Ein Stromausfall, ein faires Duell auf Augenhöhe und ein Teenager, der von New York träumt: Die ATP-Woche in Kitzbühel hat alles zu bieten, nur keine Langeweile. Wer schafft es ins Finale und was hat Justin Engel vor?
Es war ein Abend, an dem selbst die Technik nervös wurde. Das Hawkeye-System, sonst ein souveräner Richter in heiklen Momenten, verabschiedete sich während des Viertelfinals zwischen Arthur Cazaux und Jan-Lennard Struff. Was dann geschah, war vielleicht das Sportlichste an diesem Tag: Beide Spieler einigten sich auf Augenmaß, während der Schiedsrichter Luca Laugero kurzerhand zur alten Schule griff und selbst auf Linienjagd ging.
Trotz der ungewöhnlichen Umstände blieb Arthur Cazaux cool. Der 21-jährige Franzose sicherte sich mit einem konzentrierten 6:3, 6:4 den Einzug ins Halbfinale der Generali Open 2025 in Kitzbühel. Einzig im letzten Spiel musste er noch einmal zittern, als Struff einen Breakball erspielte. Doch nach 82 Minuten war klar: Cazaux ist nicht nur weiter, sondern auch bereit für den nächsten großen Schritt. Und der heißt Arthur Rinderknech.
Mit dem ebenfalls erfolgreichen Franzosen wartet nun ein bekanntes Gesicht. Dieser hatte zuvor Yannick Hanfmann mit 6:4, 3:6, 6:1 besiegt. Eine Partie, in der Rinderknech vor allem im dritten Satz aufdrehte. Der Showdown zwischen den beiden Arthurs wird nicht nur über den ersten Finalisten entscheiden, sondern auch garantieren, dass ein Franzose im Endspiel von Kitzbühel steht.
Für Struff war das Viertelfinale das Ende einer durchwachsenen Woche. Trotz kämpferischer Leistung fehlte ihm der letzte Punch. Dass ausgerechnet ein junger Franzose ihn aus dem Turnier warf, dürfte Erinnerungen an vergangene French Open geweckt haben, bei denen Struff oft früh scheiterte.
Während Alexander Bublik auf der oberen Tableau-Hälfte gegen seinen kasachischen Landsmann Alexander Shevchenko um den Einzug ins Halbfinale kämpft, verspricht das späte Duell zwischen Thiago Seyboth Wild und Botic van de Zandschulp ein echter Sandplatz-Krimi zu werden. Doch zwischen all den großen Namen mischt sich auch eine leise, aber bemerkenswerte Geschichte: die von Justin Engel.
Er ist 17 Jahre jung, kommt aus Nürnberg und hat eine Niederlage kassiert. Trotzdem verließ er Kitzbühel mit einem Lächeln. „Es hat total Spaß gemacht“, sagte er nach dem Match gegen Thiago Seyboth Wild. Worte, die man von einem Profi selten hört und die zeigen, wie befreit Engel auftritt.
Dabei hat der Teenager allen Grund zum Strahlen. Mit seinen Leistungen auf der Challenger Tour und ersten Erfolgen auf der ATP-Bühne hat er sich für die Qualifikation der US Open im August qualifiziert. Ein Meilenstein und ein Vorgeschmack auf das, was da kommen könnte.
Coach Philipp Kohlschreiber begleitet den Nachwuchsstar auf dem Weg nach New York. Nach dem Sand-Challenger in Hagen heißt es: Kurs auf Hardcourt. Nicht Bonn, sondern Grodzisk Mazowiecki in Polen steht auf dem Plan, um den Feinschliff für den Grand-Slam-Auftakt zu erhalten.
Während in Kitzbühel noch die Sieger gesucht werden, sind die Geschichten längst geschrieben. Zwei Franzosen kämpfen um das Finale, ein deutscher Youngster um seine große Zukunft. Zwischen Stromausfall und Fairplay-Momenten zeigt der Tennissommer seine ganze Vielfalt.
Wer holt sich den Titel in den Tiroler Alpen? Und schafft Engel die Sensation in New York? Fest steht: Der ATP-Zirkus bleibt auch in der 30. Woche ein heißes Pflaster.
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