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Merlier triumphiert in Chateauroux

Tim Merlier gewinnt die 9. Etappe der Tour de France im Massensprint von Châteauroux und feiert damit seinen zweiten Tagessieg. Die flache Etappe war jedoch kein Selbstläufer: Seitenwind, Stürze und eine lange Flucht sorgten für Hochspannung.

Die neunte Etappe der diesjährigen Tour de France war wie gemacht für Tempo-Fanatiker und Taktikfüchse: 174 flache Kilometer von Chinon nach Chateauroux, null Bergwertungen, viel Sonne, viel Seitenwind und ein Ziel, das nach einem Massensprint schrie. Tim Merlier hatte die Zeichen der Zeit richtig gedeutet und lieferte. Mit einer halben Radlänge setzte er sich im Zielsprint gegen Jonathan Milan durch und schnappte sich nach seinem ersten Sieg in Turin bereits den zweiten Tagessieg bei dieser Tour. Dritter wurde Arnaud de Lie. Phil Bauhaus landete auf Rang sieben.

Doch bevor der Asphalt in Chateauroux bebte, schrieb die Etappe ihre eigene Geschichte mit Angriffslust, Stürzen und dem leisen Drama um Joao Almeida.

Van der Poel zündete die erste Rakete und blieb lange oben

Kaum war das Rennen freigegeben, entkamen Mathieu van der Poel und sein Teamkollege Jonas Rickaert dem Peloton. Ihr Ziel war klar: Sie wollten Punkte für das Grüne Trikot sammeln, das van der Poel noch lange nicht abgeschrieben hat. Beim Zwischensprint nach 24 Kilometern griff der Niederländer beherzt zu und sicherte sich die maximale Punktzahl. Doch wer dachte, der Job sei damit erledigt, lag falsch. Das Duo fuhr weiter und wie! Zwischenzeitlich lagen sie über fünf Minuten vor dem Hauptfeld.

Die Sprinter-Teams, allen voran Lidl-Trek für Milan, wirkten überrascht. Erst spät begannen sie mit der Aufholjagd, unterstützt von UAE Team Emirates und Visma-Lease a Bike. Vor allem der aufkommende Seitenwind sorgte für Nervosität im Feld und sortierte das Peloton einmal kräftig durch.

Drama im Wind und das große Finale

Die Windkante schlug zu. Milan, Evenepoel und Pogacar waren vorne dabei. Andere kämpften. Auch das Spitzenduo bekam den Gegenwind zu spüren: Ihr Vorsprung schmolz auf 35 Sekunden. Doch nach einem Richtungswechsel beruhigte sich das Feld und Van der Poel kämpfte sich auf einen Vorsprung von fast 90 Sekunden zurück.

Sechs Kilometer vor dem Ziel ließ Rickaert abreißen. Van der Poel, nun solo, versuchte das Unmögliche: Nach 170 Kilometern Flucht wollte er die Etappe gewinnen. Doch 800 Meter vor dem Ziel war Schluss, das Feld schluckte den tapferen Niederländer und Merlier vollendete eiskalt.

Rückschläge für Almeida und Zimmermann

Neben dem sportlichen Spektakel war die Etappe auch ein Prüfstein für die Leidensfähigkeit. Georg Zimmermann stürzte schwer, kämpfte sich aber mit aufgeschürften Gliedmaßen und zerrissener Hose zurück ins Hauptfeld, ein starkes Zeichen. Joao Almeida hingegen musste aufgeben. Der Portugiese biss sich noch fast 100 Kilometer mit gebrochener Rippe durch, dann war Schluss.

Die Berge rufen!

Der französische Nationalfeiertag bringt keinen Ruhetag, sondern die erste echte Bergetappe. Die zehnte Etappe führt über sieben Anstiege der zweiten Kategorie und ist mit 4450 Höhenmetern gespickt – das wird ein anderes Spiel. Der finale Anstieg zum Puy de Sancy (3,3 Kilometer auf 1 324 Meter) verspricht ein erstes Kräftemessen der Favoriten. Pogacar, Vingegaard, Evenepoel, jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen.

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