Zwei Punkte vom Aus entfernt und am Ende doch als Siegerin vom Platz: Coco Gauff hat in Montreal Nerven wie Drahtseile bewiesen. Das Heimturnier der Kanadierinnen wurde hingegen zum Trauerspiel.
Es hätte der frühe Schock des Turniers werden können. Zwei Punkte vom Ausscheiden entfernt, wankte Topfavoritin Coco Gauff am Dienstagabend im IGA Stadium, aber sie fiel nicht. Gegen ihre Landsfrau Danielle Collins entwickelte sich ein Match, das weniger durch spielerische Brillanz als durch emotionale Achterbahnfahrten und eine wahre Fehlerflut Schlagzeilen machte.
Nach 2 Stunden und 55 Minuten lautete der Endstand 7:5, 4:6, 7:6 (2) für Gauff. Beide Spielerinnen leisteten sich je neun Breaks, ein Sinnbild für ein Duell, das mehr Chaos als Kontrolle bot. Besonders brisant: Gauff hatte 23 Doppelfehler und satte 74 unerzwungene Fehler auf dem Konto – Zahlen, die bei einer Topgesetzten normalerweise zum Ausscheiden führen. Doch auch Collins war weit von ihrer Bestform entfernt: Sie leistete sich 13 Doppelfehler, 80 unerzwungene Fehler und hatte im entscheidenden Moment einen Hänger im Tiebreak.
„Es war ein frustrierendes Match“, gestand Gauff nach ihrem ersten Sieg seit dem Titelgewinn bei den French Open. Trotz der haarsträubenden Statistiken versuchte sie, das Positive zu sehen: „Ich glaube, ich habe mein schlechtestes Match des Turniers jetzt schon hinter mir.“ Eine Warnung an die Konkurrenz und vielleicht auch ein leiser Trost für sich selbst.
Ihr nächstes Duell wird erneut kein Spaziergang, denn mit Veronika Kudermetova wartet eine weitere ehemalige Top-10-Spielerin. Die Russin bezwang Olga Danilović souverän mit 6:4, 6:2 und wird Gauffs Schwächen genau analysiert haben.
Während Gauff mit Ach und Krach dem frühen Aus entkam, war der Dienstag aus Sicht der kanadischen Fans ein Desaster. Gleich vier Hoffnungen mussten sich verabschieden, teils sang- und klanglos.
Besonders bitter traf es Leylah Fernandez. Noch vor wenigen Tagen feierte sie in Washington ihren ersten Titel seit zwei Jahren, doch nun stand sie gegen die unbekümmerte Australierin Maya Jansen völlig neben sich. Nach nur 74 Minuten war der Traum vom Heimsieg geplatzt: Fernandez verlor mit 4:6 und 1:6. Sie wirkte erschöpft, fahrig und ideenlos. Ein Rückfall in alte Muster?
Und als ob das nicht reichte, kam vor Fernandez’ Niederlage die Absage von Bianca Andreescu. Die angeschlagene Ex-US-Open-Siegerin konnte wegen einer Knöchelverletzung nicht zu ihrem Match gegen die Teenagerin Mirra Andreeva antreten, obwohl sie zum Auftakt noch mit einer kämpferischen Leistung gegen Barbora Krejcikova geglänzt hatte. Ob sie das Match nur beenden konnte, weil ihre Gegnerin Rücksicht nahm? Eine Spekulation, die im Raum steht.
Auch für Rebecca Marino (chancenlos gegen Emma Navarro) und Carson Branstine (knappe Dreisatz-Niederlage gegen Maria Sakkari) war am Dienstag Schluss. Letztere lieferte immerhin einen echten Fight, aber auch das reichte nicht.
Aus kanadischer Sicht bleibt noch ein kleiner Hoffnungsschimmer. Jungstar Victoria Mboko, die morgen auf Sofia Kenin trifft, könnte das Heimpublikum noch zum Jubeln bringen. Und dann ist da noch Eugenie Bouchard, die einst gefeiert wurde, heute jedoch oft belächelt wird. Dass sie bei ihrem letzten Karriereturnier die erste Runde überstanden hat, ist bereits ein kleines Comeback-Märchen. Ob es gegen Belinda Bencic eine Fortsetzung findet?
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