Drama pur in Shenzhen: Während sich Italien ins Halbfinale kämpft, balanciert Spanien mit Paula Badosa zwischen Verletzungsfrust und Zukunftshoffnungen.
Manchmal schreibt der Tennissport Geschichten, die spannender sind als jeder Thriller. Im Billie Jean King Cup traf am Dienstag Gastgeber China auf Titelverteidiger Italien und erlebte zwei epische Einzelmatches, die alles andere als vorhersehbar verliefen. Italien setzte sich schließlich mit 2:0 durch und ist damit das erste Team, das sich für das Halbfinale qualifiziert hat. Doch die Art und Weise, wie dieser Sieg zustande kam, dürfte noch lange Gesprächsthema bleiben.
Das erste Match zwischen Chinas Yue Yuan und Italiens Elisabetta Cocciaretto war ein wahres Auf und Ab. Yuan, die Nummer 102 der Welt, spielte sich in einen Rausch, gewann den ersten Satz mit 6:4 und führte im zweiten Durchgang bereits mit 5:2.
Die Halle in Shenzhen tobte, alles sprach für einen klaren Auftaktsieg der Chinesin. Doch Cocciaretto, aktuell auf Platz 91 der Weltrangliste, bewies eisernen Willen. Fünf Spiele in Serie drehte sie den Satz zu ihren Gunsten, 7:5.
Doch damit war das Drama längst nicht vorbei. Yuan ging im entscheidenden Satz mit 4:0 und später 5:2 in Führung, wurde aber erneut von Cocciarettos Hartnäckigkeit eingeholt. Die Italienerin schaffte das 5:5, nahm Yuan nochmals den Aufschlag ab und verwandelte nach knapp drei Stunden Spielzeit den entscheidenden Punkt. Ein 4:6, 7:5, 7:5 und Italien ging erstmals in Führung.
Im zweiten Einzel stand mit Wang Xinyu die Nummer 34 der Welt auf dem Platz. Sie dominierte den Auftakt, holte sich den ersten Satz mit 6:4 und führte im zweiten bereits mit Break und 5:3, doch dann griff Italiens Topspielerin Jasmine Paolini, die aktuelle Nummer 8, ins Geschehen ein. Sie rettete sich in den Tiebreak, gewann ihn und kippte die Partie.
Im dritten Satz schien zunächst alles nach Wang zu laufen: Vier Spiele in Folge brachten ihr eine 4:2-Führung. Doch Paolini konterte noch einmal, drehte das Match endgültig und gewann mit 4:6, 7:6, 6:4. Italien liegt damit uneinholbar mit 2:0 vorne und hat sich einen Platz im Halbfinale gesichert.
Italien trifft nun auf den Sieger des heutigen Duells Spanien gegen Ukraine. Spanien reist mit großen Namen, aber auch mit großen Fragezeichen an.
Badosa steht vor einem Comeback und hat Zukunftspläne. Im Fokus steht Paula Badosa. Die 27-Jährige kennt Höhen und Tiefen wie kaum eine andere Spielerin. Anfang des Jahres erreichte sie bei den Australian Open das Halbfinale, in dem sie an Aryna Sabalenka scheiterte. Danach folgten jedoch nur Rückschläge: Verletzungen, das bittere Erstrunden-Aus in Wimbledon, eine lange Pause und ein Absturz auf Platz 20 der Weltrangliste folgten.
Nun kehrt Badosa im Billie Jean King Cup zurück. Sie trainiert in China mit ihren Teamkolleginnen und will gegen die Ukraine wichtige Punkte holen. Für sie ist der Teamwettbewerb mehr als nur ein Turnier: „Es hilft, hier zu sein. Nach einer Verletzung fühlt man sich manchmal allein. Dieses Team an meiner Seite motiviert mich enorm.“
Und doch schwingt in ihren Worten auch Vorsicht mit. Badosa denkt nicht nur an die nächsten Matches, sondern auch an die Zeit danach: „Ich fange neu an, aber die Saison ist fast vorbei. Meine Ziele liegen ehrlich gesagt schon im Jahr 2026.“
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