Naomi Osaka kämpft sich in Wimbledon zurück ins Rampenlicht, aber reicht das für mehr als die zweite Runde? Die ehemalige Nummer eins steht vor der nächsten Prüfung auf dem ungeliebten Rasen.
Naomi Osaka ist zurück auf dem „heiligen Rasen“ und hat zumindest die erste Hürde mit Mühe, aber ohne Satzverlust genommen. In einem Match, das mehr Nervenarbeit als Glanzleistung war, besiegte die vierfache Grand-Slam-Siegerin die australische Qualifikantin Talia Gibson mit 6:4, 7:6 (4). Doch trotz dieses Erfolgs bleiben Fragen: Ist Osaka tatsächlich bereit, in Wimbledon ein ernstes Wort mitzureden?
Denn die Partie gegen Gibson zeigte einmal mehr, dass Rasentennis für Osaka kein Selbstläufer ist. Gegen eine Gegnerin, die erst zum zweiten Mal überhaupt im Hauptfeld eines Major-Turniers stand, lag die Japanerin in beiden Sätzen zurück und rettete sich jeweils mit Comebacks in letzter Minute.
Im ersten Satz musste sie einem 1:3-Rückstand hinterherlaufen, im zweiten Satz lag sie 3:5 und 5:6 hinten. Dass Gibson in entscheidenden Momenten Nerven zeigte und gleich zwei Mal bei eigenem Aufschlag zu Null gebreakt wurde, spielte Osaka in die Karten.
Am Ende brachte sie die Partie im Tiebreak mit konzentrierterem Spiel und insgesamt 18 Winnern sowie fünf Assen über die Ziellinie, allesamt Werte, die auf eine gewisse Form hindeuten, aber noch weit von ihrer Topverfassung entfernt sind.
Bemerkenswert: Es war erst Osakas zweiter Erfolg in Wimbledon in den letzten sieben Jahren. Nach ihrer Rückkehr im Jahr 2024, damals war sie frischgebackene Mutter und dem Erstrundensieg gegen Diane Parry steht sie nun erneut in der zweiten Runde. Dort wartet allerdings ein anderes Kaliber auf sie: Ihre nächste Gegnerin wird entweder die an Position fünf gesetzte Chinesin Zheng Qinwen oder die erfahrene Tschechin Katerina Siniakova sein. Die Partie der beiden wurde wegen Dunkelheit auf Dienstag verschoben.
Osaka muss sich steigern, auch statistisch. Im ersten Satz gegen Gibson profitierte sie mehr von den 18 unerzwungenen Fehlern ihrer Gegnerin als von ihrem eigenen Offensivdrang. Erst im zweiten Durchgang fand sie ihren Rhythmus beim Aufschlag, alle fünf Asse kamen dort zustande.
Mit einer Bilanz von nun 6:4 bleibt Wimbledon ihr schwächster Grand Slam. Zum Vergleich: Bei den anderen drei Majors kommt Osaka zusammen auf 53 Matchsiege. Zwar konnte sie auf Rasen in diesem Sommer bereits drei Tiebreaks in Folge gewinnen, doch in Berlin und Bad Homburg war jeweils spätestens in der zweiten Runde Schluss.
Ein Vergleich mit anderen Spielerinnen fällt aktuell schwer. Iga Świątek, die die French Open dominierte, meidet Rasen traditionell. Aryna Sabalenka ist verletzt. Und Coco Gauff sowie Elena Rybakina müssen erst noch ins Turnier starten. Die Tür ist offen, doch ob Osaka sie aufstoßen kann, bleibt abzuwarten.
Während Osaka also bereits in der zweiten Runde steht, mussten die Männer zum Teil unter schwierigen Bedingungen antreten. Alexander Zverev etwa wurde in seinem Auftaktmatch gegen Arthur Rinderknech bei einem Stand von 6:7 (3) und 7:6 (8) wegen der Sperrstunde um 23 Uhr unterbrochen. Der Deutsche hatte im zweiten Satz mehrere Satzbälle abwehren müssen. Auch für ihn wird es am Dienstag ernst.
Während Carlos Alcaraz über fünf Sätze gegen den ewigen Kämpfer Fabio Fognini kämpfen musste, konnten Medvedev, Tsitsipas und Rune bereits die Koffer packen. Wimbledon 2025 ist bereits nach dem ersten Tag ein Turnier der Überraschungen. Ob Osaka zur Hauptdarstellerin wird, entscheidet sich bald.
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