Mit gerade einmal 18 Jahren bezwang Victoria Mboko im Finale von Montreal die große Naomi Osaka und sorgte damit für ein Tennis-Märchen, das in Cincinnati möglicherweise weitergehen könnte.
Montreal hat ein neues Kapitel Tennisgeschichte geschrieben, dessen Hauptfigur Victoria Mboko heißt. Die 18-jährige Kanadierin setzte sich im Finale des WTA-1000-Turniers gegen die vierfache Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka mit 2:6, 6:4, 6:1 durch. Es war nicht nur ihr erster Titel auf WTA-Ebene, sondern auch ein Statement an die gesamte Tour: Hier kommt eine neue Generation, die keine Angst vor großen Namen hat.
Dabei sah es zunächst gar nicht nach einem Märchenende aus. Osaka begann konzentriert und aggressiv und nutzte genau die Waffe, mit der Mboko normalerweise ihre Gegnerinnen überfährt. Tempo. Die Japanerin hielt Mboko permanent in Bewegung, servierte stark und sicherte sich den ersten Satz mit 6:2, für Mboko jedoch kein unbekanntes Szenario. Schon im Halbfinale gegen Elena Rybakina hatte sie mit einem 1:6 begonnen und das Match noch gedreht.
Im zweiten Satz musste die junge Kanadierin allerdings Nervenstärke beweisen. Gleich zweimal gab sie ein Break sofort wieder ab. Doch Osaka verlor in dieser Phase ihren Rhythmus, während Mboko immer mehr in den Flow fand. Mit druckvollen Grundschlägen und mutigen Returns zog sie auf 5:2 davon. Zwar kämpfte sich Osaka noch einmal heran, doch Mboko servierte nach 80 Minuten Spielzeit eiskalt zum 6:4 aus.
Die Entscheidung fiel mit einem Paukenschlag: Osaka startete den dritten Satz mit einem Aufschlagspiel zu null, allerdings gegen sich selbst. Mboko nahm das Geschenk dankend an, legte nach und zog mit einem Zwischenspurt auf 5:1 davon. Beim ersten Championship Point landete Osakas Rückhand im Netz und Mboko sank unter dem Jubel der heimischen Fans auf die Knie. Montreal hatte eine neue Heldin.
Der Sieg würde Mboko nicht nur den ersten großen Pokal ihrer Karriere bringen, sondern ihr auch einen zusätzlichen Bonus einbringen: Sie würde in Cincinnati ein „Performance Bye“ erhalten, ein Freilos in Runde eins, genau wie Osaka. Falls beide antreten, warten dort spannende Aufgaben auf sie: Mboko würde auf Diana Shnaider treffen, Osaka auf Linda Noskova.
Während in Montreal gefeiert wurde, kämpfte sich die Deutsche Eva Lys in Cincinnati in die zweite Runde. Mit einem 6:2, 4:6, 7:5 gegen die US-Amerikanerin Bernarda Pera holte sich die Hamburgerin ihren ersten Hauptfeldsieg bei einem WTA-1000-Event in diesem Jahr. Gegen die Qualifikantin Pera zeigte Lys Nervenstärke, verwandelte gleich ihren ersten Matchball und darf sich nun mit der an Position sechs gesetzten Madison Keys messen. Für beide wird es das erste direkte Duell sein. Keys, Siegerin der Australian Open, hatte zum Auftakt ein Freilos.
Weniger erfreulich lief es für Laura Siegemund. Die 36-Jährige verlor ihr Auftaktmatch mit 4:6, 4:6 gegen die Russin Anastassija Potapowa und schied damit früh aus dem Turnier aus.
Neben Lys sind noch weitere deutsche Spielerinnen im Einsatz. Tatjana Maria aus Bad Saulgau trifft am Donnerstag auf die US-Amerikanerin Victoria Osuigwe. Ebenfalls im Feld ist Ella Seidel aus Hamburg, die sich in der Qualifikation durchgesetzt hat.
Mit dem Triumph von Mboko gegen Osaka hat das Frauentennis einen Moment erlebt, der die Karten neu mischen könnte. Die 18-Jährige hat gezeigt, dass selbst mehrfache Grand-Slam-Champions ins Wanken geraten, wenn der Mut der Jugend auf den Platz trifft. Und vielleicht ist Montreal nur der Anfang.
In Cincinnati könnte es schon bald zum nächsten Paukenschlag kommen. Kann Mboko ihre Form konservieren und erneut für Furore sorgen? Wird Osaka die Niederlage als Motivation nutzen, um zurückzuschlagen? Und wie schlagen sich die deutschen Spielerinnen, allen voran Eva Lys, gegen die internationale Elite?
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