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Handball
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Frank-Michael Wahl – Vom Schwimmer zur Handball-Legende

Frank-Michael Wahl war zunächst ein Talent im Schwimmbecken, doch seine wahre Bestimmung fand er schließlich auf dem Handballfeld. Als Rekordnationalspieler, Olympiasieger und Sportsmann mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte zählt er zu den prägendsten Figuren des Handballs in der DDR und in Deutschland.

Der Moment von Moskau – ein Triumph, der bleibt

30. Juli 1980, Sokolniki-Palast in Moskau: Frank-Michael Wahl reißt sich das Trikot vom Körper, hebt die Arme und blickt ungläubig Richtung Hallendecke. Die DDR hat den Gastgeber UdSSR im olympischen Finale nach Verlängerung mit 23:22 geschlagen. Fünf Tore steuert Wahl selbst bei und spricht bis heute von einem „völlig überraschenden” Erfolg. Für den Rückraumstar des SC Empor Rostock ist es der größte Titel seiner Karriere, aber nur ein Teil seiner außergewöhnlichen Geschichte.

Vom Delphin-Schwimmer zum Rückraum-Shooter

Wahl, 1956 in Rostock geboren, begann nicht als Handballer, sondern als Schwimmer. Über 100 Meter Delphin wurde er DDR-Jugendmeister. Doch stagnierende Leistungen und die Erkenntnis, im Wasser „zu unbeweglich“ zu sein, führten ihn zum Handball, genauer gesagt in die Jugend von Empor Rostock. Dort erhielt er den Spitznamen „Potti“, der aus einem sprachlichen Irrweg seines Namens entstand und hängenblieb.

Der Positionswechsel war ein Glücksfall: Schnell avancierte Wahl zum überragenden Rückraumspieler, erzielte regelmäßig mehr als zehn Tore pro Spiel und dominierte die Nachwuchsligen. 1975 folgte der Sprung in die Oberliga-Mannschaft.

Empor Rostock und eine Karriere voller Titel

Mit Rostock prägte Wahl anderthalb Jahrzehnte den DDR-Handball. Drei Meistertitel, sieben Pokalsiege sowie zwei internationale Triumphe, 1982 der Europapokal der Pokalsieger und die Vereins-Europameisterschaft, zählen zu den größten Erfolgen dieser Ära. Sein Wurf war legendär: „Mit seinem Sportgerät hätte er aus 30 Metern einen Stier erlegen können“, hieß es später über seine Schusskraft.

Internationale Topklubs wurden früh aufmerksam. So wollte der FC Barcelona ihn 1985 für angeblich 1,5 Millionen DM verpflichten, doch die DDR-Führung hielt ihm das Angebot vor. Wahl sprach später von „der größten verpassten Chance“ seiner Karriere.

Rekordspieler, Torjäger, Führungskraft

Für die DDR-Nationalmannschaft absolvierte er 313 Länderspiele und erzielte 1 338 Tore. Ein Wert, der seine Bedeutung unterstreicht. Neben Olympia-Gold 1980 erreichte er mit dem Team zweimal WM-Bronze (1978 und 1986). Er gilt als einer der vielseitigsten und konstantesten Rückraumakteure seiner Zeit.

Neuanfang nach der Wende – Bundesliga, Beruf und DHB-Debüt

Trotz großer Angebote wagte Wahl nach 1990 nicht den Sprung zu einem Spitzenklub, sondern wechselte wegen der Überzeugungsarbeit von Manager Dieter Teraske in die 2. Bundesliga nach Hameln. Dort führte er das Team mit 192 Toren zum Aufstieg. Parallel dazu begann er eine Ausbildung zum Bankkaufmann beim Hauptsponsor. „Mit 35 noch Azubi, aber ich kann das Erlernte später brauchen“, sagte er später.

Im selben Jahr gab Wahl mit 35 sein verspätetes Debüt für den DHB. Es folgten 31 Einsätze (74 Tore), bevor er 1993 seine internationale Laufbahn und kurz darauf auch seine Profikarriere beendete. Der DHB ernannte ihn zum ersten Ehrenspielführer der Nationalmannschaft.

Trainerstationen und ein leiser Abschied vom Profihandball

Ganz loslassen konnte Wahl den Sport jedoch nicht. Zunächst spielte er noch für die TSG Emmerthal, später übernahm er in Hameln die sportliche Leitung und 1999 den Trainerposten. Obwohl er das Team auf Platz eins führte, wurde er im März 2000 entlassen. Es folgten weitere Engagements bei kleineren Vereinen, die jedoch nicht von Erfolg gekrönt waren.

Heute hat sich der zweifache Familienvater weitgehend aus dem Spitzenhandball zurückgezogen. Hin und wieder tritt er bei Prominentenspielen auf, ansonsten widmet er sich aber einem ruhigeren Hobby: dem Golfspielen. „Vielleicht ist das mein Sport für die alten Tage“, sagt der Mann, der als „Potti“ Sportgeschichte schrieb.

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