Er stand kurz vor dem Aus, doch mit purer Leidenschaft und der Energie des Publikums drehte Lorenzo Musetti das Match gegen Alex de Minaur. In Turin feierte der Italiener seinen größten Moment und hielt seine Hoffnungen bei den ATP Finals am Leben.
Lorenzo Musetti lebt zumindest bei den Nitto ATP Finals in Turin noch. Der Italiener sorgte am Dienstagabend für ein Tennisdrama, das in Erinnerung bleibt. In einem packenden Duell besiegte er den Australier Alex de Minaur mit 7:5, 3:6, 7:5 und feierte seinen ersten Sieg beim prestigeträchtigen Jahresendturnier.
Fast drei Stunden lang bebte das Pala Alpitour, während Musetti zwischen Genie und Wahnsinn pendelte. Von einem Stand von 3:5 im entscheidenden Satz kämpfte sich der 23-Jährige mit einer Mischung aus Mut, Technik und unbändigem Willen zurück. Als er schließlich mit einem krachenden Vorhandwinner auf dem Lauf triumphierte, verwandelte sich das Stadion in ein Tollhaus.
„Ich habe wirklich körperlich gelitten, weil Alex das Tempo enorm angezogen hat“, erklärte Musetti nach dem Spiel. „Aber mit viel Herz und Leidenschaft habe ich irgendwie wieder Energie gefunden. Die Unterstützung des Publikums war unglaublich, ich muss ihnen allen danken.“
Noch 30 Stunden zuvor war Musetti an Taylor Fritz gescheitert, wirkte ausgelaugt und ideenlos. Doch diesmal trat er wie verwandelt auf: beweglich, entschlossen und vom Jubel der heimischen Fans geradezu elektrisiert. Er schlug druckvoller auf, suchte öfter den Weg ans Netz und motivierte sich mit jedem gewonnenen Punkt immer mehr.
De Minaur, der für seine defensive Brillanz bekannt ist, wehrte sich nach Kräften. Der Australier gewann den zweiten Satz und führte im dritten bereits mit 5:3, der Sieg schien nur noch Formsache. Doch dann kam der Moment, der das Match kippte: ein 31-Schläge-Austausch bei 4:3, 30:30, inklusive eines Tweener-Schlags, nach dem beide Spieler am Boden lagen. Musetti verlor zwar den Punkt, doch er fand genau dort seine zweite Luft.
Angetrieben vom ohrenbetäubenden Jubel brach er De Minaurs Aufschlag, rettete sich in die Verlängerung und ritt auf der Welle des Lärms zum Sieg. Nach zwei Stunden und 47 Minuten war die Sensation perfekt: Musetti hatte einen der größten Erfolge seiner bisherigen Karriere gefeiert.
Mit dem Sieg steht Musetti in der Jimmy-Connors-Gruppe nun bei 1:1 und wahrt seine Chancen auf das Halbfinale. Am Donnerstag wartet mit Carlos Alcaraz, der aktuellen Nummer eins der Welt, jedoch niemand Geringerer. Der Spanier hat sowohl De Minaur als auch Fritz bezwungen und steht bei 2:0. Trotzdem können noch alle vier Spieler der Gruppe das Halbfinale erreichen.
„Ich bin ein Krieger”, sagte Musetti kämpferisch. „Ich habe mich mental stark verbessert und spiele hier gegen die besten Spieler der Welt. Gegen Carlos wird es unglaublich schwer, aber ich will es genießen und genauso kämpfen wie heute.“
Der Sieg in Turin war bereits Musettis dritter in Folge gegen De Minaur, nachdem er sich in Monte-Carlo bis ins Finale und in Madrid bis ins Halbfinale gespielt hatte. Doch dieser Triumph war etwas Besonderes: Es war sein erster Sieg gegen einen Top-10-Spieler auf Hartplatz im Jahr 2025.
Für Musetti ist das mehr als nur ein sportlicher Erfolg. Es war ein emotionales Statement, ein Abend, an dem er Italien an seine Seite rief und mit Leidenschaft antwortete. Wenn er diesen Schwung mitnimmt, könnte Turin erst der Anfang einer größeren Geschichte sein.
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