Coco Gauff wankt, fällt aber nicht und bekommt es nun mit einer Gegnerin zu tun, die das Zeug hat, das Turnier endgültig auf den Kopf zu stellen. Droht der Favoritin das Aus gegen das Supertalent Victoria Mboko?
Dass man als Turnierfavoritin nicht automatisch durchmarschiert, zeigt Coco Gauff derzeit eindrucksvoll. Zwei Matches, zweimal über drei Sätze: Gegen Danielle Collins und Veronika Kudermetova musste die US-Amerikanerin jeweils ans Limit gehen. Und auch wenn sie am Ende die Nase vorn hatte, wirkt Gauffs Spiel in Montreal alles andere als souverän. Ein Satz und ein Break Rückstand gegen Kudermetova sprechen Bände. Doch wer Gauff kennt, weiß: Sie liebt die enge Kiste. Und sie hat Nerven wie Drahtseile.
Ob das auch gegen Victoria Mboko reicht? Die 18-jährige Kanadierin ist die letzte verbliebene Lokalmatadorin und hat mit einem spektakulären Comeback gegen Marie Bouzková auf sich aufmerksam gemacht. Nach einem desaströsen ersten Satz (1:6) ließ sie der frischgebackenen Prager Turniersiegerin mit 6:3, 6:0 keine Chance mehr, mit dem Publikum im Rücken und einer beachtlichen Portion Selbstbewusstsein.
Sie ist mehr als nur ein Heimbonus. Sie ist eine der Spielerinnen, über die in den letzten Monaten immer mehr getuschelt wurde. Schnell, aggressiv und furchtlos – das Spiel der Kanadierin erinnert an die ganz Großen. Und sie hat Gauff bereits geärgert: Im Mai bei den Italian Open in Rom verlangte Mboko der US-Amerikanerin alles ab, sodass Gauff über drei Sätze gehen musste. Revanche? Vielleicht. Heimspiel? Auf jeden Fall. Mboko hat nichts zu verlieren und Gauff alles.
Während sich Gauff durchbeißt, liefert eine andere Spielerin vielleicht die emotionalste Partie des bisherigen Turniers: Marta Kostyuk rang die formstarke Daria Kasatkina in einer epischen Drei-Satz-Schlacht nieder. Der erste Satz? Deutlich verloren. Danach? Ein Comeback mit jeder Menge Herz, Willenskraft und taktischer Finesse. Besonders im Tiebreak des dritten Satzes bewies die Ukrainerin eiserne Nerven und setzte nach 2:28 Stunden mit einem Vorhand-Winner den Schlusspunkt.
Dass sich Kostyuk mit ihrer unorthodoxen Spielweise gegen die kontrollierte Kasatkina durchsetzen konnte, ist nicht nur sportlich beachtlich, sondern zeigt auch, wie offen das Tableau in Montreal ist.
Apropos offen: Was ist nur mit Mirra Andreeva passiert? Die an Nummer 4 gesetzte Russin galt im Vorfeld als klare Titelkandidatin, scheiterte aber überraschend an McCartney Kessler. Und das nicht irgendwie. Zwar war der erste Satz hart umkämpft (7:6), doch danach zog Kessler ihr Spiel durch und holte sich den zweiten Satz mit 6:4.
Ein Paukenschlag, nicht nur, weil Andreeva damit früh die Segel streichen musste, sondern auch, weil Kessler bislang eher unter dem Radar flog.
Im Achtelfinale trifft sie nun auf Marta Kostyuk. Auf dem Papier scheint dieses Duell klar, tatsächlich aber bietet es jede Menge Sprengstoff. Kostyuk ist zwar Favoritin, doch die selbstbewusste US-Amerikanerin wird mit ihrem kraftvollen Spiel dagegenhalten.
Und was macht eigentlich Dayana Yastremska? Die Ukrainerin, die in Wimbledon Coco Gauff in der ersten Runde geschockt hatte, ist ebenfalls eine Runde weiter. Diesmal erwischte es Emma Navarro und erneut war Yastremska mit ihrer explosiven Spielweise einfach zu viel für ihre Gegnerin. Sollte sie noch ein oder zwei Runden weiterkommen, dürften bei Gauff unangenehme Erinnerungen wach werden.
Während viele Favoritinnen straucheln oder bereits ausgeschieden sind, zeigt sich Elena Rybakina konstant wie ein Schweizer Uhrwerk. Die Kasachin erledigte Jacqueline Cristian mit 6:0, 7:6 (5), schnörkellos, effektiv und dominant. Sollte sich das Teilnehmerfeld weiterhin so zerstreuen, könnte sie zur großen Profiteurin werden.
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