Wie funktioniert das Last Soul Ultra? Hier finden Sie alles über Strecke, Zeitlimit, Verpflegung, Schlafmangel, Ausscheiden und die bisherigen Sieger des Backyard-Rennens.
Beim Last Soul Ultra laufen die Teilnehmer nicht um eine klassische Bestzeit. Es gibt weder eine vorgegebene Gesamtdistanz noch eine festgelegte Dauer. Stattdessen wird jede Stunde eine Runde über 6,706 Kilometer gestartet, so lange, bis nur noch “eine Person” übrig ist.
Das Rennen folgt damit dem sogenannten Backyard-Ultra-Format, das vom US-Amerikaner Gary „Lazarus Lake“ Cantrell entwickelt wurde. Auf den ersten Blick erscheinen 6,7 Kilometer pro Stunde durchaus machbar. Die Schwierigkeit entsteht jedoch durch die ständige Wiederholung: Nach jeder Runde beginnt zur nächsten vollen Stunde sofort die nächste.
Das kann sich über mehrere Tage hinziehen. Die Teilnehmer müssen daher nicht nur laufen, sondern ihre Pausen, Verpflegung, Kleidung, Fußpflege und den immer größer werdenden Schlafmangel organisieren. Gewonnen hat am Ende nicht unbedingt die schnellste Person, sondern diejenige, die körperlich und mental am längsten weitermachen kann.
Veranstaltung: | Last Soul Ultra |
Format: | Backyard Ultra |
Streckenlänge pro Runde: | 6,706 Kilometer |
Zeitlimit pro Runde: | 60 Minuten |
Start: | jede volle Stunde |
Gesamtdauer: | nicht begrenzt |
Sieger: | letzte verbliebene Person nach erfolgreicher Schlussrunde |
Austragungsort: | Bornheim, Nordrhein-Westfalen |
Datum 2026: | 14. August 2026, 12:00 Uhr |
Übertragung: | 24/7-Livestream auf YouTube |
Die Premiere des Last Soul Ultra wurde am 3. Oktober 2025 in Bornheim südlich von Köln ausgetragen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Ultraläufer und Content Creator Kim Gottwald gemeinsam mit dem früheren Fußball-Weltmeister André Schürrle und der Laufmarke Rappid.
Die zweite Ausgabe startete am Freitag, den 14. August 2026, um 12:00 Uhr. Der genaue Austragungsort wurde öffentlich nicht ausführlich kommuniziert. Das ist eine bewusste Entscheidung der Veranstalter, da am Gelände keine Zuschauer zugelassen sind und ein unkontrollierter Andrang vermieden werden soll.
Für die zweite Ausgabe wurden 150 Startplätze vergeben. Interessierte Läufer konnten sich zunächst über ein Formular bewerben. Nach dem Ende der Anmeldephase wählte das Organisationsteam das endgültige Teilnehmerfeld aus. Die Startgebühr betrug 100 Euro.
Alle noch im Wettbewerb befindlichen Teilnehmer versammeln sich vor jeder vollen Stunde im Startbereich. Mit dem Startsignal beginnt eine neue Runde über 6,706 Kilometer, die innerhalb von 60 Minuten beendet werden muss.
Wer beispielsweise um 12:00 Uhr startet, muss die Runde vor 13:00 Uhr abgeschlossen haben. Um Punkt 13:00 Uhr beginnt bereits die nächste Runde. Es reicht daher nicht, erst zu diesem Zeitpunkt die Ziellinie zu überqueren: Die Teilnehmer müssen rechtzeitig zurück sein und erneut startbereit im vorgesehenen Startkorridor stehen.
Das Prinzip wiederholt sich ohne festgelegtes Ende:
Zu jeder vollen Stunde beginnt eine Runde über 6,706 Kilometer.
Jeder Läufer muss die Runde innerhalb von 60 Minuten abschließen.
Die verbliebene Zeit darf im Basecamp zur Erholung genutzt werden.
Zum nächsten Startsignal müssen alle wieder im Startbereich stehen.
Wer zu spät kommt oder nicht erneut startet, scheidet aus.
Das Rennen endet erst, wenn nur noch eine Person weitermachen kann.
