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Olympia/Tennis
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Kraftpaket Shelton, Comeback-König Norrie

Ben Shelton serviert wie entfesselt, Cameron Norrie überrascht einen Topstar und Daniel Evans bringt das Heimpublikum zum Schweigen. Was passiert da gerade beim ATP-Turnier in Washington?

Mit einem Sieg, der mehr war als nur eine Pflichtaufgabe, hat sich Ben Shelton am Dienstag eindrucksvoll zurückgemeldet. Mit 6:3, 6:4 fegte der an Position vier gesetzte Shelton seinen Landsmann Mackenzie McDonald vom Platz. Kein einziger Breakball gegen sich, neun Asse und nur sieben verlorene Punkte beim eigenen Aufschlag: Shelton spielte wie jemand, der nicht nur das Turnier in Washington gewinnen, sondern auch bei den kommenden US Open ganz vorne mitmischen will.

„Es ist superwichtig, stark zu starten“, erklärte der 22-Jährige nach seinem souveränen Auftaktsieg. Shelton steht aktuell auf Platz 8 der Weltrangliste, seine bisher beste Platzierung. Und auch wenn er seit seinem Viertelfinal-Aus in Wimbledon gegen Jannik Sinner kein Match mehr gespielt hatte, ließ er gegen McDonald keinerlei Rost erkennen.

Für den athletischen Linkshänder ist Washington nicht nur ein Testlauf, sondern eine echte Chance: Er war hier im letzten Jahr schon im Halbfinale und peilt nun erstmals einen ATP-Titel im Jahr 2025 an. Nächster Gegner ist der Kanadier Gabriel Diallo, ein Match, das Shelton angesichts seiner aktuellen Form als klarer Favorit angehen dürfte. Aber: Überraschungen sind in D.C. gerade eher die Regel als die Ausnahme.

Norrie ist der Mann, der gegen die Statistik kämpft

Einer dieser Überraschungsmänner ist Cameron Norrie. Der Brite war in seinem Match gegen den an zwei gesetzten Italiener Lorenzo Musetti zwar nur auf dem Papier der Außenseiter, immerhin ist Musetti die Nummer 7 der Welt. Nach dem verlorenen ersten Satz drehte Norrie auf, rettete sich mit 6:2 in den dritten Satz und verteidigte dort beim Stand von 2:2 drei Breakbälle in Folge. Es war der Wendepunkt.

„Ich musste mich echt pushen, vor allem mental“, sagte Norrie nach dem Match. Ein Blick in die Statistik zeigt, was er damit meint: Seit 14 Matches hatte er nicht mehr gegen einen Top-10-Spieler gewonnen, doch nun gelang ihm dieser Befreiungsschlag.

Norrie, der ebenfalls im Wimbledon-Viertelfinale stand, scheint wieder in Topform zu sein. Gegen Musetti feierte er seinen elften Sieg gegen einen Spieler der Weltspitze und brachte damit die Setzliste in Washington endgültig ins Wanken.

Evans mit Nerven wie Drahtseile

Und dann war da noch Daniel Evans. Der 35-Jährige wurde in der Vergangenheit schon oft abgeschrieben: zu alt, zu unkonstant, zu verletzungsanfällig. Doch gegen den an Position 13 gesetzten Alex Michelsen belehrte er alle eines Besseren. 6:4, 6:4 lautete das Ergebnis, es war jedoch ein hartes Stück Arbeit.

Vor allem im zweiten Satz zeigte Evans, dass Erfahrung manchmal mehr zählt als jugendlicher Elan. Er kämpfte sich von 3:4 zurück, verwandelte seinen vierten Matchball und nahm dem US-Amerikaner die Hoffnung auf ein Heim-Highlight.

Drei starke Auftritte, drei unterschiedliche Geschichten

Shelton, Norrie und Evans schreiben in Washington ihre ganz eigene Geschichte. Während Shelton den Startschuss für eine mögliche Titelmission gegeben hat, kämpft sich Norrie durch einen psychologischen Knoten und Evans zeigt, dass er noch längst nicht zum alten Eisen gehört.

Mit Blick auf das restliche Turnier darf man sich jetzt schon freuen. Was kann Shelton gegen Diallo zeigen? Wie weit trägt Norrie seine neue Energie? Und wer stolpert als Nächstes über einen vermeintlichen Außenseiter?

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