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Tennis
  1. TENNIS

Lys unterliegt Mboko in Tokio

Aryna Sabalenka dominiert weiterhin die Tenniswelt, doch hinter ihr drängen junge Talente wie Victoria Mboko nach. Das bekam Eva Lys in Tokio gnadenlos zu spüren.

Es war ein Match, das Eva Lys wohl schnell vergessen möchte. Nur 55 Minuten stand die Hamburgerin auf dem Platz, dann war das Achtelfinale des WTA-Turniers in Tokio bereits wieder vorbei. 1:6, 1:6 lautete das ernüchternde Ergebnis gegen die 19-jährige Kanadierin Victoria Mboko, die gerade dabei ist, den Sprung in die absolute Weltspitze zu schaffen. Bereits bei den French Open hatte Lys gegen Mboko verloren und auch dieses Mal schien sie von Beginn an chancenlos. Lediglich im letzten Spiel erkämpfte sie sich einen Breakball, während Mboko nahezu jeden Schlag mit einer Selbstverständlichkeit spielte, die an ihre Altersgenossinnen Coco Gauff oder Mirra Andreeva erinnert.

Dabei war Lys mit einem starken Auftakt ins Turnier gestartet. Mit 6:2, 6:1 hatte sie die Britin Katie Boulter souverän besiegt, doch gegen Mboko, die bereits ein WTA-1000-Turnier in Montreal gewonnen hatte, fand sie kein Mittel. Ihr Spiel wirkte gehemmt, ihre Aufschläge waren zu harmlos und ihre Schläge zu fehleranfällig. „Ich war permanent unter Druck“, hätte man ihr wohl ansehen können. Die Statistik spricht Bände: Weniger als die Hälfte der Punkte gingen an die Deutsche.

Während Lys noch nach ihrer Form sucht, scheint Victoria Mboko auf der Überholspur zu sein. Sie verkörpert das, was die neue Generation im Damentennis auszeichnet: Unerschrockenheit, Athletik und eine erstaunliche Reife. Namen wie Maya Joint, Alexandra Eala oder Mirra Andreeva sind in der Szene längst feste Größen. Es sind Teenager, die früh reüssieren und den Stars der Tour keine Zeit zum Durchatmen lassen.

Doch auch wenn die Zukunft weiblich und jung ist, gehört die Gegenwart noch immer einer: Aryna Sabalenka. Vor genau einem Jahr übernahm die Belarussin Platz eins der Weltrangliste und hält ihn bis heute. Damit steht sie bereits seit 60 Wochen an der Spitze, länger als Venus Williams, Maria Sharapova und Kim Clijsters zusammen in ihrer Karriere. Sabalenka hat sich mit roher Power, eiserner Disziplin und erstaunlicher Konstanz zur Königin des modernen Frauentennis entwickelt.

Dabei war ihr Weg alles andere als gradlinig. Während andere mit 17 schon Grand-Slam-Viertelfinals spielten, kämpfte sich Sabalenka mühsam durch ITF-Turniere, lernte zu verlieren und sich zu beherrschen. Erst 2019 schaffte sie den Sprung in die Top Ten, 2023 gewann sie ihren ersten Grand Slam und steht nun, ein Jahr später, auf einem Karrierehöhepunkt. Zwar verlor sie die Finals bei den Australian Open und den French Open, doch der Triumph bei den US Open zementierte ihren Status als Nummer eins.

„Ich musste viele schmerzhafte Niederlagen einstecken”, sagte sie kürzlich. „Aber genau das hat mich stärker gemacht als Spielerin und als Mensch.“

Diese mentale Stärke zeigt sich in ihrer Bilanz: Über 10.000 Punkte im Race to the WTA Finals. Ein Wert, den nur sechs Frauen in der Geschichte je erreicht haben. Ihr Vorsprung auf Iga Swiatek beträgt mehr als 1.700 Punkte. Eine Zahl, die viel über Dominanz, aber auch über Belastbarkeit aussagt.

Dennoch bleibt Sabalenka realistisch. „Ich will mich jeden Tag verbessern, das ist mein Ziel“, erklärte sie in Wuhan, wo sie jüngst das Halbfinale erreichte. „Wenn ich am Ende meiner Karriere zurückblicke, möchte ich stolz auf das sein, was ich erreicht habe.“

Zwischen den Zeilen klingt da etwas mit: Ehrgeiz, ja, aber auch Gelassenheit. Vielleicht ist es genau diese Mischung, die sie an der Spitze hält, während um sie herum neue Namen laut werden.

Denn die WTA hat sich verändert. Junge Spielerinnen wie Mboko oder Andreeva treten nicht mehr voller Ehrfurcht, sondern selbstbewusst auf. Sie kennen keine Angst vor großen Namen, sie jagen sie. Tennis-Fans steht somit ein spannendes Szenario bevor: die Erfahrung einer Sabalenka gegen die jugendliche Unbekümmertheit der nächsten Generation.

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