Ein krachender Start, ein hitziges Duell auf Messers Schneide und ein verletzungsgeplagtes Wunderkind: Der Auftakt der WTA-Woche in Montreal hat alles, was Tennisherzen höher schlagen lässt.
Eva Lys scheint ihre Nervosität beim WTA-1000-Turnier in Montreal zu Hause gelassen zu haben. Mit einem souveränen 6:1, 6:4 gegen die Französin Leolia Jeanjean katapultierte sich die Hamburgerin mit Tempo und Präzision in die zweite Runde. Es war ein Sieg ohne Wenn und Aber, vor allem im ersten Satz dominierte Lys nach Belieben. Im zweiten Durchgang leistete sich die Deutsche dann ein paar Wackler, doch das Ergebnis war zu keinem Zeitpunkt wirklich in Gefahr.
Nun wartet mit Anastasia Pavljuchenkova die an Nummer 27 gesetzte Russin. Es ist das erste Duell der beiden und die Papierform spricht für die erfahrene Pavljuchenkova. Wenn Lys jedoch ihr Niveau hält, ist eine Überraschung durchaus möglich. Und dann? Dann könnte es in der dritten Runde zum Kracher gegen Iga Swiatek kommen, die Wimbledon-Siegerin, Weltranglisten-Zweite und Turnierfavoritin. Die Polin trifft in ihrem Zweitrundenmatch auf die chinesische Qualifikantin Hanyu Guo. Ist das ein Pflichtsieg? Vielleicht. Doch Lys hat jetzt schon mehr erreicht, als viele ihr zugetraut hätten. Und Montreal liebt seine Underdogs.
Wenn zwei sich streiten, jubelt ... niemand? Das deutsch-deutsche Duell zwischen Laura Siegemund und Tatjana Maria war weniger ein Match, sondern vielmehr ein zähes, nervenzehrendes und schweißtreibendes Epos. 7:5, 6:7 (6:8), 7:6 (7:2) nach über dreieinhalb Stunden, mehr Kampf geht nicht. Mit über 100 Netzangriffen und unzähligen Slices erinnerte der Centre Court phasenweise mehr an eine Schachpartie als an Profi-Tennis.
Siegemund bewies dabei eindrucksvoll, warum sie auf dem Platz so gefürchtet ist: Sie verfügt über mentale Härte, taktisches Gespür und einen eisernen Willen. Obwohl sie im zweiten Satz gleich vier Matchbälle vergab, ließ sie sich nicht aus der Ruhe bringen und triumphierte letztlich verdient gegen die derzeitige deutsche Nummer eins.
Ihre nächste Gegnerin ist Madison Keys. Die US-Amerikanerin und aktuelle Australian-Open-Siegerin ist ein echter Prüfstein. Doch gerade gegen Keys hat Siegemund eine Rechnung offen. In Wimbledon fegte sie die Powerfrau mit 6:3, 6:3 vom Platz. Warum also nicht noch einmal?
Es war das emotionale Highlight des Tages: Bianca Andreescu, 2019 noch gefeierte US-Open-Siegerin, heute auf Rang 188 der Welt abgerutscht, kämpfte sich beim Heimturnier in Montreal zu einem Sieg und zu Tränen. Im Duell mit Barbora Krejcikova führte die Kanadierin 6:3, 5:4, als sie beim Matchball unglücklich umknickte. Schreiend, weinend, am Boden: Die Szene ging unter die Haut. „Warum passiert das immer mir?“, rief Andreescu unter Tränen. Ein Satz, der schmerzt und bleibt.
Nach kurzer Behandlung kam sie zurück, humpelnd, aber entschlossen. Und dann geschah das Unerwartete: Krejcikova schlug bei Einstand gleich zwei Returnbälle weit ins Aus, ohne ersichtlichen Grund. War das ein stilles Zeichen des Fairplays? Ein bewusster Akt, der Andreescu den Sieg schenken sollte? Oder waren es einfach zwei verunglückte Schläge in einem emotional aufgeladenen Moment?
Fest steht nur der 6:3, 6:4-Sieg für Andreescu und das große Fragezeichen hinter ihrem körperlichen Zustand. Ob sie gegen die an Position vier gesetzte Mirra Andreeva überhaupt antreten kann, ist unklar. Doch eins ist sicher: Montreal hat seiner verlorenen Tochter einen weiteren magischen Moment geschenkt.
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