Ein stiller Star, der vom polnischen Provinzklub bis ins Champions League-Finale sprintet, rechte Gegnerflügel abmeldet und heute an der Seitenlinie weiterarbeitet – Łukasz Piszczek hat eine Karriere hingelegt, die perfekt zu seinem unauffälligen, aber gnadenlos effektiven Spielstil passt.
Piszczek wird 1985 im oberschlesischen Czechowice-Dziedzice geboren, einer Industriestadt im Süden Polens. Seine fußballerische Ausbildung erhält er beim Nachwuchs von Gwarek Zabrze, wo er zunächst als Stürmer auffällt, zahlreiche Tore schießt und 2003 mit der U19 polnischer Jugendmeister wird.
2004 holt Hertha BSC den jungen Polen, leiht ihn aber zunächst an Zagłębie Lubin aus, wo er als Flügelspieler und Angreifer in der Ekstraklasa aufdreht und 2006/07 sogar Meister wird. Nach seiner Rückkehr nach Berlin formt ihn Hertha zum Rechtsverteidiger um – eine Positionsänderung, die seine Karriere definiert und ihn für Europas Topklubs interessant macht.
2010 wechselt Piszczek zu Borussia Dortmund und wird dort zum Sinnbild des modernen Außenverteidigers: laufstark, aggressiv im Pressing, ständig unterwegs die Linie rauf und runter. In insgesamt 363 Pflichtspielen für den BVB gewinnt er zwei Meisterschaften, drei DFB-Pokale, drei Supercups und steht 2013 im Champions-League-Finale – immer als Teil der legendären rechten Achse mit „Kuba“ Błaszczykowski und später auch Marco Reus.
Mit Zagłębie Lubin holt er die polnische Meisterschaft, mit Dortmund sammelt er nationale Titel am Fließband und gehört in mehreren Saisons zur Bundesliga-Elite auf seiner Position, was ihm u. a. Nominierungen in die Mannschaft der Saison einbringt. Für Polen absolviert Piszczek über 60 Länderspiele, nimmt an Europameisterschaften und der WM 2018 teil und ist viele Jahre Stammspieler auf der rechten Defensivseite.
Seine Tore sind selten, aber wenn er trifft, explodiert er: geballte Fäuste, ein kurzer Schrei Richtung Kurve, dann wird er von Mitspielern überrannt. Es passt zu ihm, dass seine Jubel nie zur großen Choreografie werden – Piszczek bleibt der Arbeiter, der mehr sprintet als posiert und dessen wahre Show die 90 Minuten davor sind.
Eine typische Szene aus Dortmund: Nach einem intensiven Spiel, in dem er wieder einmal unermüdlich die rechte Seite beackert hat, wird Piszczek nach Abpfiff für den obligatorischen Urintest ausgelost. Die Mitspieler ziehen ihn auf – „Klar, bei dem Laufpensum müssen die ja checken, ob da alles mit rechten Dingen zugeht“ –, während er selbst mit einem halb genervten, halb grinsenden Blick in den Kabinengang verschwindet. Solche Momente illustrieren, wie sehr seine Physis und Seriosität im Verein fast schon „zu gut, um wahr zu sein“ wirkten.
Seine Zeit als absoluter Top-Profi endet 2021, als er Dortmund verlässt und zu seinem Heimatklub LKS Goczałkowice-Zdrój zurückkehrt, wo er noch einige Jahre auf Amateur- und Regionsebene spielt. Dort steht weniger der Leistungsdruck im Vordergrund als der Spaß am Spiel und die Möglichkeit, seiner Heimatregion etwas zurückzugeben, bevor er die Schuhe endgültig an den Nagel hängt.
Nach der aktiven Laufbahn steigt Piszczek voll in seine zweite Karriere ein: Er wird Trainer und Funktionär bei LKS Goczałkowice-Zdrój und führt den kleinen Klub sogar zu regionalen Pokalerfolgen. Parallel dazu übernimmt er einen spannenden Job im Profibereich als Trainer von GKS Tychy in der polnischen I liga – aus dem leisen Dauerläufer auf der rechten Bahn ist ein moderner Coach geworden, der seine Erfahrung aus der Dortmunder Erfolgsgeneration an die nächste Spielergeneration weitergibt.
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