Wer stürzt den US-Star? Kommt es zur Revanche von Wimbledon? In Toronto gibt es Drama, Überraschungen und ganz viel Emotion.
Beim Masters 1000 in Toronto bebt der Platz, der Himmel öffnet sich und die Favoriten stolpern. Was sich am Mittwoch in Kanadas Tennis-Metropole abspielte, war kein gewöhnlicher Turniertag. Es war ein Tag voller Nervenproben, großer Comebacks und bitterer Abstürze. Allen voran Taylor Fritz und Frances Tiafoe und die große Überraschung um Stefanos Tsitsipas.
Taylor Fritz, die Nummer vier der Welt, musste für sein Weiterkommen hart arbeiten. Gegen Roberto Carballes Baena kämpfte sich der Amerikaner durch einen verregneten und rutschigen Abend und siegte schließlich mit 7:5, 7:6 (1). Es war kein glattes Match, und genau das macht den Sieg so wertvoll. Fritz, der als erster US-Amerikaner seit Andy Roddick im Jahr 2005 als Top-2-Gesetzter in ein Masters 1000 ging, verlor sogar einmal seinen sonst so stabilen Aufschlag. Er musste bei einem Stand von 5:3 im ersten Satz nach einer Regenpause neu ansetzen.
Ich am Ende siegte die Nervenstärke. „Ich hatte echt Schwierigkeiten, den Ball überhaupt im Feld zu halten“, gestand Fritz, der fast zweieinhalb Stunden auf dem Court stand. Im Tie-Break spielte er dann wie entfesselt. Jetzt hat er ein heißes Match vor sich: Gabriel Diallo, der letzte Kanadier im Tableau.
Diallo, 1,98 Meter groß, hat eine Rechnung offen: Erst vor wenigen Wochen unterlag er Fritz in einem packenden Fünfsatz-Match in Wimbledon. Nun bekommt der Lokalmatador seine zweite Chance, diesmal mit Heimvorteil. Ein Duell, das nicht nur sportlich, sondern auch emotional spannend ist. Wer zieht ins Viertelfinale ein? Wer hält dem Druck stand?
Frances Tiafoe lieferte eines dieser Matches ab, bei denen man zweimal hinschauen muss, um zu glauben, wer eigentlich gewonnen hat. Gegen Yosuke Watanuki lag der US-Amerikaner bereits mit 1:6 zurück, ehe er sich in einen Rausch spielte. 7:5, 7:6 (5) hieß es am Ende, obwohl Watanuki mehr Punkte, mehr Winner und das bessere Spiel hatte. Doch Tiafoe hatte das dickere Fell. Besonders bitter für den Japaner: Er verwandelte nur zwei von neun Breakbällen in einem Spiel, das auch anders hätte ausgehen können.
Damit revanchierte sich Tiafoe für seine Niederlage gegen Watanuki bei den Indian Wells im März. Es war sein erster Auftritt als gesetzte Nummer 8 bei einem Masters-Event und ein Statement obendrein.
Stefanos Tsitsipas hingegen verabschiedet sich nach einem holprigen Jahr weiter Richtung Bedeutungslosigkeit. Der Grieche verlor überraschend mit 4:6, 6:4, 2:6 gegen den Australier Christopher O’Connell, der mit sieben Niederlagen in Folge angereist war. Für O’Connell ist es erst das zweite Mal überhaupt, dass er bei einem Masters 1000 ins Achtelfinale kommt. Tsitsipas droht dagegen, aus den Top 30 zu fallen.
Auch der kanadische Traum war nur von kurzer Dauer. Felix Auger-Aliassime unterlag dem ungarischen Überraschungsmann Fabian Marozsan mit 4:6, 4:6, besonders bitter: Beim Stand von 4:5 im zweiten Satz hatte Felix einen Breakball, doch Marozsan konterte mit einem Ass. Ausgerechnet mit dem zweiten Aufschlag. Mehr Symbolkraft geht kaum.
Alex de Minaur bleibt derweil auf Kurs. Der Australier setzte sich souverän gegen Francisco Comesana durch und knüpfte damit an seine Finalform aus Washington an. Auch Alejandro Davidovich Fokina zeigt sich nach seiner Finalniederlage in der US-Hauptstadt stark. Er scheint Hunger auf mehr zu haben. Er besiegte Corentin Moutet in zwei Sätzen.
Eine weitere freudige Nachricht kommt aus Frankreich: Arthur Fils meldet sich nach seiner Verletzung bei den French Open zurück. Er schlug den früheren Champion Pablo Carreno Busta klar mit 6:3, 6:4 und trifft nun auf Jiri Lehecka, der Mackenzie McDonald ausschaltete.
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