Wie funktionieren Auswechslungen im Fußball und wie viele sind pro Spiel erlaubt? Wie viele Spieler dürfen auf der Ersatzbank sitzen? Hier finden Sie alles, was Sie über die Regeln für Spielerwechsel wissen müssen.
Auswechslungen können den Ausgang eines Spiels entscheidend beeinflussen und sogar Welt- oder Europameisterschaften entscheiden. Man denke nur an Mario Götze, der 2014 in der Verlängerung das entscheidende Tor schoss und Deutschland den Weltmeistertitel sicherte. Oder an Éder, der sich 2016 in die portugiesische Fußballgeschichte einschrieb, als er mit seinem Treffer den ersten EM-Titel für sein Land gegen Gastgeber Frankreich besiegelte.
Doch wie genau funktionieren die Auswechslungen? Wie viele Wechsel sind erlaubt und wie viele Zeitfenster, sogenannte „Slots“, stehen den Trainern für ihre strategischen Züge zur Verfügung? Wir klären auf.
Die Regel, die fünf Auswechslungen erlaubt, wurde 2020 während der Covid-19-Pandemie eingeführt. Ziel war es, die Spieler vor der Überlastung durch den komprimierten Spielkalender zu schützen. Seit der Saison 2022/23 ist diese Änderung eine feste Regel.
Vor 2020 durften die Mannschaften nur drei Spieler pro Partie auswechseln. Mit fünf verfügbaren Wechseln haben Trainer nun deutlich mehr Möglichkeiten, den Spielverlauf zu beeinflussen, Stammspielern eine Pause zu gönnen und mehr Akteuren Einsatzzeit zu geben.
In Deutschland hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Regel der fünf Wechsel für die Bundesliga und 2. Bundesliga übernommen. Den Mannschaften stehen während des Spiels drei Wechselfenster sowie die Halbzeitpause zur Verfügung. Führen beide Teams gleichzeitig einen Wechsel durch, gilt dies für beide Mannschaften als genutzter Slot.
Ein Wechsel während der Halbzeit verbraucht keinen Slot und kann daher oft taktisch klug genutzt werden, wenn ein Spieler angeschlagen ist oder sich in der ersten Halbzeit leicht verletzt hat. Pro Wechselfenster können so viele Spieler wie möglich ausgewechselt werden, also von 1 bis 5.
In Wettbewerben mit Verlängerung, wie dem DFB-Pokal oder den UEFA-Turnieren, ist ein sechster Wechsel erlaubt. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit eines weiteren Wechsels bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung, um die Gesundheit des Spielers zu schützen.
In den meisten deutschen Profi-Ligen dürfen die Vereine bis zu 9 Ersatzspieler auf der Bank platzieren. In internationalen Wettbewerben kann diese Zahl variieren, oft sind es bis zu 15 Spieler.
Sollte eine Mannschaft mehr als die erlaubte Anzahl an Spielern einwechseln oder die verfügbaren Wechselfenster überschreiten, droht eine empfindliche Strafe. In der Regel wird das Spiel mit 0:3 gegen die schuldige Mannschaft gewertet. Ein bekanntes Beispiel ereignete sich 2020 in Italien: Im Pokalspiel gegen Spezia Calcio wechselte die AS Rom einen sechsten Spieler innerhalb der regulären Spielzeit ein, was zu einer automatischen Niederlage führte.
Die Möglichkeit, Spieler während einer Partie auszuwechseln, ist eine erstaunlich junge Entwicklung im Fußball. Bis 1954 war es schlichtweg verboten, die Aufstellung nach Anpfiff zu verändern. Die erste offizielle Auswechslung fand 1953 im WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und dem Bundesland Saarland statt, als Horst Eckel für den verletzten Richard Gottinger eingewechselt wurde.
In der Bundesliga wurden Wechsel erst zur Saison 1967/68 erlaubt, zunächst aber nur ein Spieler pro Team. Zuvor musste ein verletzter Spieler auf dem Feld bleiben und wurde oft auf dem linken Flügel „geparkt“ eine Position, die man damals spöttisch als „Linksaußen für den Invaliden“ bezeichnete.
Ein weiterer Meilenstein war die WM 1970 in Mexiko, bei der erstmals 2 Auswechslungen pro Mannschaft erlaubt waren. Die Zahl der Ersatzspieler auf der Bank wuchs über die Jahre stetig an. Die Regelung mit 3 Wechselmöglichkeiten wurde 1995 weltweit standardisiert und hatte bis 2020 Bestand. Erst die Pandemie und der immer dichtere Spielplan führten zur Einführung der 5 Wechsel, die den modernen Fußball nachhaltig verändert haben.
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