Die letzte Person muss eine weitere Runde erfolgreich absolvieren, um offiziell zu gewinnen.
Bei einem klassischen Backyard Ultra gibt es nur einen Finisher. Alle anderen Teilnehmer werden in der Ergebnisliste als DNF – Did Not Finish geführt. Der vorletzte verbliebene Läufer erhält häufig die Bezeichnung „Assist“, weil seine Leistung dem Sieger die abschließende Runde ermöglicht.
Es gibt keine vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit. Entscheidend ist ausschließlich, dass die Runde innerhalb einer Stunde beendet wird. Eine sehr schnelle Runde ist allerdings nicht automatisch von Vorteil.
Wer die 6,706 Kilometer in 35 Minuten läuft, erhält zwar 25 Minuten Pause, verbraucht durch das höhere Tempo aber möglicherweise unnötig viel Energie. Läufer, die 50 bis 55 Minuten benötigen, bewegen sich kontrollierter, haben dafür aber weniger Zeit zum Essen, Umziehen, Schlafen oder zur Behandlung ihrer Füße.
Rundenzeit | Durchschnittliches Tempo | Verbleibende Pause |
40 Minuten | etwa 5:58 min/km | 20 Minuten |
45 Minuten | etwa 6:43 min/km | 15 Minuten |
50 Minuten | etwa 7:27 min/km | 10 Minuten |
55 Minuten | etwa 8:12 min/km | 5 Minuten |
59 Minuten | etwa 8:48 min/km | 1 Minute |
Die Gesamtdistanz hängt davon ab, wie lange mindestens zwei Personen weitermachen. Bereits nach etwas mehr als sechs Runden ist die Distanz eines klassischen Marathons erreicht. Nach 15 Stunden haben die verbliebenen Läufer erstmals die Marke von 100 Kilometern überschritten.
Runden: | Dauer: | Gesamtdistanz: | Vergleich: |
1 | 1 Stunde | 6,706 km | kurzer Trainingslauf |
7 | 7 Stunden | 46,942 km | mehr als ein Marathon |
10 | 10 Stunden | 67,060 km | etwa 1.5 Marathons |
15 | 15 Stunden | 100,590 km | 100-Kilometer-Ultramarathon |
24 | 1 Tag | 160,944 km | fast vier Marathons |
48 | 2 Tage | 321,888 km | Von Berlin nach Prag |
67 | 67 Stunden | rund 449 km | mehr als zehn Marathons |
100 | 100 Stunden | 670,600 km | Von Berlin nach Warschau |
Die einzelne Runde ist nicht das größte Problem. Entscheidend ist die zunehmende Belastung durch die vielen Wiederholungen. Beine und Füße werden von Stunde zu Stunde stärker beansprucht, während gleichzeitig die Möglichkeiten zur Erholung immer kleiner werden.
Zu den größten Herausforderungen gehören:
Schlafmangel: Es gibt keine längere Schlafpause. Nachts bleiben oft nur wenige Minuten für kurze Nickerchen.
Verpflegung: Über viele Stunden oder Tage müssen regelmäßig Kohlenhydrate, Flüssigkeit und Elektrolyte aufgenommen werden.
Fußprobleme: Blasen, Schwellungen, feuchte Schuhe und gereizte Haut können das Rennen beenden.
Temperaturwechsel: Die Teilnehmer laufen tagsüber, nachts und möglicherweise bei wechselndem Wetter.
Mentale Belastung: Nach jeder Runde muss bewusst die Entscheidung getroffen werden, erneut anzutreten.
Zeitmanagement: Essen, Trinken, Umziehen, Toilettengänge und Schlaf müssen in wenige Minuten passen.
Gleichmäßiges Tempo: Zu schnelles Laufen kostet Energie, ein zu langsames Tempo lässt kaum Erholungszeit.
Mit zunehmendem Schlafmangel können außerdem Konzentrationsprobleme, Orientierungsschwierigkeiten und Halluzinationen auftreten. Backyard Ultras sind deshalb keine gewöhnlichen Volksläufe und erfordern eine gezielte Vorbereitung sowie eine realistische Einschätzung der eigenen körperlichen Grenzen.
