Xabi Alonso hat Bayer 04 Leverkusen zum historischen Meister gemacht und nun den Lockruf aus Madrid gehört. Doch was bleibt zurück, und wie gut kommt die Werkself ohne ihren Erfolgscoach in der Bundesliga-Saison 2025/26 zurecht?
Als Xabi Alonso im Oktober 2022 den Trainerposten bei Bayer 04 Leverkusen übernahm, stand der Verein auf dem 17. Platz der Bundesliga. Weniger als drei Jahre später war Leverkusen deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und Supercup-Gewinner und Alonso ein gefragter Welttrainer. Mit seinem Wechsel zu Real Madrid im Sommer 2025 beginnt für die Werkself ein neues Kapitel. Die große Frage ist: Wie gut ist Leverkusen ohne Xabi Alonso aufgestellt?
Alonsos Bilanz ist schlicht atemberaubend. In 92 Bundesliga-Spielen holte Leverkusen 203 Punkte, stellte mit 2,2 Punkten und 2,2 Toren pro Spiel vereinsinterne Bestmarken auf und blieb in der gesamten Saison 2023/24 ungeschlagen. Ein Novum in der Bundesliga-Historie! Dazu kommen ein Meistertitel, ein DFB-Pokalsieg und der Gewinn des Supercups. Damit holte Alonso mehr Titel als all seine Vorgänger zusammen.
Zwischen dem 12. August 2023 und dem 18. Mai 2024 blieb Leverkusen in 51 Pflichtspielen in Folge ungeschlagen, das ist in den Top-5-Ligen Europas zuvor noch keinem Team gelungen. Dass Alonso als Nachfolger von Carlo Ancelotti bei Real Madrid gehandelt wurde, war keine Überraschung, sondern eine logische Konsequenz.
Der Wechsel nach Madrid lässt eine große Lücke auf der Trainerbank. Doch Bayer Leverkusen wäre nicht Bayer Leverkusen, wenn man sich auf einen solchen Moment nicht vorbereitet hätte. Geschäftsführer Fernando Carro betonte immer wieder die strategische Stärke von Sportdirektor Simon Rolfes. Das Vertrauen in dessen Scouting- und Trainerprofiling ist groß.
Im Gegensatz zu Borussia Dortmund, das nach Erfolgswellen oft ins Straucheln geriet, ist Leverkusen intern stabil aufgestellt. Die sportliche Führung plant langfristig, strategisch und mit Weitsicht. In Leverkusen glaubt man, dass Kontinuität nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Management beginnt.
Trotzdem ist die Bundesliga voll von Beispielen, wie schwer es sein kann, den Erfolg zu konservieren. Der ehemalige Leverkusener Gonzalo Castro warnt im Format „Bolzplatz“: „Es ist die große Kunst, da oben zu bleiben, jedes Mal um die UEFA-Champions-League-Plätze zu kämpfen und den Bayern Paroli zu bieten.“ Dortmund hat es oft vorgemacht und ist genauso oft an den eigenen hohen Erwartungen gescheitert.
Leverkusen muss also nicht nur sportlich, sondern auch mental überzeugen. Die Siegermentalität, die Alonso vermittelt hat, ist nur schwer zu replizieren. Vor allem, wenn die unter ihm gewachsenen Automatismen auf neue Reizsysteme treffen.
Trotz des Trainerwechsels bleibt das Gerüst der Mannschaft weitgehend intakt. Auch wenn Schlüsselspieler wie Florian Wirtz oder Jonathan Tah den Klub verlassen haben, sind dennoch einige wichtige Akteure nach wie vor bei Leverkusen.
Auch Auswärtsrekorde wurden reihenweise gebrochen, beispielsweise zehn Siege in Folge oder 33 Auswärtsspiele ohne Niederlage. All das ist Ausdruck eines Teams, das Woche für Woche auf höchstem Niveau performt. Der neue Trainer Erik ten Hag übernimmt also kein Trümmerfeld, sondern ein funktionierendes System mit Selbstvertrauen und Qualität.
Viele sprechen bereits vom „deutschen Classico 2.0”: Bayern gegen Bayer. Und tatsächlich hat sich Leverkusen unter Alonso vom Herausforderer zum echten Rivalen entwickelt. Ob dieser Status Bestand hat, hängt davon ab, wie nahtlos die Übergabe auf der Bank, im Kopf und auf dem Rasen gelingt.
Eines ist sicher: Die Saison 2025/26 wird zur Nagelprobe für Leverkusen. Dann ist Xabi Alonso nicht mehr dabei, aber es gibt eine klare Struktur, einen starken Kader und ein Umfeld, das bereit ist, den nächsten Schritt zu gehen.
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