Wer gedacht hatte, die erste Runde der US Open sei nur ein sanftes Warmspielen der Favoritinnen, wurde am Montag in New York eines Besseren belehrt. Gleich mehrere Überraschungen, emotionale Geschichten und bittere Niederlagen prägten den Auftakt. Auch aus deutscher Sicht gab es gleich den ersten Rückschlag.
Auf Court 7 war die Stimmung am Montagnachmittag aufgeheizt und die Tribünen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele hatten sich ein packendes Duell zwischen Tatjana Maria und der griechischen Powerfrau Maria Sakkari erhofft. Doch am Ende blieb die ganz große Spannung aus. Zwar war die Partie enger, als es das Ergebnis vermuten lässt, doch Sakkari siegte souverän mit 6:3, 6:2.
Für die 37-jährige Maria war es ein bitteres Ende, bevor es überhaupt richtig losgehen konnte. Damit ist bereits ein Drittel der deutschen Frauen ausgeschieden, der Druck auf die noch verbleibenden Spielerinnen steigt. Am Dienstag stehen Laura Siegemund gegen Diana Shnaider und Eva Lys gegen Francesca Jones auf dem Prüfstand. Können sie das deutsche Team wieder ins Gespräch bringen?
Ganz anders war die Stimmung im Arthur Ashe Stadium: Die Night Session wurde zum Fest für die Fans von Venus Williams. Die 45-Jährige bekam noch einmal die große Bühne und sie nutzte sie. Gegen die an Position elf gesetzte Karolina Muchova zeigte Williams all ihren Kampfgeist, zwang die Tschechin in den dritten Satz und ließ das Stadion zeitweise beben. Doch am Ende setzte sich Muchova mit 6:3, 2:6, 6:1 durch. Ein würdiger Auftritt für eine Legende, ein hart erkämpftes Weiterkommen für Muchova und ein Moment, der im Rückblick auf diese US Open sicher noch leuchten wird.
Deutlich stiller als sonst verließ Elina Svitolina die Anlage. Die Ukrainerin hatte mit Anna Bondar eine vermeintlich lösbare Aufgabe, doch sie fand nie wirklich in die Partie und unterlag mit 2:6 und 4:6. Ein unerwartet früher Rückschlag für eine Spielerin, die schon mehrfach gezeigt hat, dass sie bei Grand Slams gefährlich sein kann.
Die Geschichte des Tages schrieb jedoch eine Spielerin, die kaum jemand auf dem Zettel hatte: Renata Zarazua. Die Mexikanerin, aktuell nur die Nummer 82 der Welt, rang im Arthur Ashe Stadium niemand Geringeren als Madison Keys nieder und das in einem epischen Dreisatzkrimi: 6:7 (10), 7:6 (3), 7:5 hieß es am Ende für Zarazua. Sie warf nicht nur eine ehemalige Finalistin, sondern auch die aktuelle Siegerin der Australian Open aus dem Turnier. Keys, die mit großen Ambitionen in New York gestartet war, muss ihre Koffer früh packen. Zarazua dagegen wird sich als erste große Sensation dieser US Open in die Schlagzeilen katapultieren.
Neben all den Dramen gab es auch Favoritinnen, die unaufgeregt ihre Pflichtaufgaben lösten. Elena Rybakina dominierte Julieta Pareja nach Belieben und siegte 6:3, 6:0, Elise Mertens fegte Alyssa Ahn mit 6:1, 6:0 vom Platz und Daria Kasatkina kam gegen Gabriela Ruse in zwei Sätzen weiter. Und Barbora Kreijcikova, die zweifache Major-Gewinnerin, ließ der kanadischen Hoffnungsträgerin Victoria Mboko mit 6:3, 6:2 keine Chance.
Ein besonders emotionaler Moment war das letzte Match von Petra Kvitova. Die zweifache Wimbledon-Siegerin wollte ihre Karriere mit Würde beenden, doch der Court hatte andere Pläne. Gegen Dianne Parry gelang Kvitova gerade einmal ein Spielgewinn: 1:6, 0:6. Es war ein stiller, fast tragischer Abschied, der aber nichts an ihrem großen Erbe ändern wird.
Der erste Tag in Flushing Meadows hinterlässt ein Wechselbad der Gefühle: glanzvolle Auftritte, Abschiede von Legenden, unerwartete Niederlagen und neue Heldinnen. Schaffen es die Deutschen, das frühe Aus von Tatjana Maria vergessen zu machen? Darf Venus Williams noch ein letztes Mal auf dieser Bühne zaubern? Und welche Außenseiterin schreibt als Nächstes Geschichte?
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