Die Teilnehmer müssen ihre Verpflegung weitgehend selbst organisieren. Der Veranstalter stellt Wasser in Behältern bereit. Im Basecamp gibt es zusätzlich eine Versorgungsstation, die jedoch nur als Ergänzung gedacht ist und keine vollständige Eigenversorgung ersetzt.
Jeder Teilnehmer erhält im Basecamp einen Bereich von ungefähr drei mal drei Metern. Dort können unter anderem folgende Gegenstände aufgebaut beziehungsweise gelagert werden:
Stuhl oder Liege
Wechselkleidung
mehrere Paar Laufschuhe
Regen- und Wärmeschutz
Handtücher und Hygieneartikel
persönliche Verpflegung
Getränke und Elektrolyte
Stirnlampe und Ersatzbatterien
Material zur Fußpflege
Decken oder Schlafsack
Während der Runde ist Unterstützung verboten. Verpflegung, Kleidung oder Ausrüstung dürfen nur im Basecamp übergeben werden. Beim Last Soul Ultra sind pro Teilnehmer bis zu drei Crewmitglieder erlaubt. Eine eigene Crew ist jedoch keine Pflicht.
Bei Dunkelheit müssen die Athleten eine funktionierende Stirnlampe tragen. Ohne die vorgeschriebene Beleuchtung dürfen sie nicht auf die nächste Runde gehen.
Eine maximale Dauer gibt es nicht. Das Rennen kann nach wenigen Stunden beendet sein, theoretisch aber auch fast eine Woche dauern. Entscheidend ist allein, wie lange die beiden stärksten Teilnehmer im Wettbewerb bleiben.
Die Premiere dauerte knapp 67 Stunden. Kim Gottwald startete am Freitagmittag und stand erst am Montagmorgen als Sieger fest. Bei internationalen Spitzenrennen wurden bereits deutlich mehr als 100 Runden erreicht.
Das Besondere: Der spätere Sieger kann die Dauer nicht allein bestimmen. Wenn der vorletzte Teilnehmer nach 40 Runden aufgibt, kann der Führende nicht freiwillig weitere 30 Runden für einen Rekord laufen. Er absolviert nur noch die erforderliche Schlussrunde und das Rennen ist beendet.
Das Last Soul Ultra wird von Beginn bis zum Ende über einen 24/7-Livestream auf YouTube begleitet. Der Stream läuft auch nachts weiter, weil vor dem Start niemand weiß, wie lange die Veranstaltung dauern wird.
Die Übertragung beziehungsweise weitere Inhalte sind vor allem über folgende Kanäle verfügbar:
den YouTube-Kanal von Kim Gottwald
die Kanäle der Laufmarke rappid
die offiziellen Social-Media-Kanäle des Last Soul Ultra
zusätzliche YouTube-Streams und Reaktionen anderer Content Creator
begleitende Streams und Watchpartys auf Twitch
Zusammenfassungen und Hintergrundberichte bei Joyn
Der Stream der ersten Ausgabe erreichte zeitweise mehr als 90.000 gleichzeitige Zuschauer. Insgesamt wurden rund 3,2 Millionen Aufrufe verzeichnet. Für die Produktion kamen feste und mobile Kameras, Drohnen sowie Nachtsichttechnik zum Einsatz.
Das Teilnehmerfeld setzt sich aus erfahrenen Ultraläufern, anderen Leistungssportlern, Content Creators und ausgewählten Hobbyläufern zusammen. Für 2026 konnte sich grundsätzlich jeder bewerben, die Startplätze wurden anschließend vom Organisationsteam vergeben.
Bei der Premiere traten unter anderem André Schürrle, MMA-Kämpfer Stephan Pütz, Schwimm-Weltmeisterin Leonie Beck sowie mehrere bekannte Fitness- und Lauf-Influencer an. Schürrle absolvierte zwölf Runden und damit rund 80 Kilometer.
Eine Teilnahme sollte dennoch nicht unterschätzt werden. Bereits sieben erfolgreiche Runden ergeben mehr als einen Marathon. Wer einen ganzen Tag durchhält, läuft über 160 Kilometer und muss gleichzeitig eine komplette Nacht ohne längere Schlafphase bewältigen.
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