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Olympia/Tennis
  1. TENNIS

Gauff nun gegen Lys

Coco Gauff besiegt Belinda Bencic in einem Thriller, qualifiziert sich für die WTA Finals und schreibt in Peking Tennisgeschichte. Doch was macht ihre Magie auf chinesischem Boden aus?

Manchmal erzählen Zahlen mehr als Worte. 2 Stunden und 29 Minuten stand Coco Gauff im Achtelfinale der China Open auf dem Platz und jeder einzelne Ballwechsel fühlte sich wie ein kleiner Krimi an. Am Ende ging die 21-jährige US-Amerikanerin mit einem 4:6, 7:6 (4), 6:2 gegen Belinda Bencic vom Court mit einer Mischung aus Erleichterung, Stolz und Vorfreude. Denn mit diesem Sieg erfüllte sie gleich drei Meilensteine: Sie erreichte das Viertelfinale in Peking, hielt die Titelverteidigung am Leben und sicherte sich vor allem das Ticket zu den WTA Finals.

Dabei sah es anfangs so aus, als würde alles ganz leicht gehen. Gauff dominierte die ersten Spiele, führte schnell mit 4:1 und wirkte, als könne sie Bencic regelrecht überrollen. Doch wer die Schweizerin kennt, weiß: Sie gibt nie kampflos nach. Mit fünf Spielen in Serie drehte Bencic den Satz, während Gauff zwischen vergebenen Chancen und schüttelndem Kopf haderte.

Im zweiten Durchgang dann ein Déjà-vu: Wieder lag Gauff zurück, wieder witterte Bencic ihre Chance. Doch an diesem Punkt blitzte der unerschütterliche Kampfgeist der zweifachen Grand-Slam-Siegerin auf. Zwar vergab sie zunächst sieben Breakbälle, doch schließlich nutzte sie den achten, um zurück ins Match zu finden. Der Tiebreak wurde zum Nervenpoker und ausgerechnet dort, wo beide statistisch fast gleichauf lagen, zog Gauff mit einem Mini-Comeback davon.

Ab dem dritten Satz war es ein anderes Spiel. Bencic wirkte ausgelaugt, Gauff dagegen beflügelt. Zwei Breaks und kompromisslose Grundschläge später stand es 6:2. Ein weiteres Dreisatz-Comeback, das ihre Saisonbilanz in Entscheidungssätzen auf 12:2 schraubt, eine Marke, die ihre mentale Stärke eindrucksvoll unterstreicht.

Und doch ist es nicht nur die Statistik, die fasziniert. Peking ist für Gauff längst so etwas wie ein zweites Zuhause geworden. Seit 2023 hat sie hier 16 Matches gewonnen. Mehr als jede andere Spielerin außer der Lokalmatadorin Zheng Qinwen. Kein Wunder, dass sie mit Geschenken überhäuft wird und lachend zugibt: „Ich liebe Geschenke.“ Dass sie damit auch die Herzen der Fans gewinnt, liegt wohl an der Kombination aus jugendlicher Unbekümmertheit und eisernem Siegeswillen.

Für Belinda Bencic muss es sich hingegen fast wie ein unangenehmes Deja-vu anfühlen. Dreimal in diesem Jahr hat sie gegen Gauff verloren; die Amerikanerin scheint für sie so etwas wie ein unsichtbarer Endgegner zu sein. Genauso wie für Leylah Fernandez, die ebenfalls dreimal im Jahr 2025 an Gauff scheiterte. Wer auf Gold in Peking gehofft hatte, musste erneut den Koffer packen.

Und dann ist da noch ein Fakt, den man gerne vergisst: Coco Gauff ist gerade einmal 21 Jahre alt. Trotzdem ist sie die jüngste Spielerin in der Geschichte der China Open, die neun Siege in Serie feiern konnte. Mit 14 gespielten Matches, 13 gewonnenen Partien und drei Viertelfinal-Einzügen ist sie die Jüngste seit Bestehen des Turniers. Das sind Zahlen, die klingen, als stammten sie aus der Karriere einer langjährigen Dominatorin, nicht aus der einer Spielerin, die ihr bestes Tennis vermutlich erst noch vor sich hat.

Im Viertelfinale wartet nun Eva Lys. Ein erstes Aufeinandertreffen, eine Premiere, die durchaus brisant werden könnte. Gauff will den nächsten Schritt in Richtung Halbfinale machen und ihr drittes WTA-1000-Semifinale in dieser Saison erreichen. Lys hingegen hat nichts zu verlieren, was sie gefährlich macht.

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