Wer hätte das gedacht? Gleich mehrere Überraschungen prägen den Auftakt der US Open und deutsche Spielerinnen sind maßgeblich daran beteiligt.
Eva Lys hatte lange darauf gewartet, wieder einmal ein Grand-Slam-Match mit einem guten Gefühl zu beenden. Nun ist es ihr gelungen und wie! Die 22-Jährige aus Hamburg fegte zunächst nahezu mühelos über die Qualifikantin Francesca Jones hinweg, geriet dann im zweiten Satz jedoch ins Wanken. Am Ende stand ein 6:0, 7:5 auf der Anzeigetafel. Nicht nur der klare erste Durchgang, sondern vor allem die Art und Weise, wie sie nach Problemen mit dem Aufschlag zurückkam, zeugten von neuer Reife. „Erlösung und unglaubliche Freude“, so beschrieb Lys ihr Empfinden nach dem Sieg. Lachend fügte sie hinzu, dass sie bei den Matchbällen „ein bisschen in die Hose gemacht“ habe. Ehrlich, nahbar – und damit das Gegenteil der kühlen Routine vieler Topstars.
Nun wartet mit Linda Noskova, der Nummer 21 der Setzliste, eine ganz andere Herausforderung. Wird Lys ihre Nerven diesmal wieder im Griff haben? Die Erinnerungen an Cincinnati, wo sie gegen Madison Keys mehrere Matchbälle vergab, sind noch frisch. Doch die Art und Weise, wie sie gegen Jones wieder in die Spur fand, macht Hoffnung.
Eine ähnliche Geschichte, nur mit mehr Erfahrung, schrieb Laura Siegemund. Schon in Wimbledon war sie im Sommer überraschend weit gekommen, jetzt legte sie in New York nach. Gegen die an Nummer 20 gesetzte Diana Shnaider holte sich die 37-Jährige einen packenden Dreisatzsieg (7:6, 2:6, 6:3).
Es war einer dieser Abende, an denen man spürte: Hier kämpft jemand nicht nur gegen eine Gegnerin, sondern auch gegen die eigene Historie. Denn bei den US Open war für Siegemund bislang spätestens in der dritten Runde Schluss. Nun könnte alles anders werden.
Wie sie den ersten Satz im Tiebreak gewann, den zweiten Durchgang abschüttelte und sich schließlich im entscheidenden Moment das 5:3 sicherte, das hatte Klasse. Ihr Jubel nach dem verwandelten Matchball wirkte beinah ungläubig. Und die nächste Aufgabe? Entweder Elina Awanessjan oder Anastassija Sacharowa. Das sind zwar respektable Namen, aber im Vergleich zu Shnaider wirken sie durchaus lösbarer. Plötzlich erscheint ein Lauf tief ins Turnier gar nicht mehr so unwahrscheinlich.
Während Laura Siegemund und Mona Barthel für deutsche Lichtblicke sorgten, zitterte sich die US-Hoffnung Coco Gauff durch ihr erstes Match. Es war ein Ritt auf der Rasierklinge. Gegen Ajla Tomljanović hatte die 21-Jährige große Mühe, ihren neu eingeschlagenen Weg ohne Coach Matt Daly, dafür mit Aufschlagflüsterer Gavin McMillan, auf Anhieb in Erfolge umzumünzen. Fast drei Stunden dauerte das Duell, das von Doppelfehlern in heiklen Momenten geprägt war. Beim Stand von 5:4 im dritten Satz servierte Gauff auf den Sieg und startete prompt mit zwei Doppelfehlern. Fast hätte sich das Drama wiederholt, das ihr schon bei früheren Turnieren böse in die Quere gekommen war. Doch diesmal zeigte sie Herz. Sie kämpfte sich zurück, breakte erneut und verwandelte schließlich nach 2:57 Stunden ihren Matchball.
Ob das reicht, um in den nächsten Runden zu bestehen? Gegen die Kroatin Donna Vekic wird sie sich steigern müssen. Die US-Open-Siegerin von 2023 hat zwar den nötigen Kampfgeist, doch der Druck der heimischen Kulisse ist nicht zu unterschätzen.
Ganz anders verlief der Start für Naomi Osaka. Die zweifache Championesse spielte gegen Greet Minnen abgeklärt und souverän. 6:3, 6:4, keine Spur von Unsicherheit, kein Zittern. Osaka, die ihre US-Open-Titel 2018 und 2020 gewann, trifft nun auf die Amerikanerin Hailey Baptiste. Die Aufgabe dürfte schwerer werden, doch Osakas Körpersprache ließ erahnen, dass sie sich in New York wieder richtig wohlfühlt.
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