Ein deutscher Kämpfer, ein schwedisches Tennis-Erbe und ein britischer Revancheheld: In Brüssel und Stockholm schreiben Hanfmann, Borg und Fearnley ihre ganz eigenen Geschichten voller Drama, Stolz und Triumph.
Es gibt Spiele, die sind bloß Ergebnisse, und dann gibt es diese besonderen Matches, in denen Herz, Wille und Geschichte aufeinandertreffen. In dieser Woche sorgten gleich mehrere Protagonisten an zwei verschiedenen Orten Europas für unvergessliche Tennis-Momente: Yannick Hanfmann in Brüssel, Leo Borg in Stockholm und Jacob Fearnley in der schwedischen Hauptstadt. Drei Spieler, drei Wege und jede Menge Emotionen.
Der 33-jährige Yannick Hanfmann aus Karlsruhe scheint einfach nicht müde zu werden, sich selbst neu zu beweisen. Nach seinem starken Auftritt in Shanghai, wo er dem 24-fachen Grand-Slam-Champion Novak Djokovic in drei Sätzen alles abverlangte, zog es ihn in seine Wahlheimat Brüssel. Dort kämpfte er sich beim ATP-250-Turnier durch die Qualifikation und das auf beeindruckende Art und Weise.
In der Finalrunde traf er auf den Belgier Tibo Colson. Der Lokalmatador hatte die Fans auf seiner Seite, doch Hanfmann zeigte den größeren Kampfgeist. Nach einem knappen ersten Satz, den Colson im Tiebreak mit 7:6 (3) für sich entschied, schien der Deutsche kurz vor dem Aus zu stehen. Doch Hanfmann wäre nicht Hanfmann, wenn er jetzt aufgeben würde. Beim Stand von 5:5 im zweiten Durchgang nutzte er seine einzige Breakchance eiskalt aus und drehte das Match. Der Entscheidungssatz wurde zur Demonstration seines Kampfgeists: 6:2 nach über zwei Stunden Spielzeit.
Nun steht Hanfmann im Hauptfeld der European Open, die erstmals in Brüssel und nicht mehr in Antwerpen stattfinden. Neben Daniel Altmaier ist er der zweite deutsche Starter und könnte gleich auf seinen Landsmann treffen. Ob es zum deutschen Duell kommt, ist offen, doch eines ist sicher: Hanfmann hat seinen Rhythmus gefunden.
In Stockholm stand unterdessen ein anderer Spieler im Rampenlicht, der schon vor dem ersten Ballwechsel für Schlagzeilen sorgte: Leo Borg, Sohn der schwedischen Tennislegende Björn Borg. Mit einer Wildcard ausgestattet, trat der 22-Jährige beim BNP Paribas Nordic Open an und zeigte, dass er nicht nur vom großen Namen seines Vaters profitiert.
Mit einem 6:3, 6:4 über den Österreicher Sebastian Ofner feierte Borg seinen zweiten Sieg auf der ATP-Tour, den ersten gegen einen Gegner aus den Top 150.
76 Minuten voller Entschlossenheit, voller Emotionen. „Das ist etwas ganz Besonderes. Mein erster Sieg hier in Stockholm – das bedeutet mir viel“, sagte Borg sichtlich bewegt. Der Ort hat Symbolkraft: Hier gewann sein Vater 1980 das Turnier im legendären Finale gegen John McEnroe.
Dass Borg junior sein Match mit Nervenstärke und Präzision dominierte, war kein Zufall. Nach Verletzungen und Rückschlägen hatte er in den vergangenen Monaten intensiv an seiner Konstanz gearbeitet. Nun scheint er bereit zu sein, den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn die Aufgabe in Runde zwei mit Denis Shapovalov, dem Turniersieger von 2019, nicht leichter wird.
Doch die emotionalste Geschichte des Tages schrieb vielleicht Jacob Fearnley. Der 24-jährige Brite, aktuell auf Platz 79 der Weltrangliste, kehrte nach Stockholm zurück, um eine offene Rechnung zu begleichen. Im Vorjahr war er hier gegen Tallon Griekspoor ausgeschieden. Diesmal sollte es anders laufen.
Der epische Schlagabtausch dauerte zwei Stunden und 44 Minuten, es war ein Duell auf Augenhöhe, das erst im dritten Satz-Tiebreak entschieden wurde. Fearnley führte bereits mit 6:2, verlor dann vier Punkte in Serie, rettete sich aber mit 7:6 (5) ins Ziel. „Das war ein Krieg bis zum Schluss“, sagte er nach dem Match. Seine Quote von 78 Prozent gewonnener Punkte beim ersten Aufschlag unterstreicht, wie nervenstark er agierte. Mit diesem Sieg glich Fearnley den direkten Vergleich mit Griekspoor aus (1:1).
In der nächsten Runde könnte es gegen einen der Ymer-Brüder gehen: Mikael oder Elias, beide sind Lokalmatadoren. Eine neue Bühne, eine neue Herausforderung.
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