Drei Stunden, zwei Wendepunkte, ein Triumph: Jasmine Paolini kämpfte sich in Ningbo durch ein episches Match gegen Belinda Bencic und steht nun nur noch einen Sieg von der Qualifikation für die WTA Finals in Riad entfernt.
Es war ein Kampf, der alles bot: Dramatik, Schmerz, Entschlossenheit und eine Italienerin, die sich weigerte, aufzugeben. Jasmine Paolini hat in Ningbo das bisher längste Match ihrer Saison gewonnen. Nach 3 Stunden und 22 Minuten besiegte sie Belinda Bencic mit 5:7, 7:5, 6:3 und hält damit ihre Chancen auf eine Teilnahme an den WTA Finals in Riad am Leben.
Die Ausgangslage ist klar: Mit einem Sieg im Halbfinale gegen Elena Rybakina würde Paolini sich definitiv qualifizieren. Verliert sie, bleibt alles offen zwischen ihr, Rybakina und der jungen Mirra Andreeva; das Rennen um die letzten Startplätze entscheidet sich erst kommende Woche.
Für Paolini war der Erfolg gegen Bencic ein Marathon der Willenskraft. Gleich zweimal lag sie ein Break zurück, gleich zweimal kam sie wieder. Bencic servierte im zweiten Satz schon zum Matchgewinn, doch Paolini wehrte sich mit einem Kunststück: einem Rückhandwinkel, der fast die Geometrie des Courts sprengte. „Ich konnte mein bestes Tennis lange nicht finden”, sagte Paolini später. „Aber ich blieb einfach in jedem Punkt drin und habe versucht, es irgendwie zu drehen.”
Dass ihr dies gelang, war mehr als nur ein sportliches Comeback, es war ein Statement. Das Match war nicht nur ihr längstes in diesem Jahr, sondern auch das elftlängste der gesamten WTA-Saison. Für die 29-Jährige war es der erste Sieg nach über drei Stunden seit Palermo 2022 und diesmal ging es nicht um irgendein Turnier, sondern um das größte Ziel des Jahres: die Teilnahme am Saisonfinale.
Bencic, die selbst noch Außenseiterchancen auf eine Teilnahme hatte, war ihrerseits angeschlagen. Nach ihrem 3 Stunden und 33 Minuten langen Sieg in der Vorrunde gegen Yuliia Starodubtseva musste sie im Viertelfinale ein medizinisches Time-out nehmen und wirkte gegen Ende deutlich eingeschränkt. Dennoch zeigte sie Phasen von Weltklasse, dominierte mit 15 Winnern den ersten Satz und brachte Paolini mehrfach an den Rand der Verzweiflung.
Doch Paolini blieb, was sie in diesem Herbst auszeichnete: mental unerschütterlich. Sie gewann zwei entscheidende Marathonspiele im zweiten Satz, bei denen es jeweils acht oder mehr Einstandspunkte gab. Bencic servierte zum 6:4, Paolini breakte zu null. Danach wehrte sie sechs Breakbälle ab, um ihren eigenen Aufschlag zu halten. Ab dem Stand von 4:5 im zweiten Satz gewann sie neun der nächsten zwölf Spiele und somit das Match.
„Belinda ist eine unglaubliche Spielerin, sie hätte genauso gut gewinnen können”, sagte Paolini nach dem Abpfiff. „Ehrlich gesagt, war das eines der härtesten Matches meines Lebens.”
Nun wartet mit Elena Rybakina eine nicht weniger gefährliche Gegnerin, gegen die Paolini jedoch gut aussieht. In den bisherigen fünf Duellen führt die Italienerin mit 3:2, besonders erwähnenswert ist ihre letzte Begegnung auf Hartplatz, bei der Paolini in zwei Sätzen gewann, ausgerechnet beim Saisonfinale im vergangenen Jahr. Ein gutes Omen?
Für Rybakina steht ebenfalls viel auf dem Spiel. Zwar kann sie sich in Ningbo noch nicht endgültig für Riad qualifizieren, doch ein Sieg gegen Paolini würde ihre Chancen massiv verbessern. Nach ihrem klaren 6:2, 6:0-Erfolg über Ajla Tomljanović scheint sie in Form zu sein. „Ich denke gar nicht so sehr an die Finals“, sagte sie nüchtern. „Ich will die Saison einfach gut beenden und vor allem gesund bleiben.“
Paolini gibt sich ähnlich bodenständig: „Natürlich denke ich an Riad, aber wenn ich auf dem Platz stehe, zählt nur das nächste Spiel.“
Doch das nächste Spiel wird kein gewöhnliches sein. Es ist das Duell zweier Spielerinnen, die um mehr kämpfen als nur Punkte oder Preisgeld. Es geht um Anerkennung, Schwung und um das letzte große Ticket des Jahres.
Ein Sieg und Jasmine Paolini wäre zum ersten Mal Teil der exklusiven Acht in Riad. Eine Niederlage, und alles wäre wieder offen. Nach dem, was sie in Ningbo gezeigt hat, kann man sich kaum vorstellen, dass sie diesmal kampflos aufgibt.
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