Tatjana Maria ist in Monterrey gescheitert, Eva Lys ist in Cleveland freiwillig ausgestiegen und über allem schwebt die Frage: Welche Überraschung serviert uns die WTA beim letzten Grand Slam des Jahres, den US Open?
Die mexikanische Millionenstadt Monterrey war kein gutes Pflaster für Tatjana Maria. Die 38-Jährige aus Bad Saulgau wollte eigentlich Schwung für New York sammeln, doch im Achtelfinale des WTA-500-Turniers war Schluss. Mit 3:6, 2:6 unterlag sie der Tschechin Linda Noskova, die an Position sechs gesetzt war. Maria, die im Sommer mit ihrem Sensationssieg beim Vorbereitungsturnier im Londoner Queen’s Club für Schlagzeilen gesorgt hatte, bleibt damit ohne Viertelfinaleinzug. Für die deutsche Nummer eins ist dies ein ernüchterndes Ergebnis.
Fast noch überraschender ist, dass sich auch die topgesetzte Amerikanerin Emma Navarro im Achtelfinale gegen ihre Landsfrau Alycia Parks verabschiedete. 6:4, 3:6, 2:6 hieß es am Ende und so steht die Favoritin bereits vor den heißen New Yorker Nächten ohne Rhythmus da.
Während Maria sportlich gestoppt wurde, zog Eva Lys in Cleveland selbst die Notbremse. Die Hamburgerin hatte soeben Polina Kudermetowa mit 6:4, 6:3 bezwungen und stand im Viertelfinale, dann kam jedoch die Nachricht vom Rückzug. „Leider musste ich die schwere Entscheidung treffen, mich hier in Cleveland aus dem Viertelfinale zurückzuziehen“, erklärte Lys bei Instagram. Der Grund: Vorsicht statt Risiko. „Im Moment muss ich auf meinen Körper hören. Manchmal verhindert eine kleine Pause eine längere.“
Das Ziel ist klar: frisch und fit in die US Open starten. Für die zu den aufstrebenden Spielerinnen im deutschen Tennis zählende Lys ist das ein mutiges Signal. Statt kurzfristigem Erfolg steht die langfristige Karriere im Vordergrund.
Dass die US Open ihr eigenes Drama schreiben, ist ohnehin Tradition. Doch die Saison 2024 hat bereits bewiesen, dass Vorhersagen kaum etwas wert sind. Madison Keys triumphierte in Melbourne und entriss Aryna Sabalenka den erträumten dritten Australian-Open-Titel in Folge. Keys, die kurz vor ihrem 30. Geburtstag stand, feierte ihren ersten großen Coup.
In Paris drehte sich das Rad weiter: Iga Swiatek, die „Königin” der Sandplätze, verlor im Halbfinale gegen Sabalenka. Doch die Belarussin konnte den Vorteil nicht nutzen. Im Finale stand Coco Gauff auf der anderen Seite und gewann trotz des verlorenen ersten Satzes ihren zweiten Major-Titel. Mit gerade einmal 21 Jahren.
Und dann Wimbledon: Ausgerechnet auf dem ungeliebten Rasen holte Swiatek den Titel. „Ziemlich surreal“, gab sie hinterher zu, als sie als achte Spielerin in Folge erstmals in London triumphierte.
Neben den etablierten Namen sorgen Teenager wie Mirra Andreeva für Staunen. Die 17-Jährige fegte in Dubai und Indian Wells gleich mehrere Topstars vom Platz, darunter Swiatek, Rybakina und sogar Sabalenka. Mit zwölf Siegen in Serie katapultierte sie sich in die Top 10 und kommentierte ihren Erfolg trocken: „Danke an mich selbst, dass ich nie aufgegeben habe.“
Auch noch jüngere Spielerinnen klopfen bereits an. Julieta Pareja, Jahrgang 2009, erreichte in Bogotá als erste 15-Jährige das Halbfinale eines WTA-Turniers und reist mit einer Wildcard nach New York. Namen wie Iva Jovic oder Tereza Valentova, die beide 2007 geboren wurden, sind ebenfalls schon in den Top 100 angekommen.
Doch auch die Routiniers sind noch da. Tatjana Maria mit ihrem Triumph in Queen’s, Laura Siegemund mit dem Erreichen des Viertelfinales in Wimbledon und Venus Williams mit einem Sieg in Washington. Die Generation Ü35 ist längst nicht Geschichte.
Und dann wäre da noch Belinda Bencic, die nach ihrer Babypause in Abu Dhabi prompt Rybakina schlug und den Titel holte. Oder Marketa Vondrousova, die in Berlin gleich zwei Topstars aus dem Turnier kegelte.
Die US Open waren schon oft Schauplatz märchenhafter Premieren. Man denke an Sloane Stephens, Bianca Andreescu oder Emma Raducanu. Dass in diesem Jahr erneut eine Überraschung wartet, scheint fast sicher. Wird Swiatek zur Alles-Gewinnerin? Kommt der große Moment für Gauff in ihrer Heimat? Oder nutzt eine Teenagerin wie Andreeva die Chance, Geschichte zu schreiben?
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