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Expected Goals (xG): Was ist das eigentlich?

Expected Goals (xG) ist die moderne Geheimwaffe der Fußballanalyse und erklärt, warum ein 1:0 nicht immer verdient ist.

Der Fußball hat sich in den letzten Jahren nicht nur auf dem Platz, sondern auch in den Statistiken grundlegend verändert. Während früher Ballbesitz, Passquote oder Torschüsse als zentrale Messwerte galten, hat sich inzwischen ein neuer Begriff ins Rampenlicht gespielt: Expected Goals (xG). Expected Goals, kurz xG. Dieser Wert ist längst fester Bestandteil moderner Fußballanalysen und sorgt dafür, dass Spiele weit über das Endergebnis hinaus verstanden werden können.

Doch was genau ist xG? Im Kern ist es ein statistisches Modell, das die Qualität einer Torchance misst. Anstatt lediglich die Anzahl der Abschlüsse zu zählen, bewertet xG die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Schuss ins Tor geht, basierend auf Millionen vergleichbarer Abschlusssituationen aus der Vergangenheit. Jeder Schuss erhält dabei einen Wert zwischen 0 und 1: 0 bedeutet praktisch keine Chance auf ein Tor, 1 steht für eine hundertprozentige Wahrscheinlichkeit. Ein Abstauber aus drei Metern kann beispielsweise einen Wert von 0,9 erreichen, ein Distanzschuss aus 30 Metern hingegen nur 0,02.

Der große Vorteil von xG ist, dass es sichtbar macht, ob eine Mannschaft wirklich gute Chancen herausspielt oder nur aus aussichtslosen Positionen abschließt. Ein Team kann also verlieren, obwohl es deutlich bessere Gelegenheiten hatte, und umgekehrt kann es auch gewinnen, obwohl der Gegner in der Chancenqualität klar überlegen war.

Trainer, Scouts und Analysten nutzen xG auf vielfältige Weise. Einerseits dient es der Leistungskontrolle: Wer viele hochkarätige Chancen kreiert, hat über die Saison hinweg bessere Aussichten auf Erfolg. Andererseits dient es zur Bewertung einzelner Spieler: Ein Stürmer, der konstant über seinem xG-Wert trifft, gilt als besonders effizient im Abschluss. Wer deutlich darunter bleibt, muss entweder an seiner Technik arbeiten oder hat schlicht Pech. Auch für Scouting-Abteilungen ist der Wert sehr wertvoll, um Spieler zu identifizieren, die regelmäßig in gefährliche Positionen kommen, auch wenn sie momentan nicht viele Tore schießen.

Die Berechnung von xG basiert auf einer Vielzahl von Faktoren. Der offensichtlichste ist die Position des Schusses. Zentrale Abschlüsse nahe am Tor haben eine höhere Erfolgsaussicht als Versuche aus spitzem Winkel. Aber auch der Schusstyp spielt eine Rolle: Ein Kopfball ist statistisch gesehen seltener erfolgreich als ein Abschluss mit dem Fuß. Hinzu kommt die Art der Vorlage: Ein präziser Rückpass in den Strafraum oder ein Steckpass in die Tiefe hat in der Regel eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit als eine hohe Flanke. Einige Modelle berücksichtigen sogar den Druck durch Verteidiger oder die Position des Torwarts.

Neben dem klassischen xG gibt es auch den Wert Post-Shot xG (PSxG). Während xG die Chance bewertet, bevor der Ball den Fuß oder Kopf verlässt, berücksichtigt PSxG auch die Schussplatzierung. So kann ein perfekter Schuss in den Winkel trotz eines niedrigen xG-Werts eine hohe PSxG-Bewertung erhalten, während ein schlecht platzierter Schuss aus bester Position trotz eines hohen xG-Werts wenig Gefahr darstellt.

Ein praktisches Beispiel verdeutlicht den Nutzen: Angenommen, Manchester City gewinnt gegen Brighton & Hove Albion mit 2:0, zeigt der xG-Wert 3,1 zu 1,2. City hatte also mehrere gute Chancen, von denen nicht alle genutzt wurden. Wäre das Spiel 1:1 ausgegangen, hätte xG trotzdem belegt, dass City in der Chancenqualität überlegen war.

Doch xG ist kein Allheilmittel. Das Modell misst Wahrscheinlichkeiten, nicht Gewissheiten. So bleibt die Bewertung einer identischen Position gleich, unabhängig davon, ob Lionel Messi oder ein Amateurspieler schießt. Auch taktische Entscheidungen, psychologischer Druck oder besondere Spielsituationen wie Unterzahl fließen nicht direkt in die Berechnung ein.

Trotz dieser Einschränkungen hat sich xG als Standardwerkzeug etabliert, um Spiele objektiver zu bewerten. Besonders im Zusammenspiel mit Videoanalyse lassen sich so Tendenzen erkennen. Welche Taktiken führen zu besseren Chancen? Welcher Spieler kommt regelmäßig in Top-Positionen? Und wie stabil steht eine Defensive, wenn man die Qualität der zugelassenen Chancen misst?

Für Fans eröffnet xG eine neue Perspektive. Das reine Ergebnis wird um eine Statistik ergänzt, die zeigt, ob ein Sieg glücklich oder verdient war. Profis erhalten wertvolle Hinweise zur Verbesserung von Spielsystemen und individueller Leistung.

Am Ende gilt: Wer den Fußball wirklich verstehen will, kommt an Expected Goals nicht vorbei. Es ist das Werkzeug, das zwischen Ergebnis und Leistung vermittelt und damit die Statistik, die in der modernen Fußballanalyse vielleicht den größten Unterschied macht.

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