten diesen Berg.
Entscheidend war Paret-Peintres clevere Rennübersicht. Während Enric Mas früh attackierte und sich lange als Solist am Berg versuchte, wartete der Franzose klug ab. Erst 3,9 Kilometer vor dem Ziel schloss er gemeinsam mit Healy zu Mas auf. Am Ende hatte er die meisten Körner übrig, was auch daran lag, dass Healy zu viel Wind schluckte.
Im Kampf um das Gelbe Trikot schien zunächst Ruhe zu herrschen, doch am Mont Ventoux explodierten die Favoriten. Jonas Vingegaard versuchte es gleich viermal. Immer wieder setzte er Attacken, doch Tadej Pogacar klebte an seinem Hinterrad. Erst kurz vor dem Gipfel konterte der Slowene, allerdings ohne entscheidenden Unterschied. Beide kamen der Spitze gefährlich nahe, der Etappensieg blieb jedoch außer Reichweite. Pogacar wurde Fünfter, Vingegaard Sechster. Ein intensives Kräftemessen ohne klare Entscheidung.
Ein weiteres Ausrufezeichen setzte Florian Lipowitz. Der Deutsche zeigte erneut eine reife Leistung, kam als Zehnter mit einem Rückstand von 1:53 Minuten ins Ziel und verteidigte sowohl Platz drei im Gesamtklassement als auch das Weiße Trikot des besten Jungprofis. Er ließ sogar Stars wie Roglic und Mas hinter sich und avanciert immer mehr zum Geheimfavoriten.
Früh im Rennen dauerte es lange, bis sich eine Gruppe absetzen konnte. Doch als diese stand, war richtig Musik drin: 35 Fahrer bildeten das Herz des Rennens. Namen wie Healy, Arensman und Alaphilippe bestimmten das Geschehen. Enric Mas setzte 14 Kilometer vor dem Ziel die erste große Attacke, doch es reichte nicht.
Währenddessen gingen Fahrer wie Jonathan Milan beim Zwischensprint leer aus. Der Italiener im Grünen Trikot verpasste wichtige Punkte und seine Chancen auf den Gesamtsieg in der Sprintwertung schwinden.
Nach den brutalen Höhenmetern der vorherigen Etappen dürfen sich die Sprinterteams bei der 17. Etappe von Bollene nach Valence endlich wieder berechtigte Hoffnungen machen. Mit nur zwei kleinen Bergwertungen der 4. Kategorie dürfte es zu einem Massensprint kommen. Ein Szenario, das Erinnerungen weckt: 2015 triumphierte hier Andre Greipel. Gelingt es diesmal Milan, Van Aert oder Philipsen?
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