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Tennis
  1. TENNIS

Krejcikova trotzt Raducana, jetzt wartet Swiatek

Mit drei Matchbällen gegen sich, den Fans im Rücken und einer Prise Magie schreibt Barbora Krejcikova in Seoul ein weiteres Kapitel ihres Comeback-Märchens. Im Viertelfinale wartet jedoch keine Geringere als Iga Swiatek.

Es gibt Matches, die bleiben in Erinnerung, nicht wegen perfekter Schlagstatistiken oder makelloser Technik, sondern weil sie den Atem stocken lassen. Genau so ein Abend war es in Seoul, als Barbora Krejcikova scheinbar mit dem Rücken zur Wand stand und doch wieder einmal entkam. Emma Raducanu, die einstige Siegerin der US Open, hatte gleich drei Matchbälle, doch am Ende jubelte die Tschechin: 4:6, 7:6 (12:10), 6:1 nach fast drei Stunden.

Wer Krejcikova in dieser Saison verfolgt, erkennt ein Muster: Sie lebt von der Dramatik. Schon bei den US Open hatte sie acht Matchbälle gegen Taylor Townsend abgewehrt. In Eastbourne drehte sie gegen Harriet Dart und Jodie Burrage Spiele, die eigentlich verloren schienen. Und nun also Seoul, wo die Zuschauer spürbar Teil der Wende wurden. „Ich war sehr unten“, gab Krejcikova nach dem Spiel zu. „Aber die Fans haben mich getragen, selbst als ich zurücklag. Das hat mir Energie gegeben.“

Dabei begann alles so verheißungsvoll: Krejcikova nahm Raducanu früh den Aufschlag ab, nur um den Vorteil sofort wieder preiszugeben. Die Britin fand schnell ihren Rhythmus und holte sich den ersten Satz. Im zweiten Durchgang sah es noch düsterer aus. Raducanu führte 5:2, hatte den Sieg schon auf dem Schläger und servierte zum Match. Doch dann begann Krejcikovas Aufholjagd. Punkt für Punkt arbeitete sie sich ins Tiebreak vor, das zu einem epischen Nervenkrimi wurde. Raducanu lag 5:2 vorne und hatte zwei weitere Matchbälle, doch Krejcikova biss sich durch und nutzte schließlich ihren vierten Satzball zum 12:10.

Ab diesem Zeitpunkt kippte die Partie endgültig. Krejcikova, jetzt voller Energie, ließ nichts mehr anbrennen, gewann fünf Spiele in Folge und setzte mit einem Ass den Schlusspunkt. Die Statistiken spiegeln dieses Drama wider: 64 unerzwungene Fehler und zehn Doppelfehler stehen 48 Winnern gegenüber. Eine Mischung aus Risiko, Wacklern und purer Entschlossenheit. Raducanu brachte es zwar nur auf zehn direkte Gewinnschläge, doch ihre Solidität reichte nicht aus, um Krejcikovas unerschütterlichen Kampfgeist zu brechen.

Bemerkenswert sind nicht nur die Nervenstärke, sondern auch die Konstanz in engen Matches. Zehn Dreisatzsiege und nur eine Niederlage sprechen eine deutliche Sprache: Krejcikova ist nach einer langen Verletzungspause körperlich und mental stärker zurückgekommen.

Und nun? Im Viertelfinale steht ein Duell, das nach Spannung schreit: Krejcikova gegen Iga Swiatek. Es ist ihr sechstes Aufeinandertreffen, die Polin führt knapp mit 3:2.

Zuletzt siegte Swiatek bei den WTA Finals, doch Krejcikova wittert ihre Chance, den direkten Vergleich auszugleichen. Ein Sieg wäre nicht nur prestigeträchtig, sondern würde ihr auch das erste Halbfinale in Seoul bescheren.

Swiatek, die klare Nummer eins im Feld, ist für ihre gnadenlose Dominanz bekannt. Doch Krejcikova weiß, wie man Favoritinnen ins Wanken bringt. Gerade, wenn sie unter Druck steht. Wer in dieser Saison schon viermal von Matchbällen zurückgekommen ist, für den scheint kaum etwas unmöglich.

Die Fans in Seoul dürfen sich also auf ein Viertelfinale freuen, das mehr zu bieten hat als bloße Statistik. Es geht um Rivalität, um mentale Stärke und vielleicht um die Frage: Wie oft kann eine Spielerin den Abgrund um Zentimeter verfehlen, nur um am Ende doch den Weg ins Rampenlicht zu finden?

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