Ein heißer Sommertag, ein packender Schlusssprint und ein Italiener, der sich seinen großen Moment bei der Tour de France holt: Die 8. Etappe hatte alles, was Radsportfans lieben. Und morgen wartet bereits ein historischer Schauplatz.
Nach zwei zermürbenden Tagen in der Bretagne schaltete das Peloton auf der achten Etappe der Tour de France erst einmal einen Gang runter – aber nur kurz. Am Ende war es Jonathan Milan, der mit einem unwiderstehlichen Antritt seinen ersten Etappensieg bei der Tour feierte. Mit einer Radlänge Vorsprung vor dem Zielstrich in Laval hatte der Italiener genug Vorsprung, um die Arme in den Himmel zu reißen.
Der Etappenplan klang einfach: 171 Kilometer von Saint-Meen-le-Grand nach Laval, Espace Mayenne, ein einziger Mini-Berg 16 Kilometer vor Schluss, sommerliche 29 Grad am Start. Doch die scheinbar gemütliche Ausfahrt entpuppte sich als Klassiker des Radsportdramas mit verzögertem Zünder.
Zu Beginn dominierte der Ruhepuls. Es gab keinen Ausreißer und kein frühes Spektakel, eine Szene, wie sie bei Sprinter-Etappen selten geworden ist. Stattdessen: aktive Erholung nach zwei kräfteraubenden Tagen. Selbst die Klassementfahrer wirkten entspannt. Mit Blick auf die harte Bergetappe am Montag durch das Zentralmassiv mit 4 450 Höhenmetern vielleicht keine schlechte Idee.
Doch dann wechselten Intermarché-Wanty und Lidl-Trek den Modus: Aus dem Bummel wurde ein Hochgeschwindigkeits-Ritt bei Gegenwind. Jonas Rutsch und Quinn Simmons spannten sich vor das Feld, arbeiteten für ihre Kapitäne Milan und Girmay und erhöhten das Tempo auf durchschnittlich 41,7 km/h.
Besonders motiviert: Jonathan Milan. Der Italiener fuhr im Grünen Trikot, das er stellvertretend für Tadej Pogacar trägt, der auch in der Punktewertung vorne liegt. Beim Zwischensprint ließ Milan keinen Zweifel aufkommen, dass er sich auch das echte Trikot holen will. Er fuhr 20 Punkte locker vor Merlier, Turgis und Girmay ein.
Dass auch bei einer Flachetappe Platz für Skurriles ist, zeigte sich im Teamfunk von UAE: Pogacar ließ sich über die Ergebnisse seiner Freundin Urska Zigart beim Giro der Frauen informieren und erkundigte sich gleich auch noch nach seinem Teamkollegen Isaac del Toro, der gerade eine Etappe in Österreich gewonnen hatte.
Auf der Straße wurde es unterdessen kurz wild. Zwei Franzosen, Burgaudeau und Vercher, versuchten sich spät abzusetzen. Belohnt wurden sie mit der Auszeichnung als kämpferischste Fahrer. Eingeholt wurden sie zehn Kilometer vor dem Ziel. Dazwischen gab es einen Schreckmoment für Jonas Rutsch, der nach einem Sturz kurz regungslos am Boden lag, aber weiterfahren konnte.
Im Finale kam es dann zum erwarteten Sprintduell und Jonathan Milan hatte seinen Moment. Mit perfektem Timing zog der Italiener durch, ließ Van Aert, Groves und Ackermann keine Chance und feierte seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France. Es war der dritte Erfolg für einen reinen Sprinter in dieser Rundfahrt nach Philipsen und Merlier.
Am Sonntag wartet mit der 9. Etappe erneut eine Flachetappe, diesmal über 170 Kilometer von Chinon nach Chateauroux. Historischer Boden: Dreimal schon siegte Mark Cavendish hier, zuletzt 2021.
Für die Sprinter ist es eine weitere goldene Gelegenheit, sofern sie ihrem Favoritenstatus gerecht werden.
Die 8. Etappe der Tour de France hat gezeigt, wie taktisch klug und gnadenlos schnell eine Flachetappe sein kann. Mit Milan gibt es einen neuen Etappensieger und mit Chateauroux einen Zielort, der Geschichte verspricht. Der Sonntag gehört den Sprintern, bevor am Montag das Gebirge ruft.
RADSPORT
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bet365 News Team
13 Okt 25
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